2. September 2010,
von Lili Fuhr,
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Gastbeitrag von Dorothee Landgrebe
43 000 neue Jobs, ein höheres Wirtschaftswachstum um 02, %, mehr Klimaschutz – all das bringen schon Laufzeitverlängerungen von 12 Jahren. So wird es am Wochenende in allen Medien verkündet. Quelle: Das bis dato geheime Energieszenario der Bundesregierung.
Also ist eine Laufzeitverlängerung von 10-15 Jahren eventuell doch „fachlich“ wünschenswert, wie Frau Merkel am Sonntag verkündet? Die ersten Freunde rufen an und sind verunsichert.
Wie kommen die zu diesen Zahlen? Ich kann keine Antwort geben und nehme mir das Szenario vor: Fast 200 Seiten stark, mit vielen langen Tabellen . Wunderbar, hier wird Politik endlich mal nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern objektiv wissenschaftlich begründet.
So weit, so falsch. Ein Blick in das Energieszenario ist selbst für den Laien ein Lehrstück in Volksverdummung. Titel: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. (weiterlesen…)
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2. September 2010,
von Lili Fuhr,
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Anfang Oktober hat der ehemalige Top Klima-Verhandler Chinas Yu Qingtai eine Rede in der Pekinger Universität gehalten, in dem er den Fortschritt der UN-Klimaverhandlungen bewertet. Drei Zitate daraus erscheinen mir besonders bemerkenswert, weil sie schön die Gründe für die Blockade in den Verhandlungen erläutern:
“During my three years working on climate change, I have reached some personal conclusions. Concern about climate change and China’s role must be seen against the background of China’s economic and social development. [...] We cannot blindly accept that protecting the climate is humanity’s common interest – national interests should come first.”
Das Problem ist ja, dass alle Regierungen so denken: nationale Interessen haben Priorität, so etwas wie das gemeinsame Interesse der Menschheit erscheint zu abstrakt – auch wenn es genau darum geht.
“As a Chinese person, I cannot accept someone from a developed nation having more right than me to consume energy. We are all created equal – this is no empty slogan. The Americans have no right to tell the Chinese that they can only consume 20% as much energy. We do not want to pollute as they did, but we have the right to pursue a better life.” (weiterlesen…)
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28. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Naiv: Die Kanzlerin bittet die Energiekonzerne, mehr in Erneuerbare Energien zu investieren und verspricht ihnen dafür längere Laufzeite. Dass ich nicht lache. Die werden bestimmt schön artig sein und gehorchen.
Dreist: Die Inhalte des Gutachtens, das das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln (EWI) gemeinsam mit dem Schweizer Prognos-Institut und dem Wirtschaftsforschungsunternehmen GWS zur Vorbereitung des Energiekonzepts für die Bundesregierung erarbeitet hat, sind noch immer nicht öffentlich. Klar ist aber, dass das EWI von Eon und RWE finanziert wird und Vertreter der Unternehmen auch im Verwaltungsrat sitzen. Das riecht doch stark nach objektiver wissenschaftlicher Forschung, oder?
Peinlich: Währenddessen reist die Kanzlerin auf AtomEnergietour durch’s Land, weigert sich, mit Atomkraftgegner/innen zu diskutieren und hat vor allem eines erreicht: Atomkraft ist Wahlkampfthema und der Protest der Bürger/innen nimmt zu. Die Atomriesen trampeln eben zum Glück doch nicht alles platt (via Greenpeace Blog).
Update (30.8.): Die Inhalte des Gutachtens sind zwar immer noch nicht bekannt, aber die Kanzlerin faselt schon mal was von 10 bis 15 Jahre und “vernünftig” und “fachlich angeraten”. Warum sagt Herr Röttgen nichts?
Update (31.8.): Jetzt habe ich die sagenumwobenen Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung doch gefunden und es kann jeder und jede selber nachlesen.
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16. August 2010,
von Lili Fuhr,
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In vielen Entwicklungsländern sind Umweltaktivistinnen und -aktivisten Bedrohungen, Einschüchterungen und politischer Verfolgung ausgesetzt, vor allem dann, wenn sie mit ihren Aktionen und Informationen strategische Staatsinteressen berühren. Am 13. August hat die deutsche Klimaaktivistin Franziska Wittig eine zweiwöchige Haftstrafe angetreten. Gibt es da Parallelen?
Grund für ihre Inhaftierung ist die Besetzung der Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg im Rahmen des Klimacamps vor zwei Jahren. Vattenfall baut dort ein Steinkohlekraftwerk, das jährlich etwa 9 Millionen Tonne CO2 ausstoßen wird. Neue Kohlekraftwerke und eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 2 Grad über vorindustriellem Niveau (alles andere gilt als unbeherrschbare Klimakatastrophe) sind nicht vereinbar.
