So bitter sind die Folgen der globalen Erwärmung: Die Weltbank schlägt Alarm und warnt vor einer neuen Hungerkrise mit Ausmaßen wie 2008, als die Zahl der Hungernden weltweit auf fast 1 Milliarde anstieg. Denn die beiden Grundnahrungsmittel Reis und Weizen werden knapp.
Die Reisernte ist aufgrund steigender Temperaturen in den letzten 25 Jahren bereits um 10 bis 20 % gesunken. Das stellte ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie fest. Eine gute Übersicht über den Einfluss des Klimawandels auf die Reisproduktion und den Einfluss des Reisanbaus auf das Klima gibt es beim Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI hier.
Beim Weizen spielen die Brände in Russland und das dort verhängte Exportverbot die größte Rolle. Aber auch die anhaltende Dürre in Russland sowie anderen wichtigen Anbauländern (Ukraine, Kasachstan und Australien) trägt zu Ernteverlusten bei. Hinzu kommen die Überschwemmungen in Pakistan, Indien und China – das sind ebenfalls wichtige Reis- und Weizenanbauländer. (weiterlesen…)
Fast 50 Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt hat Bundesagrarministerin Ilse Aigner am Samstag anlässlich der Grünen Woche zum Internationalen Agrarministergipfel nach Berlin eingeladen. In ihrem Pressestatement zum Abschluss Gipfel tönt Frau Aigner großspurig:
Wir Agrarminister wollen dort weitergehen, wo die Staatengemeinschaft in Kopenhagen vorerst Stopp gemacht hat – beim Einstieg in konkrete Arbeitsaufträge für einen wichtigen Sektor.
Allerdings gibt es in der Abschlusserklärung mindestens zwei fundamentale Denkfehler. So heißt es dort:
Landwirtschaftliche Produktion führt unvermeidlich zu Treibhausgasemissionen. Zunehmende Agrarproduktion wird also zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen, vor allem aus der tierischen Produktion, führen.
9. November 2009,
von Marian Bichler,
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Ob es noch möglich sein wird, ein gesetzlich verbindliches Abkommen in Kopenhagen zu bekommen, ist höchst umstritten. Aus der Perspektive der am meisten verwundbaren Länder „most vulnerable countries“ wäre Aufschub jedoch keine Option. Um auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen, hat das Kabinett der Malediven Mitte Oktober sogar unter Wasser getagt (siehe hier). Nun folgt dieser spektakulären Aktion die Gründung des “Climate Vulnerable Forum”, das am Montag und am Dienstag auf den Malediven zum ersten Mal stattfindet. Staatsoberhäupter und hohe Beamte der am meisten verwundbaren Staaten kommen zusammen, um der Weltöfentlichkeit noch eindringlicher die gemeinsame Verantwortung für den Planeten deutlich zu machen. Saleemul Huq, Wissenschaftler aus Bangladesh, der am International Institute for Environment und Development (IIED) in London arbeitet, ist einer der geladenen Sprecher des Events. Wir haben ihn in Barcelona getroffen:
Nachlese aus Barcelona: Wenn man in Übereinstimmung mit den IPCC-Daten ein maximales Erwärmungsziel von 2 Grad annimmt, oder wie die „am wenigsten entwickelten Staaten“ (least developped countries „LDC“) fordern, sogar ein 1,5 Grad-Ziel, dann klafft eine große Lücke zwischen den dafür nötigen Reduktionen und dem, was „der Norden“ bereit ist beizusteuern. Vor allem zeichnet sich im Moment der Rückzug auf einen abgetakelten Ladenhüter aus dem Jahr 1991 ab, die sogenannte „pledge&review“-Position. Statt der Verpflichtung auf ein gemeinsames internationales Ziel würden sich manche Industriestaaten viel lieber auf bequem machbare Kaum-Anstrengungen nationalen Zuschnitts zurückziehen – eine unfaire Option. Harald Winkler, Wissenschaftler am Energy Research Centre der Universität von Kapstadt und IPCC-Autor, bewertet im Video-Interview die bis jetzt unterbreiteten Angebote für ein neues Abkommen.
