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Die Biofuture Platform: Alles andere als eine Lösung!

Heute, anlässlich des Bioeconomy Day of Action, haben über 120 Umweltorganisationen aus 40 Ländern in einem offenen Brief und in einer Petition vor den Risiken gewarnt, die das rapide Wachsen der so genannten „Bioökonomie“ für das Klima, die Natur und die Menschenrechte darstellt.

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Regierungen dafür stark gemacht, fossile Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle durch Biomasse zu ersetzen, um Kraftstoffe, Plastik und andere Materialien zu produzieren. Dies wird regelmäßig als umwelt- und klimafreundliche Lösung verkauft. 20 Staaten* haben zusammen mit der Industrie die so genannte „Biofuture Platform“ gegründet, mit der das weiter gefördert werden soll: Verbrennung von Bäumen für Strom und Wärme, Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Mais, Palmöl und Soja für den Transportbereich, Verwendung von Nutzpflanzen und Bäumen zur Herstellung von Biokunststoffen, Biochemikalien und anderen „Bioprodukten“.

Um keine Unklarheit aufkommen zu lassen: Die Welt muss weg von den fossilen Rohstoffen. Aber: Ihr Ersatz durch Biomasse ist der falsche Weg, denn er reduziert nicht nur NICHT die globalen Treibhausgasemissionen, sondern richtet noch weiteren Schaden an.

Für den Anbau von energetisch und materiell nutzbarer Biomasse werden riesige Monokulturen angelegt, artenreiche Wälder und Ökosysteme werden gerodet, die Böden entlassen dafür große Mengen an Treibhausgasen. Die Pflanzen müssen mit einem hohen Düngemitteleinsatz zum Wachsen getrieben und durch Pestizide vor Schädlingen geschützt werden. Pestizid- und Düngerproduktion und die sonstige Bewirtschaftung von Monokulturen sind sehr energieintensiv was die Treibhausgasemissionen noch erhöht. Biologische Vielfalt in immensem Ausmaß geht verloren. In den vergangenen Jahren ist die Wirbeltierpopulation weltweit um 60% und die Insektenpopulation in manchen Regionen (u.a. in Deutschland) um bis zu 80% zurückgegangen. Ein Hauptgrund dafür ist die Zerstörung von Lebensräumen.

Die großmaßstäbliche Biokraftstoffproduktion hat bereits jetzt zu massiver Landnahme und zur Vertreibung von größtenteils indigenen Gemeinschaften geführt. Nahrungsmittelproduktion wurde zugunsten von Energiepflanzenproduktion aufgegeben was zu Hunger aufgrund steigender Lebensmittelpreise und zur Verletzung von Arbeiter/innenrechten geführt hat. Wenn aufgrund einer noch höheren Nachfrage weitere exponentiell zunehmend Landflächen auf Biomasseproduktion umgestellt werden, werden sich die sozialen Probleme weiter verschärfen.

Außerdem nimmt eine enorme Ausweitung der Bioökonomie die nötigen finanziellen und geistigen Ressourcen in Beschlag, die für Investitionen in echte und effektive umweltfreundliche Lösung wie Wind- und Solarkraft benötigt werden.

Die Umweltorganisationen fordern daher von den 20 Ländern und multilateralen Organisationen, aus denen sich heute Vertreter/innen und Entscheidungsträger/inne im Rahmen einer Veranstaltung der Biofuture Platform in San Francisco versammeln, die Plattform nicht weiter zu unterstützen. Andere, bisher nicht beteiligte Regierungen sollten die Biofuture Plattform nicht unterzeichnen:

„Lehnen Sie die Biofuture-Plattform ab und fordern Sie echte Lösungen wie weniger Rohstoffverbrauch, Schutz der Ökosysteme und naturnahe Landwirtschaft.“

Die Petition kann von jedem/jeder hier mitunterzeichnet werden.

*Ägypten, Argentinien, Brasilien, China, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, Marokko, Mozambik, die Niederlande, Paraguay, die Philippinen, Schweden, die USA und Uruguay

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Diskussion

  1. Beispiel Brasilien: nachdem in den letzten Jahren das Tempo der Regenwaldabholzung in Brasilien deutlich reduziert werden konnte und Naturschutzgesetze verabschiedet wurden (wenngleich oft nicht wirklich durchgesetzt), zeichnet sich nun eine erneute drastische Verschlechterung in diesem Bereich ab.
    „Proll“-sonaro hat ja schon im Wahlkampf, aber auch kurz nach seiner Wahl, den Abschied vom Pariser Klimaabkommen und die Aufhebung der meisten Naturschutzgesetze angekündigt. Die Abholzung wird also wieder verstärkt werden. Die Agrar- und Abholzungsmafia steht geschlossen hinter dem neuen Präsidenten.

    Beispiel Afrika: der wichtigste Energieträger des großen Teils der armen Bevölkerung Afrikas ist Holz und Holzkohle. Wobei diese Menschen ja einen sehr geringen Energieverbrauch haben im Verhältnis zum OECD-Raum.
    Mitte des letzten Jahrhunderts, als die Bevölkerung des Kontinents noch bei 200 Millionen lag, war das kein Problem. Heute jedoch, bei 1,3 Milliarden, wird regional schon deutlich mehr Holz verbraucht, als nachwächst.
    Und jedes Jahr steigt gegenwärtig die Bevölkerung Afrikas um 33 Millionen (1950: 5 Millionen p.a.). Und bei einem derzeit sehr konstanten prozentualen Bevölkerungswachstum (Durchschnitt) von 2,6% p.a. wird der jährliche nominale Zuwachs Mitte dieses Jahrhundetrs bei 65 Millionen jedes Jahr liegen. Selbst bei zurückgehender Fertilitätsrate ist mit über 50…55 Millionen zusätzlich jedes Jahr zu rechnen, was einer Verzehnfachung des jährlichen nominalen Wachstumstempos der Bevölkerung in 100 Jahren entspräche.
    Die Prognose der UNO von 4,4 Milliarden Menschen in Afrika im Jahr 2100 ist da noch sehr optimistisch. Bei Fortbestand der heutigen prozentualen Wachstumsrate, die zu einer Verdoppelung etwa alle 27 Jahre führt, würde das zu einer Verachtfachung bis Ende des Jahrhunderts führen, also 10 Milliarden. Klar, das wird nicht eintreten, weil vorher die natürliche Lebensgrundlage des Kontinents weitgehend beseitigt wäre, selbst bei dem heutigen, sehr niedrigen materiellen Lebensstandard. Afrika droht bis Ende des Jahrhunderts ein weitgehend entwaldeter Kontinent zu werden, und dem einzelnen Afrikaner kann man daraus noch nicht mal einen Vorwurf machen.
    Der beste Naturschutz ist die Durchsetzung von Frauenrechten und Frauenbildung, Heraufsetzung des Mindestalters der Eheschließung, einfühlsame, aber wirksame Familienplanungspolitik. Und natürlich die stärkere Nutzung insbesondere der Solarenergie.
    Von all dem gibt es bis heute viel zu wenig. Die Liste der Länder, die auf diesem Gebiet begrenzte Fortschritte erzielt haben, ist kurz.

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