Energiewende « Klima der Gerechtigkeit

Wünsch dir was

30. August 2010, von Björn Ecklundt, Kommentare (0)

Jetzt hat die Kanzlerin sich also festgelegt: 10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten für Atomkraftwerke sollen es sein.

Die Kernenergie sei “was die Versorgungssicherheit, was den Strompreis und auch das Erreichen der Klimaziele anbelangt … als Brückentechnologie über das Jahr 2020 hinaus wünschenswert.”

Fragt sich, wer sich hier was wünschen darf. (weiterlesen…)

Das öffentliche Auto

25. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (1)

Kürzlich war ich in York (UK) auf dem jährlichen Treffen des World-Carfree-Networks. Neben vielen Leuten aus Verkehr- und Stadtplanung sowie Aktivist_innen traf ich dort auch einen Vertreter der Bremer Stadtverwaltung. Dieser berichtete interessant über ein Konzept, welches eigentlich sehr nahe liegt: das öffentliche Auto.

Vielen ist das eher als car-sharing” bekannt, doch leider mitsamt den negativen Implikationen: “Mein Auto soll ich teilen? Dann wird es vielleicht dreckig, ich kann nicht meine Musik hören, mein Tempo fahren und bin irgendwie nicht mehr Herr in meinem Wagen!” Teilen liegt halt nicht allen. Oder? Während beim car-sharing eine Person andere ganz solidarisch mitnimmt, ist das Prinzip des öffentlichen Auto anders. Dieses funktioniert wie das System der öffentlichen Fahrräder (bei uns von der Bahn gestellt), welche keiner Person gehören und jeder sich eines nur dann nimmt, wenn er/sie es braucht.

Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizenz)
Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizens bei flickr)

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Castor Schottern ist legitim!

25. August 2010, von Georg Koessler, Comments (4)

Die TAZ berichtet heute über “Die Schotter Kampagne“. Dabei geht es laut Redakteur Martin Keul um Folgendes:

Der kühne Plan: Wenn bei den Castor-Transporten tausende Menschen nicht nur auf der Straße sitzen, sondern gemeinsam komplette Gleisabschnitte von Steinen befreien, könne sich der Tross effektiv stoppen lassen.

Das finde ich persönlich legitim. Als Mensch mit grünem Weltbild lehne ich Gewalt gegen Menschen (und andere Lebewesen) grundsätzlich ab. Bei Gewalt gegen Gegenstände muss immer kritisch gefragt werden, ob dabei Menschen zu Schaden kommen würden. Es ist fragwürdig, welchen Sinn das Abfackeln von Kleinwagen in Neukölln macht – wahrscheinlich gar keinen. Doch wenn ein Stück Schiene, welches nur für den Transport im Schritttempo von Hochrisikomüll alle 2 Jahre mal genutzt wird (daher kein “Schwerer Eingriff in den Schienenverkehr”), vorübergehend umgestaltet wird, ist das im Rahmen von bürgerschaftlichem Engagement.

Demokratie wird immer von zwei Seiten bedroht, von Repression und von Lethargie. Dazwischen verläuft der Streifen einer aktiven Zivilgesellschaft von der die wachsende Klimabewegung ein aktiver Teil ist. Es ist erfreulich, wenn sich die sog. “bürgerlich-linken” Gruppen wie die GRÜNE JUGEND oder ’solid mit einer solchen Aktion solidarisieren, wenn sich einzelne Prominente unter den Aufruf setzen und wenn klimabewegte Menschen aus dem linken und autonomeren Spektrum für eine saubere Energieversorgung zusammen kommen. Die Aktion birgt die Chance, bewegte Bündnisse von Unbeugsamen zu schaffen. Der Aufruf zeigt, dass es keine Gewalt bei der Aktion geben soll. Es geht einzig darum, den Castor mit den friedlichen Mitteln des “Schotterns” zu stoppen um damit der Regierung zu zeigen, dass ihre abgehobene Atomdiskussion am der deutschen Mehrheitsmeinung vorbei geht. Die will kein Atommüll und keine Atomenergie. Merkel sollte Gorleben (wieder) und für immer dicht machen.

