2. September 2010,
von Tilman Santarius,
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Die Bundesregierung hat offenbar gestern das “Haushaltsbegleitgesetz” (netter, euphemistischer Titel!) beschlossen (siehe auch hier oder hier). Damit sollen wesentliche Teile des von der Koalition beschlossenen Sparpakets umgesetzt werden. Das Gesetzt enthält einige aus meiner Sicht erbärmliche Maßnahmen, insbesondere wo im sozialen Bereich gespart werden soll. Dass beispielsweise das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger gänzlich abgeschafft wird – dass also gesagt wird: Kinder von Arbeitslosen sind unerwünscht – das ist schlicht menschenverachtend! Wie bitteschön kann das mit den christlich-sozialen Werten der CDU/CSU in Einklang gebracht werden?
Das Gesetz enthält einige Maßnahmen, die aus Sicht des Klimaschutzes interessant sind. Dazu zählen vor allem die Luftverkehrsabgabe und die Beendigung von Ausnahmeregelungen unter der Ökosteuer. Allerdings dürfte sich deren Lenkungswirkung sehr in Grenzen halten. (weiterlesen…)
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1. September 2010,
von Tilman Santarius,
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Kurz vor der Klimakonferenz von Kopenhagen hatte der maledivische Präsident Mohamed Nasheed ordentlich für Aufruhr gesorgt: er trommelte seine Kabinettsmitglieder zu einer Unterwasser-Kabinettssitzung zusammen. Damit wollte er die Welt auf die drohenden Folgen des Klimawandels für sein Inselland aufmerksam machen. Und das war definitiv gelungen!
Die Idee scheint Schule zu machen. Letzten Freitag hat eine Kabinettsstizung in der Mongolei ebenfalls dem Klimawandel trotzen wollen: sie haben demonstrativ in der Wüste Gobi getagt. (weiterlesen…)
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31. August 2010,
von Tilman Santarius,
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Bisher ist Björn Lomborg, “Wissenschaftler” aus Dänemark, als einer der nervigsten Klimaskeptiker bekannt gewesen. Er hat es bestens verstanden, Statistiken, Zahlen, Befunde so zu drehen und zu interpretieren, dass sie die Probleme dieser Welt in bestem Licht erscheinen ließen. Den Klimawandel hat lange betritten, dann mit einer perfiden Strategie zerredet. Nun hat er sich offenbar so sehr marginalisiert, dass er er sein Fähnchen im Wind drehen möchte. (weiterlesen…)
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25. August 2010,
von Tilman Santarius,
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Guten Tag liebe Leserinnen und Leser, zurück aus einer langen Sommerpause, weg von Presse und Emails beim Paddeln und in Schweden, holt mich gleich am ersten Wochenende in Deutschland der Schock ein. Der “Energiepolitische Appell“, den 40 rückwärtsgewandte Männer (!) aus Politik und Wirtschaft an die Bundesregierung verfasst haben, um noch länger in dreckige Kohle und gefährliches Atom zu investieren, hat bei mir akute Sehnsucht nach Flucht ausgelöst: bloß schnell wieder weg aus Deutschland… Aber auf den Schock folgt die Genugtuung: so viel Spott, so viele kritische Zeitungsartikel, empörte Blogs (z.B. Greenpeace), abwatschende Presseerklärungen haben in den letzten Tagen auf diesen Appell eingeregnet – unglaublich! Sehr schön zusammengefasst hat die Diskussion Marian Bichler hier. Und das Blog Metronaut eine lustige Kollage zu Oliver Bierhoff entworfen. Also, ich werde doch nicht auswanden. Es macht doch zuweilen einfach Spass, sich für die Rettung der Welt einzusetzen
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13. Juli 2010,
von Tilman Santarius,
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Ich gehöre ja zu den Leuten, die sich schon lange wundern, warum bei den Verhandlungen zum Technologie-Transfer so wenig läuft. Wenn überhaupt, denke ich, dann liegt doch hier das größte Potential für win-win-deals zwischen Industrie- und Entwicklungsländern: Obama möchte in den USA endlich und im großen Stil den Aufbau einer Erneuerbaren Energien Industrie fördern? Warum dann nicht mit ein paar Dollar extra die Firmen dabei unterstützen, auch auf Märkten im Süden zu koopieren. Deutschland will aus der Wirtschaftskrise raus? Warum dann nicht verstärkt klimafreundliches Technologie-Know-how exportieren. Indonesien möchte seine Vorreiterrolle bei einigen Erneuerbaren Technologien weiter ausbauen? Warum nicht durch verstärkte Joint Ventures mit europäischen und japanischen Firmen, gefördert durch öffentliche Klima-Gelder aus dem Norden.
Doch bislang waren die UNFCCC-Verhandlungen über den Technologie-Transfer vor allem ein Jonglieren mit leeren Worthülsen. Ein neuer “Technology Mechanism”, globale “Technology Action Plans” oder gar ein “Executive Body for Technology Transfer” sind toll klingende Begriffe, hinter denen sich letztlich noch keinerlei konkrete Konzepte oder gar betriebswirtschaftliche Aktionen verbergen.
