Am Ende der zweiwöchigen Verhandlungen, mit allseitiger Ernüchterung und auch Erschöpfung, zieht Tilman Santarius Bilanz. Mit etwas Abstand stellt er vor allem die Frage: warum schafft es der gegenwärtige Verhandlungsprozess nicht, die Defizite und Irrwege des Kyoto-Protokolls auszubessern? Wenn nicht auf Kyoto aufgebaut wird, das Protokoll aber gleichzeitig konstruktiv reformiert wird, werden alle weiteren Beschlüsse der internationalen Klimapolitik nur noch mehr Defizite aufweisen.
Was bleibt, ist die positive Energie der Zivilgesellschaft hervorzuheben. Warum konnte nicht ein Funken der beeindruckenden Kraft tausender Menschen auf der Straße in Kopenhagen in das Verhandlungszentrum hinüberschwappen?
Ein mitbeteiligtes Land, das Kopenhagen zu einem Desaster werden ließ, war China. China will wachsen. Und trotz engagierter Maßnahmen in den Bereichen Energieeffizienz und Ausbau erneuerbarer Energien, setzt China zur Erreichung seiner Wachstumsziele auch auf einen erheblichen Anteil fossiler Energien. Zugleich aber bietet das Land ein Reduktionsziel von 40 – 45% gegenüber Business-as-Usual an. Eine hoch erscheinende Zahl, die es Umweltaktivisten leicht macht, Chinas Weltmachtanstrengung im powerplay gegen die USA zu unterstützen und als Teil der Emanzipationsstrategie der Entwicklungsländer (G77) zu interpretieren. Doch ist es für China wirklich eine große Anstrengung, dieses Ziel zu erreichen? Es erscheint sinnvoll, die dazu gehörigen Klimaschutz-Maßnahmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein fiktiver Videodialog mit Antje von Broock, BUND-Expertin für internationale Klimapolitik und IPCC-Wissenschaftler Niklas Höhne (ecofys), dessen Climate Action Tracker eine detaillierte Bewertung der Klimaschutzanstrengungen vieler Länder vornimmt.
(Anmerkung: Das Interview mit Niklas Höhne wurde bei starkem Wind auf dem U-Bahnsteig vor dem COP-15 Konferenzzentrum aufgezeichnet).
Es wird sehr sehr hoch gepokert in Kopenhagen. In den letzten Tagen machte sich die Gruppe der Entwicklungsländer, die G77, vor allem für eine unbedingte Aufrechterhaltung des Kyoto-Protokolls stark. Hinter dieser vermeintlich einheitlichen Positionierung verbergen sich jedoch unterschiedliche Interessenslagen, die z.B. auch gestern rund um die Eröffnung des sogenannten “High-Level-Segment” sichtbar wurden.
Und während im Vorfeld von Kopenhagen viel die Rede davon war, dass die USA aufgrund ihres langsamen einheimischen Gesetzgebungsprozesses noch nicht reif für ein wirkliches Abkommen sind, macht Martin Khor vom South Centre in unserem Videointerview klar, dass auch die Entwicklungsländer noch Zeit brauchen. Zeit, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr vorhanden ist, mahnt dagegen der IIED-Wissenschaftler Saleemul Huq.
Auch die internen Interessenskonflikte innerhalb der G77 werden von Martin Khor und Saleemul Huq unterschiedlich bewertet. (weiterlesen…)
Beim Forum von Bright Green, der Kopenhagener Industrieausstellung zu grüner Technologie, haben Steven Chu, amerikanischer Energieminister und Rajendra Pachauri, IPCC-Vorsitzender, am Sonntag Nachmittag jeweils eine Rede gehalten. Steven Chu zitiert Martin Luther King “There is such a thing as being too late” und man möchte ihm zurufen, Chu erzähl das bitte Deinen Landsleuten…. Pachauri wiederum ruft zu “Graswurzelaktionen” auf. Hier ein Ausschnitt aus der Veranstaltung.
What is this climate deal about? Saving tons of CO2? Enough money for adaption? Needless to say: there is more behind it. The alternative climate conference “Klimaforum 09″, which is situated just opposite of Copenhagen’s mainstation, practices vividly why culture matters. Where at the Bella Centre moods tend to be depressed and confused, at Klimaforum 09 inspiring new visions are developped. Come and join! Now there is time for change and it is starting here
Nicht nur im Bella-Center wird um die Klimazukunft dieser Welt gerungen. Eine unübersehbar Vielfalt engagierter Menschen aus aller Herren Länder trifft sich im Klimaforum, der Alternativkonferenz zur COP15 gegenüber vom Kopenhagener Hauptbahnhof um über neue Wege und kulturelle Lösungen zu diskutieren. Von der Konfusion und Ratlosigkeit, die sich zur Zeit im offiziellen Klimagipfel breit macht, ist hier nichts zu spüren. Im Gegenteil. Der Spirit im Klimaforum 09 ist mitreißend. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung hat vor Ort einen Stand, die Pressesprecherin von Klimaforum 09 hat uns dort besucht.
Was im Video nicht zu sehen ist: das Abendprogramm mit Konzerten und vielem anderen mehr (dazu auf der Website: www.klimaforum09.org
Zehntausende von Menschen, ein riesiges Gelände: Delia Villagrasa, Klimaberaterin für die European Climate Foundation, erklärt uns in einer Tour durch das “Bella Center” in Kopenhagen, wo die Verhandlungen und alles drum herum stattfinden.
Wie lange wird es noch dauern, bis ein verbindliches Klimaabkommen zustande kommt? Manche Leute warten darauf schon seit 20 Jahren. Zumindest zwei Stunden musste man warten um überhaupt erst zur Konferenz im Kopenhagener Bellacenteret zugelassen zu werden. Die UNFCCC-Organisation war dem Ansturm der vielen Teilnehmer nicht gewachsen. Wartezeit ist Zeit, um ein paar Fragen zu stellen….
Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, gibt am Beginn des Klimagipfels in Kopenhagen ihre Einschätzung zu den Knackpunkten der kommenden Tage. Der Süden beansprucht eine neue Rolle im internationalen Kräftespiel.
Der schwedische Premierminister Reinfeldt hat am Samstag in einem Artikel im Svenska Dagbladet(hier engl.) indirekt die USA für ein mögliches Scheitern der Kopenhagener Verhandlungen verantwortlich gemacht. Gelähmt vom Debattenwirrwarr ihrer einheimischen Klimagesetzgebung könnten die USA nicht die erforderliche politische Führungsrolle übernehmen. Was am US-amerikanischen Gesetzgebungsprozess so besonders kompliziert ist, erklärt die WWF-Aktivistin Keya Chatterjee im Video:
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