Die Nachricht hat es am Wochenende sogar in die Tagesschau geschafft: Das Kabinett der Malediven tagte unter Leitung seines Präsidenten Mohamed Nasheed 6 Meter unter Wasser, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Mit Tafeln und Handzeichen verabschiedeten sie einen Aufruf zum Klimaschutz. (weiterlesen…)
14. September 2009,
von Tilman Santarius,
Kommentare (1)
Wenn ich die Zahlen höre, mit denen Expertinnen, NGOs und Verhandler seit einigen Jahren um sich werfen, wird mir immer ganz schummrig: 100-200 Milliarden US-Dollar seien jährlich (!) an öffentlichen Geldern erforderlich, um weltweit den Umstieg auf eine Niedrig-Emissionswirtschaft zu stemmen; weitere 50-86 Mrd. US-Dollar, um die Welt an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Klar: nichts tun würde uns viel teurer zu stehen kommen. Doch das ändert nichts daran, dass hier um schwindelerregende Summen geht. Man vergleiche sie nur mal mit den rund 100 Mrd US-Dollar Entwicklungshilfe, die weltweit aufgebracht werden, oder den rund 30 Mrd. US-Dollar, die die Vereinten Nationen mit all ihren Unterorganisationen und Programmen jährlich umsetzen. Jetzt liegt ein neues Gutachten vor, das noch einen oben drauf setzt.
“Ist es an der Zeit, sich um Kopenhagen Sorgen zu machen?”, fragt doch tatsächlich James Murray von BusinessGreen.com im Guardian vom 12.8.09. Ehrlich gesagt: Da bleibt mir doch fast die Spucke weg. Wer die Klimaverhandlungen seit dem Bali-Gipfel 2007 verfolgt hat, macht sich schon lange keine Sorgen mehr. Ich finde, das Gefühl ist eher mit schleichender Panik zu beschreiben.
Für einen Erfolg in Kopenhagen im Dezember 2009 “ist es erforderlich, dass die Industrieländer, allen voran die EU,
sich nicht nur auf klare Ziele für die Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2050 einigen, sondern auch anspruchsvolle quantifi zierte Ziele für 2020 formulieren, die nicht unter 40 Prozent (gegenüber den Emissionen von 1990) liegen sollten;
den Entwicklungsländern klare Zusagen für die Finanzierung der zusätzlichen Kosten, an denen sich auch nichtstaatliche Akteure beteiligen sollten, von Maßnahmen des Klimaschutzes und für die Finanzierung von Maßnahmen der bereits heute unvermeidlichen Anpassung an die Folgen des Klimawandels geben; diese Mittel müssen zusätzlich zu dem 0,7-Prozent-Ziel für die Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt werden.”
Letzte Woche hat der britische Premierminister Gordon Brown eine Rede zu den Herausforderungen des Kopenhagener Klimagipfels gehalten (“Road to Copenhagen Manifesto“), die in den Medien viel zitiert und von einigen als wegweisend bezeichnet wird. Auch UN Generalsekretär Ban Ki-moon lobt die britische Initiative zur Klimafinanzierung, die im Rahmen der Initiative verkündet wurde.
Auf den ersten Blick klingt die Rede tatsächlich bahnbrechend und wegweisend, geradezu erfrischend angesichts der stockenden Klimaverhandlungen. Wenn man sich den Inhalt und die darin enthaltenen Versprechen und Forderungen jedoch etwas näher anschaut, dann bietet sich ein differenzierteres Bild und die Enttäuschung setzt schnell ein: von einem Durchbruch oder gar einem Richtungswechsel in der internationalen Klimapolitik wichtiger Industrieländer sind wir meilenweit entfernt. (weiterlesen…)
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