Georg Koessler « Klima der Gerechtigkeit

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Grundlegende Reform oder nur kleine Verbesserung beim IPCC?

31. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (1)

Das IPCC ist zuletzt vermehrt in die Kritik geraten und so wurde der “InterAcademy Council” von der UN und dem IPCC selbst beauftragt, Reformvorschläge für eine bessere Arbeit des Klimarates zu erarbeiten. Der IAC ist sozusagen Kopf des InterAcademy Panel on International Issues (IAP), eines Zusammenschlusses von über 100 nationalen Wissenschaftsakademien. Montag (30.8.) war es dann so weit. Den Report gibt es hier.

Einige Klimawandelleugner_innen feiern das schon als Ohrfeige für das IPCC. Das ist natürlich falsch, auch wenn empfohlen wird, die Kompetenzen innerhalb des IPCC klar (und demokratisch) zu verteilen, Außenansichten einzubeziehen und bei Statements mehr deren Ursprung deutlich machen. Die Betonung auf Tranzparenz ist wohl eher der ursprünglichen Kritik am IPCC als ihm selbst geschuldet. Fraglich ist für mich, wie die Einbeziehung von Kontroversen aussehen soll. Ich möchte keinen “balancierten” Bericht im Sinne US-amerikanischer Medien. Diese stellen nämlich oft kleine Kritikpunkt im Sinne der “Ausgewogenheit der Berichterstattung” als ebenbürtig dar (z.B. die Argumente einiger weniger Klimaskeptiker_innen, siehe hier).

(Als erste bloggten in Deutschland darüber wieder mal die fixen Klimaretter.)

Die Vorschläge sind:

Demokratischer Rechtsstaat oder Atomstaat?

26. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

Nachdem der Atom Energiepolitische Appell von über 40 Männern gehobener Gehaltsklasse die Bundesregierung zu einer Atomfreundlicheren Politik angehalten hat, und der Präsident des Deutschen Atomforums Ralf Güldner (trotz tatkräftiger rhetorischer Unterstützung von RWE-Clement) sich die volle Ladung von Renate Künast und Bundesumweltminister Norbert Röttgen gestern bei “Hart-aber-Fair” abgeholt hat, kommt es jetzt noch dicker:

Der Appell “Demokratischer Rechtsstaat oder Atomstaat?” (ausgehend vom ISM) wurde nicht nur demonstrativ von 40 Frauen erstunterzeichnet, sondern erfreut sich laut Unterschriftenliste auch einer breiten Zustimmung in der Gesellschaft. Vom Vorstand der Böll-Stiftung bis zur Linksjugend, von ehem. Ministerinnen bis zum “Bummelstudent”.

Helft mit, dass dieser Appell zeitnah viel mehr Unterzeichner_innen bekommt, als der Atomappell der Stromkonzerne (mit Unterstützung vom “DFB-ierhoff“)! Auch das ist Demokratie!

Das öffentliche Auto

25. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (1)

Kürzlich war ich in York (UK) auf dem jährlichen Treffen des World-Carfree-Networks. Neben vielen Leuten aus Verkehr- und Stadtplanung sowie Aktivist_innen traf ich dort auch einen Vertreter der Bremer Stadtverwaltung. Dieser berichtete interessant über ein Konzept, welches eigentlich sehr nahe liegt: das öffentliche Auto.

Vielen ist das eher als car-sharing” bekannt, doch leider mitsamt den negativen Implikationen: “Mein Auto soll ich teilen? Dann wird es vielleicht dreckig, ich kann nicht meine Musik hören, mein Tempo fahren und bin irgendwie nicht mehr Herr in meinem Wagen!” Teilen liegt halt nicht allen. Oder? Während beim car-sharing eine Person andere ganz solidarisch mitnimmt, ist das Prinzip des öffentlichen Auto anders. Dieses funktioniert wie das System der öffentlichen Fahrräder (bei uns von der Bahn gestellt), welche keiner Person gehören und jeder sich eines nur dann nimmt, wenn er/sie es braucht.

Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizenz)
Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizens bei flickr)

Bremen will (weiterlesen…)

Castor Schottern ist legitim!

25. August 2010, von Georg Koessler, Comments (4)

Die TAZ berichtet heute über “Die Schotter Kampagne“. Dabei geht es laut Redakteur Martin Keul um Folgendes:

Der kühne Plan: Wenn bei den Castor-Transporten tausende Menschen nicht nur auf der Straße sitzen, sondern gemeinsam komplette Gleisabschnitte von Steinen befreien, könne sich der Tross effektiv stoppen lassen.