Jetzt möchte Indien Butter bei die Fische tun: Umweltminister Jairam Ramesh fordert einen zweitägigen, außerordentlichen Ministergipfel im November, um einen Durchbruch bei den Technologie-Verhandlungen zu erwirken. Vor allem soll es darum gehen, wie Patente und geistige Eigentumsrechte so ausgelegt werden können, dass nicht nur die Exportländer (vielfach wenn auch nicht mehr nur aus dem Norden), sondern auch die Zielländer des Technologie-Transfers dauerhaft profitieren. Rameshs Ministerium arbeitet aber auch an der Identifikation konreter Sektoren, in denen der Technologie-Transfer ganz praktisch vorangetrieben werden soll. Wenn es gelänge, dem Thema wieder Leben einzuhauchen – wird dann die nächste Klimakonferenz im Mexico Ende 2010 nicht nur eine “Climate Finance Konferenz”, sondern auch eine “Climate Technologies Konferenz”?
Foto: tuxdriver auf Flickr.com mit Creative Commons Lizenz
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4. Juli 2010,
von Tilman Santarius,
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Im Westen nichts Neues, schrieb Erich Maria Remarque. Im fernen Osten dafür umso mehr, berechnete jüngst die holländische Umweltagentur: Die pro-Kopf CO2-Emissionen in China beliefen sich in 2009 auf sagenhafte 6.1 Tonnen! Damit liegen sie bereits über denen von Frankreich (ok ok, die Franzosen haben zu viel Kernkraft…). 1990 lagen die chinesischen pro-Kopf Werte noch bei 2.2 Tonnen CO2. China hat ja schon vorletztes Jahr die USA als größten nationalen Emittenten überholt. Logisch, dass auch die pro-Kopf-Emissionen da steigen. Doch langfristig tragfähig (2050) sind nur 1.1 Tonnen pro Kopf. China muss also kräftig was machen, um die Hockeyschläger-Kurve nach unten zu biegen! Und kann schon längst nicht mehr behaupten, jetzt sei erst mal „development“ dran.
Auch aus Indien schlechte Nachrichten: (weiterlesen…)
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3. Juli 2010,
von Tilman Santarius,
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Willkommen im Club: Anfang Juli ist in Neuseeland ein Emissionshandel in Kraft gesetzt worden (staatliche Webseite hier, Buch dazu hier). Die Neuseeländer haben sich einiges vorgenommen! Anders als beim EU-Emissionshandel, der zunächst nur CO2-Emissionen aus der Industrie einschließt, werden in Neuseeland auch die Sektoren Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft einbezogen sowie auch die Abfallwirtschaft. Zudem werden weitere Treibhausgase aus Industrie (prozessbedingte Emissionen) berücksichtigt. Das hat den Vorteil, dass ein Großteil aller Emissionen aus Neuseeland durch das System abgedeckt werden. Doch im Gegenzug dürfte das Monitoring und die Vollzugskontrolle des Systems außerordentlich komplex werden.
Zudem hat das System natürlich mit Startproblemen zu kämpfen, von denen man und frau nur hoffen kann, dass sie irgendwann beseitigt werden. (weiterlesen…)
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3. Juli 2010,
von Tilman Santarius,
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Mike Berners-Lee hat hat eine Berechnung aufgemacht, wie viel CO2 Emissionen durchs Radfahren entstehen (siehe Kolummne im Guardian ). Das hänge, so sein Ansatz, von der vorherigen Mahlzeit ab. Für eine britische “mile” Radfahren fallen laut Berners-Lee an:
65g CO2-Äquivalente, wenn Bananen gespeist wurden
90g CO2-Äquivalente nach Müsli & Milch
200g CO2-Äquivalente, wenn man english breakfast mit Bacon and Eggs verzehrt
2800g CO2-Äquivalente nach Spargel, der per Flugzeug eingeflogen worden ist. (weiterlesen…)
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18. Mai 2010,
von Tilman Santarius,
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GASTKOMMENTAR VON DOROTHEE LANDGREBE: Wie die Bundesregierung die Verfassung, die Faktenlage und die Bevölkerung ignoriert, um an der Atomkraft festzuhalten.
Der Druck der Atomlobby muss immens sein: die Bundesregierung hält unbeirrt an der angekündigten Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke fest. Auch die veränderten Mehrheiten im Bundesrat scheinen sie nicht abzuhalten. (weiterlesen…)
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13. Mai 2010,
von Tilman Santarius,
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Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen hatten sich die vier Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Südafrika zur Gruppe der “BASIC” zusammengeschlossen. In der Formation bildeten sie das größte Gegengewicht zu den USA, der EU und den Industrieländern allgemein. Zunächst war unklar, ob die BASIC-Gruppe nach Kopenhagen überhaupt weiter existieren würde. Jetzt aber zeigt sich, dass dies eine äußerst vitale Gruppe ist. (weiterlesen…)
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