Geht es hier also um strategische Staatsinteressen? Um wessen Interessen geht es wirklich? Und welche Art von Widerstand ist legitim? (weiterlesen…)
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12. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Es ist eine weitere unbequeme – aber in diesem Fall ausnahmsweise auch erfreuliche – Nachricht: Uran wird knapp. Bisher wurde von allen offiziellen Institutionen stets das Gegenteil behauptet. Aber im Jahresbericht 2009 der EURATOM Supply Agency ESA steht es schwarz auf weiß: “The natural uranium market persistently shows a wide gap between demand and production which is presently closed by secondary supplies.”
Und diese Nachricht hat es auch in die Medien geschafft (siehe z.B. Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau). Mit “secondary supplies” sind übrigens vor allem Lagerbestände gemeint sowie Uran aus alten Waffenbeständen. Die alten russischen Atomwaffen gehen aber langsam zur Neige. Und jetzt droht ein Versorgungsengpass, während hierzulande über eine Verlängerung der Laufzeiten und weltweit über den Bau neuer Atomkraftwerke diskutiert wird.
Auch wenn der Satz zur Lücke von Angebot und Nachfrage wie oben zitiert im Jahresbericht der ESA zu finden ist, liest sich auch dieser Bericht im Großen und Ganzen als Beschwichtigungs- und Schönredeversuch und erinnert mich damit stark an die jährlichen Energy Outlooks der IEA. (weiterlesen…)
Posted in Atom, Energiewende
12. August 2010,
von Lili Fuhr,
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So bitter sind die Folgen der globalen Erwärmung: Die Weltbank schlägt Alarm und warnt vor einer neuen Hungerkrise mit Ausmaßen wie 2008, als die Zahl der Hungernden weltweit auf fast 1 Milliarde anstieg. Denn die beiden Grundnahrungsmittel Reis und Weizen werden knapp.
Die Reisernte ist aufgrund steigender Temperaturen in den letzten 25 Jahren bereits um 10 bis 20 % gesunken. Das stellte ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie fest. Eine gute Übersicht über den Einfluss des Klimawandels auf die Reisproduktion und den Einfluss des Reisanbaus auf das Klima gibt es beim Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI hier.
Beim Weizen spielen die Brände in Russland und das dort verhängte Exportverbot die größte Rolle. Aber auch die anhaltende Dürre in Russland sowie anderen wichtigen Anbauländern (Ukraine, Kasachstan und Australien) trägt zu Ernteverlusten bei. Hinzu kommen die Überschwemmungen in Pakistan, Indien und China – das sind ebenfalls wichtige Reis- und Weizenanbauländer. (weiterlesen…)
Posted in Anpassung, Klimawandel
9. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Autos treiben allein durch den von ihnen erzeugten Fahrtwind Windräder am Straßenrand an und erzeugen damit sauberen Strom. Ein solches Konzept hat nach einem Bericht der Berliner Morgenzeitung und vom Tagespiegel (aufgegriffen von Wir Klimaretter) der Förder- und Trägerverein Energiekompetenzzentrum Berlin-Nordost für den Bezirk Lichtenberg vorgelegt.
Die Idee: Auf dem grünen Mittelstreifen und zu beiden Seiten der Landsberger Allee sollen auf ca. 600 Meter zwischen Allee-Center und Rhinstraße zehn bis 15 Meter hohe Windkrafträder installiert werden. Angetrieben werden sollen die Windräder allein durch den Fahrtwind der etwa 68.000 Autos, die täglich die Landsberger Allee passieren. Das Ganze wiederum ist Teil eines geplanten Energie-Anwender-Parks im Bezirk Lichtenberg, für den außerdem z.B. ein Energiekompetenzzentrum, eine umweltfreundliche Ikea-Filiale (‘Energiesparmöbelhaus’), ein Solarpark, eine CO2-neutrale Tankstelle und ein Musterenergiesparreihenhaus geplant sind.
Fahrtwindenergie – wollen wir das wirklich? (weiterlesen…)
Posted in Energiewende, Lebensstile, Verkehr
6. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Am 25. und 26 Juli haben sich die Umweltminister/innen der BASIC-Staaten (Brasilien, Südafrika, Indien und China) zum vierten Mal getroffen, um ihre Positionen in den UN Klimaverhandlungen abzustimmen. Die Gruppe ist spannend, weil sie genau diejenigen Länder zusammenbringt, die eine neue Dynamik in den Verhandlungen bewirken könnte, in denen die EU gelähmt und die USA handlungsunfähig ist.
