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1,5°C geht nur ohne Wachstumszwang – eine Kritik der gängingen Klimamodelle im IPCC

Nächste Woche wird in Korea die „Summary for Policy Makers“ des Sonderberichts des IPCC zu 1,5°C globaler Erwärmung verhandelt. Am 8. Oktober erscheint dann der Bericht. Es ist für viele – neben dem Hambacher Forst und dem Kohleausstieg – das große Thema der Klimapolitik diesen Herbst. Und angesichts des heißen dürren Sommers bei uns und der Extremwetterereignisse der letzten Monate überall auf der Welt, ist das Klima-Thema damit wieder voll auf der politischen Agenda.

Heute veröffentlichen wir als Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit dem Konzeptwerk Neue Ökonomie eine Studie, auf die wir ziemlich stolz sind und die hoffentlich hohe Wellen schlagen wird. Denn sie beleuchtet eine Schwachstelle der Klimawissenschaft und Klimapolitik an die sich kaum jemand rantraut. Die von Kai Kuhnhenn erstellte Untersuchung Wachstum in der Klimawissenschaft: Ein blinder Fleck. Globale Szenarien aus wachstumskritischer Perspektive zeigt nämlich auf, dass die im Mainstream der Klimadebatte diskutierten und vorgeschlagenen Maßnahmen weiterhin ausschließlich auf konventionellen Wachstumsmodellen basieren, temporäre Überschreitungen der Grenzen von 1,5°C und auch 2°C zulassen und auf riskante Geoengineering-Technologien setzen.

Kai Kuhnhenn sagt dazu:

„Grundsätzlich sind die IPCC-Berichte und ihre globalen Klimaschutzszenarien wichtige Instrumente, um mögliche Wege hin zu einer klimafreundlichen Welt zu entwickeln, denn sie bilden die zentrale Grundlage für politische und gesellschaftliche Aushandlungen zum Klimaschutz. Doch die derzeitigen globalen Klimaschutzszenarien gehen vor allem von weiterem Wirtschaftswachstum aus, auch im globalen Norden. Maßnahmen, die zu weniger Produktion und Konsum führen, kommen darin nicht vor. Damit wird ein Wandel hin zu einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum als mögliches Szenarium ausgeblendet.“

Diese Art von Analyse ist wichtig und soll vor Augen führen, dass zahlreiche mögliche Lösungspfade und Zukünfte gar nicht erst gesellschaftlich vorstellbar und diskutierbar sind, weil sie in den Modellen einer kleinen eingeschworenen Gemeinschaft von im IPCC einflussreichen Modellierer/innen nicht vorkommen. Dabei können zum Beispiel eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung, Agrarökologie oder eine echte Zero-Waste-Kreislaufwirtschaft einen sehr großen Beitrag zu Emissionsreduktionen leisten und nebenbei die Funktionen natürlicher Senken stärken.

Wie das für verschiedene Sektoren konkret aussehen kann, zeigen wir u.a. auch in der gerade erst erschienenen Publikation „Radikaler Realismus in der Klimapolitik“und in unserem zugehörigen Webdossier.

Und wir laden für den 11. Oktober zur Diskussion in die Kalkscheune: Kurswechsel 1,5 Grad – Die Grenzen des Wachstums bei der Lösung der Klimakrise. Mit: Johann Rockström (design. Direktor , Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung), Mons. Pirmin Spiegel (Hauptgeschäftsführer Misereor e.V.), Barbara Unmüßig (Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung e.V.), Angelika Zahrnt (Ehrenvorsitzende BUND e.V.).

 

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