Das finde ich persönlich legitim. Als Mensch mit grünem Weltbild lehne ich Gewalt gegen Menschen (und andere Lebewesen) grundsätzlich ab. Bei Gewalt gegen Gegenstände muss immer kritisch gefragt werden, ob dabei Menschen zu Schaden kommen würden. Es ist fragwürdig, welchen Sinn das Abfackeln von Kleinwagen in Neukölln macht – wahrscheinlich gar keinen. Doch wenn ein Stück Schiene, welches nur für den Transport im Schritttempo von Hochrisikomüll alle 2 Jahre mal genutzt wird (daher kein “Schwerer Eingriff in den Schienenverkehr”), vorübergehend umgestaltet wird, ist das im Rahmen von bürgerschaftlichem Engagement.

Demokratie wird immer von zwei Seiten bedroht, von Repression und von Lethargie. Dazwischen verläuft der Streifen einer aktiven Zivilgesellschaft von der die wachsende Klimabewegung ein aktiver Teil ist. Es ist erfreulich, wenn sich die sog. “bürgerlich-linken” Gruppen wie die GRÜNE JUGEND oder ’solid mit einer solchen Aktion solidarisieren, wenn sich einzelne Prominente unter den Aufruf setzen und wenn klimabewegte Menschen aus dem linken und autonomeren Spektrum für eine saubere Energieversorgung zusammen kommen. Die Aktion birgt die Chance, bewegte Bündnisse von Unbeugsamen zu schaffen. Der Aufruf zeigt, dass es keine Gewalt bei der Aktion geben soll. Es geht einzig darum, den Castor mit den friedlichen Mitteln des “Schotterns” zu stoppen um damit der Regierung zu zeigen, dass ihre abgehobene Atomdiskussion am der deutschen Mehrheitsmeinung vorbei geht. Die will kein Atommüll und keine Atomenergie. Merkel sollte Gorleben (wieder) und für immer dicht machen.

Ein wirklich schlechter Deal

19. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

Wir wurden ja gewarnt, ein „bad deal“ sei schlimmer als „no deal“. Also lieber nichts in Kopenhagen erreichen als ein schlechtes Abkommen. Es sieht so aus, als ob sich ein halbes Jahr später dies nochmal so richtig bewahrheiten würde.

Bei den dritten Verhandlungen in Bonn dieses Jahr (daher „Bonn III“ genannt), wurden vor zwei Wochen keine wirklichen Fortschritte erzielt. Aber wenn wir auf die Verhandlungstexte schauen, sehen wir, was sich seit Kopenhagen so alles getan hat. Der Text vom 17. Mai hatte noch eine Reihe der berühmten eckigen Klammern. Diese werden immer dann genutzt, um Vorschläge die noch keinen Konsens hinter sich wissen, zu markieren. Theoretisch kann jedes Land so viele Klammer-Ideen wie es will in den Text bringen. Ziel der Verhandlungsleitung ist es demzufolge, die Anzahl dieser „Optionen“ zu minimieren. Manchmal ist das einfach, oft aber sind die Vorschläge konträr zueinander. (weiterlesen…)

Die Abwrackprämie für Windräder muss her!

19. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

(achtung, satire)

Heute wurde berichtet, dass die Aktie des dänischen Windbauers Vestas um 20% gefallen ist, nachdem ein Verlust von 150 Mio. Euro im 2. Quartal 2010 vermeldet wurde. Wie reagiert die Branche? Tausende von Arbeitsplätzen sind bedroht, auch in Deutschland. Diese Krise könnte auf die Windindustrie im Land überschwappen und sie erheblich schädigen. Vorbei wäre es mit Gewinnen und Sauberimage. „Der Chinese“ würde weiter davon ziehen und Weltmarktführer sein. Anders als beim Fussball – und auch dort ist es schon schwer zu verstehen – dürfen wir nicht auch noch bei der Windenergie das Finale verpassen!

Deshalb fordere ich die Abwrackprämie für Windräder!

Die Kanzler ist schon auf Windtour doch das kann dem wahren Klimaschützer nicht genug sein. Ab sofort sollte jedes neu aufgestellte Windrad mit 7.500 Euro pro Kilowattstunde subventioniert werden. Wir müssen als Land zusammenstehen und unserem Kerngeschäft unter die Räder greifen. Deutschland, einig Windland.

Und jetzt die gute Nachricht:

Es werden auch ohne Abwrackprämie mehr klimarettende Windräder gebaut werden. Die lohnen sich nämlich schon heute gegenüber der Konkurrenz aus Atom und Kohle. Und anders als Autos, würden die von einer sinnvoll-ökologischen Steuer profitieren. Und das Klima.

Wundermittel Jatropha?

21. Juli 2010, von Georg Koessler, Comments (5)

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

  

Die Debatte um Biokraftstoffe ist nicht neu, aber sie wird jetzt wieder heiß. Besonders die von den stärkeren Staaten forcierte “Entwicklung” Afrikas durch Energiepflanzen bekommt derzeit wieder zunehmend Aufmerksamkeit. Neben der EU wollen Player wie Brasilien nicht nur Investitionsfeld der Europäer sein, sondern so wie BRIC-Kollege China in Afrika eigenes Geld machen. Die Handelspolitik macht es möglich, dass es sich rentiert, dort Biokraftstoffe anzubauen und diese weiter nach Europa zu schiffen – ein Dreieckshandel, bei dem Afrika die Verliererin sein könnte (das Prinzip klingt leider sehr bekannt). Die TAZ hat dies aufgegriffen (hier bei den Klimarettern zu lesen). 