Aus der offiziellen Erklärung des Treffens lässt sich wenig Neues herauslesen. Aber anscheinend ist hinter den Kulissen und bei informellen Gesprächen der Minister/innen untereinander einiges besprochen worden, was sich nicht im Statement widerspiegelt. Eine langsame Annäherungen bei Einschätzungen und Positionen zu wichtigen Fragen scheint sichtbar zu werden, was die Verhandlungen beim Klimagipfel in Cancun beflügeln könnte. So jedenfalls analysiert es ein Beobachter in einem Artikel bei Ecopolity.
Hier ein paar der interessanten Thesen des Autors Sérgio Abranches:
- These 1: Die Minister/innen waren sich in informellen Gesprächen relativ einig darüber, dass das Kyoto-Protokoll keine Zukunft hat und eine weitere Verpflichtungsperiode unwahrscheinlich ist.
Das wäre vor allem deshalb interessant, weil die Entwicklungsländer in den Klimaverhandlungen sehr massiv auf eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll drängen, um die Industrieländer in ihrer besonderen Verantwortung nicht aus der Pflicht zu nehmen. (weiterlesen…)
Posted in Klimaregime
5. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Es ist ein großer Durchbruch: Vor zwei Tagen haben das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Ecuadorianische Regierung einen Vertrag zur Einrichtung des Treuhandfonds für die Gelder der Yasuní-Initiative unterzeichnet. Hintergrund zur Kampagne gibt es u.a. bei uns im Blog (z.B. hier und hier), auf der Website der NGO-Kampagne und bei der Grünen Abgeordneten Ute Koczy.
Nun scheint eine Trendwende in der Ressourcenpolitik zum Greifen nahe: Öl im Boden lassen statt Tiefseebohrungen, lautet die Devise. Aber natürlich ist dies nur ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch ein wichtiger. Noch vor wenigen Monaten sah es eher so aus, als würden die Kritiker der Initiative und die Öllobby die Oberhand gewinnen. Insofern ist die Errichtung des Treuhandfonds ein deutliches Zeichen, dass es die Regierung ernst meint.
Und UNDP trägt mit seiner Unterschrift dazu bei, dem Projekt internationale Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu schenken. Da müssen andere nun nachlegen und kräftig einzahlen. Der deutschen Bundesregierung z.B., die das Projekt von Anfang an unterstützt hat, würde es sehr gut anstehen, sich einen winzigen Teil ihrer alten Vorreiterinnenrolle im Klimaschutz zurückzukaufen, in dem sie in ein derart innovatives und trendweisendes Projekt investiert.
Nun, da der Treuhandfonds existiert, können sowohl Staaten als auch Organisationen und Einzelpersonen einzahlen. In den nächsten drei Jahren werden 3.6 Milliarden US-Dollar anvisiert. Das kurzfristige Ziel sind aber zunächst einmal 100 Millionen Euro in den kommenden 18 Monaten.
Foto: Botanical Garden, Quito – Ecuador von Theodore Scott mit Creative Commons Lizenz.
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4. August 2010,
von Lili Fuhr,
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Dreister geht’s kaum: Nur wenige Monate nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko plant BP neue Tiefseebohrungen vor der Küste Libyens. Dabei ist es bislang noch immer nicht gelungen, das Bohrloch der explodierten Deepwater Horizon Plattform zu stopfen. Nun droht also Gefahr für das Mittelmeer. Denn solche Bohrungen sind in den letzten Monaten nicht plötzlich viel sicherer geworden, nur weil ein Unglück geschehen ist.
Zusätzlich brisant ist die Geschichte, weil BP vorgeworfen wird, sich für die vorzeitige Freilassung des für das Lockerbie-Attentat verhafteten Libyers eingesetzt zu haben, um eine Zustimmung der libyschen Regierung für die Bohrungen zu bekommen.
Anderswo im Mittelmeer ist man etwas vorsichtiger geworden: Das italienische Umweltministerium will Bohrungen innerhalb einer 5-12 Meilenzone vor der italienischen Küste verbieten. Die Zustimmung der Regierung und die tatsächliche Umsetzung sind aber derzeit eher unwahrscheinlich. Die Regierung Berlusconi ist ja auch Hauptanteilseigner am Ölkonzern Eni, der sich u.a. mit Investitionen in Teersanden im Kongo in neues gefährliches Terrain begibt, um schwer ausbeutbare Ölreserven zu fördern. Auch wenn man vor der eigenen Haustür immer ein bisschen besser aufpasst, ist eine tatsächliche Trendwende nicht in Sicht.
Ihren Unmut kund tun können Sie hier: Keine Tiefseebohrungen im Mittelmeer – Aufruf an den Vorsitzenden der Deutschen BP von Campact
Posted in Öl