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Bundesregierung zu „Negativen-Emissions-Technologien“: grundlegende Risiken und in ihrem Potential überschätzt

Die Bundesregierung positioniert sich in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP zum Status Quo von CO2-Entnahmetechnologien (also: Carbon Dioxide Removal (CDR), eine Form von Geoengineering) erstaunlich kritisch in Bezug auf weitere Erforschung und den perspektivischen Einsatz von CDR-Technologien. So schreibt die Bundesregierung:

Vorliegende Studien zu einzelnen Ansätzen der CO2-Entnahme, die in der Regel auf Modellannahmen basieren, verweisen auf grundlegende, teils erhebliche Risiken sowie auf vielfach noch ungeprüfte Annahmen hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit. (…) Auch Aspekte wie Akzeptanz und internationale Abstimmung (Governance) sowie ethische und rechtliche Fragen sind vielfach ungeklärt.

Die FDP hat sich jüngst vermehrt in die Debatte rund um Geoengineering eingemischt – siehe hier, hier und hier) – mit Positionen, die klar im Pro-Lager angesiedelt sind.

Die Bundesregierung stellt klar, in ihrer Klimapolitik nicht auf CDR-Technologien setzen zu wollen:

Aus Sicht der Bundesregierung besteht aktuell keine ausreichende Wissensgrundlage, um eine Bewertung hinsichtlich der Erprobung und Anwendung von CDR-Technologien, bzw. einer Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels vorzunehmen.

Auch in den Klimaschutz-Szenarien der EU-Kommission, so die Bundesregierung, spielen CDR-Technologien eine sehr geringe Rolle.

In der Antwort wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Angaben von technischen oder theoretischen Potentialen mit Vorsicht zu genießen seien: Sie würden die bestehenden regulatorischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Einschränkungen nicht immer ausreichend Rechnung tragen – damit sind bspw. Nutzungskonkurrenzen, Genehmigungsfähigkeit, die Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen und die öffentliche Akzeptanz.

Die Größenordnungen der sozioökonomisch und ökologisch vertretbaren Potenziale sollten jedoch nicht überschätzt werden.

Die Bundesregierung stellt außerdem klar, keine Projekte zur Erforschung oder Verwendung im Globalen Süden zu betreiben, auch nicht im Rahmen ihrer Entwicklungszusammenarbeit.

Soweit, so gut. Besonders positiv fällt jedoch die Vorabbemerkung der Bundesregierung gleich zu Beginn des Antwortschreibens auf, in dem sie eine Haltung einnimmt, die weit progressiver ausfällt als die Mainstream-Lesart des 1,5°C-Berichts des IPCC:

Der IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung stellt fest, dass negative Emissionen (Carbon Dioxide Removal, CDR) höchstwahrscheinlich notwendig sein werden, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Allerdings sind damit nicht zwingend technische Maßnahmen zur CO2 -Entnahme aus der Atmosphäre gemeint. Der IPCC-Sonderbericht umfasst auch modellierte Emissionspfade, die das 1,5 Grad-Ziel einhalten und dabei ohne BECCS und andere technische CDR-Maßnahmen auskommen. In diesen modellierten Pfaden können die jeweils notwendigen negativen Emissionen auch durch ökosystembasierte Ansätze erreicht werden.

Neben Emissionsreduktionen aus fossilen Quellen will die Bundesregierung vor allem auf ökosystembasierte Maßnahmen setzen. Dabei sollte sie sich unbedingt an den Empfehlungen des CLARA-Netzwerks („Missing Pathways to 1.5°C“) und von Greenpeace (Waldvision) orientieren, die auf biodiverse, komplexe Wald- und andere Ökosysteme setzen statt auf die Aufforstung von Monokulturen.

Aber auch hier ist klar: Mit einem industriefreundlichen, viel zu späten und viel zu trägen Kohleausstieg in 2038 wird uns auch die CO2-Bindung in Ökosystemen nicht retten – geschweige denn der Einsatz von Geoengineering-Technologien, die von der fossilen Industrie (und der FDP) favorisiert werden.

#RadicalRealism muss daher heißen: Nein zu Geoengineering, und Ja zum sofortigen Kohleausstieg!

Beitrag von Linda Schneider

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