Ein Name fällt dabei immer wieder: Jatropha.  

Das IFEU hat hierzu bereits 2008 eine Untersuchung gemacht.  

“Jatropha, Jatropha curcas L., zu deutsch Purgiernuss, ist ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Er gedeiht selbst in niederschlagsarmem Klima und auf degradierten, unfruchtbaren Böden, auf denen keine Nahrungsmittel angebaut werden können. Auf diesen Flächen tritt der Anbau von Jatropha somit nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Jatropha trägt ölhaltige Samen. Das Jatrophaöl eignet sich gut für technische Zwecke und kann beispielsweise zu Jatropha-Biodiesel weiterverarbeitet werden. […]  

Die dargestellten ökologischen Vorteile für Jatropha gelten vor allem dann, wenn Jatropha auf degradierten, unfruchtbaren Böden angebaut wird. Wenn sich allerdings (weiterlesen…)

Das IPCC und die Medien…

14. Juli 2010, von Georg Koessler, Comments (2)

Viel wurde geschrieben in den letzten Monaten über den Weltklimarat (IPCC), und sicher noch viel mehr wurde geredet. Wobei heutzutage ja jede spontane – oft persönliche – Stimmungsbekundung anscheinend gleich in ein Blog mündet.

Pachauri vor der UN Generalversammlung in New York (Bild vom IPCC)

Pachauri vor der UN Generalversammlung in New York (Bild vom IPCC)

Dies hat gerade das IPCC erfahren müssen, welches eine Breitseite nach der anderen von Klimaleugnerinnen und Klimaskeptikern abbekommen hat. Doch leider stellt sich das so wichtige und nach wie vor renommierte Klimagremium nicht immer schlau dabei an, mit der Öffentlichkeit bzw. den Medien umzugehen. So gab das Büro des IPCC rund um dessen Vorsitzenden Rajendra K. Pachauri den 831 Wissenschaftler_innen des nächsten „Assessment Reports“ einen Brief, in dem sie angehalten werden, „Distanz zu den Medien“ zu nehmen und Interviewanfragen lieber gleich an den vorgesetzten Chef weiter zu leiten – so berichtet zumindest der prominente Öko-Blogger der New York Times, Andrew Revkin. Pachauri klärte dies in einer Mail an Revkin auf: (weiterlesen…)

Südafrika 2010 – die Chance, es allen zu zeigen

8. Juni 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

Der Ball ist Rund, auch in Südafrika

Der Ball ist Rund, auch in Südafrika.

Was wurde nicht alles geschrieben, geblökt und gestritten im Vorfeld der WM. Südafrika kann weder fußballerisch noch logistisch mit Deutschland mithalten. Zwischendurch wurde sogar berichtet, dass die WM statt in Südafrika wieder hier bei uns ausgetragen werden könnte. Jetzt ist es endlich so weit und Südafrika wird mit tollem Fußball, Sicherheit und einem reibungslosem Ablauf der Welt ihre Vorurteile vor Augen halten – da bin ich mir sicher.

Jedoch wird die WM von 2006 wohl in einer Kategorie, in der sie selbst nicht besonders glänzte, vom diesjährigen Turnier nicht überrundet werden: dem Klimaschutz. (weiterlesen…)

Wir brauchen keinen Boss!?

3. Juni 2010, von Georg Koessler, Kommentare (1)

Mit diesem Titel spiele ich nicht auf ein m.E. sehr gelungenes TAZ-Cover an, sondern auf den Bericht des Guardian über ein (mal wieder!) der Zeitung zugespieltes internes Schreiben. Diesmal von Yvo de Boer, den wir als Chef des UN-Klimasekretariats kennen. Seine Nachfolgerin Christiana Figueres steht schon bereit, den Job zu übernehmen, nachdem Yvo hingeschmissen hat. Jetzt traut sich einer der wichtigsten (und meistgeschätzten) Diplomat_innen der Welt zu sprechen, könnte man meinen. Aber wie gesagt, das Dokument ist ja älter und dem Guardian nur zufällig während der stockend-lahmen Verhandlungsrunde in Bonn in die Hände gefallen.

Die beiden Hauptgründe für ein Scheitern in Kopenhagen sind demnach die unterirdische Leistung unserer Lego-herstellenden Nachbarn aus dem Norden sowie der Konferenztourismus im Dezember bzw. die Staatschefproliferation im Bella Center, die selbiges für 3 Tage in eine militärgeschützte No-Go-Area verwandelte. Doch ist das alles?

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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