Die Abwrackprämie für Windräder muss her!

19. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

(achtung, satire)

Heute wurde berichtet, dass die Aktie des dänischen Windbauers Vestas um 20% gefallen ist, nachdem ein Verlust von 150 Mio. Euro im 2. Quartal 2010 vermeldet wurde. Wie reagiert die Branche? Tausende von Arbeitsplätzen sind bedroht, auch in Deutschland. Diese Krise könnte auf die Windindustrie im Land überschwappen und sie erheblich schädigen. Vorbei wäre es mit Gewinnen und Sauberimage. „Der Chinese“ würde weiter davon ziehen und Weltmarktführer sein. Anders als beim Fussball – und auch dort ist es schon schwer zu verstehen – dürfen wir nicht auch noch bei der Windenergie das Finale verpassen!

Deshalb fordere ich die Abwrackprämie für Windräder!

Die Kanzler ist schon auf Windtour doch das kann dem wahren Klimaschützer nicht genug sein. Ab sofort sollte jedes neu aufgestellte Windrad mit 7.500 Euro pro Kilowattstunde subventioniert werden. Wir müssen als Land zusammenstehen und unserem Kerngeschäft unter die Räder greifen. Deutschland, einig Windland.

Und jetzt die gute Nachricht:

Es werden auch ohne Abwrackprämie mehr klimarettende Windräder gebaut werden. Die lohnen sich nämlich schon heute gegenüber der Konkurrenz aus Atom und Kohle. Und anders als Autos, würden die von einer sinnvoll-ökologischen Steuer profitieren. Und das Klima.

‘Peak Uran’? Der Atomindustrie geht der Brennstoff aus

12. August 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Es ist eine weitere unbequeme – aber in diesem Fall ausnahmsweise auch erfreuliche – Nachricht: Uran wird knapp. Bisher wurde von allen offiziellen Institutionen stets das Gegenteil behauptet. Aber im Jahresbericht 2009 der EURATOM Supply Agency ESA steht es schwarz  auf weiß: “The natural uranium market persistently shows a wide gap between demand and production which is presently closed by secondary supplies.”

Und diese Nachricht hat es auch in die Medien geschafft (siehe z.B. Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau). Mit “secondary supplies” sind übrigens vor allem Lagerbestände gemeint sowie Uran aus alten Waffenbeständen. Die alten russischen Atomwaffen gehen aber langsam zur Neige. Und jetzt droht ein Versorgungsengpass, während hierzulande über eine Verlängerung der Laufzeiten und weltweit über den Bau neuer Atomkraftwerke diskutiert wird.

Auch wenn der Satz zur Lücke von Angebot und Nachfrage wie oben zitiert im Jahresbericht der ESA zu finden ist, liest sich auch dieser Bericht im Großen und Ganzen als Beschwichtigungs- und Schönredeversuch und erinnert mich damit stark an die jährlichen Energy Outlooks der IEA. (weiterlesen…)

Fahrtwindenergie – können Autos Klima schützen helfen?

9. August 2010, von Lili Fuhr, Comments (8)

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Autos treiben allein durch den von ihnen erzeugten Fahrtwind Windräder am Straßenrand an und erzeugen damit sauberen Strom. Ein solches Konzept hat nach einem Bericht der Berliner Morgenzeitung und vom Tagespiegel (aufgegriffen von Wir Klimaretter) der Förder- und Trägerverein Energiekompetenzzentrum Berlin-Nordost für den Bezirk Lichtenberg vorgelegt.

Die Idee: Auf dem grünen Mittelstreifen und zu beiden Seiten der Landsberger Allee sollen auf ca. 600 Meter zwischen Allee-Center und Rhinstraße zehn bis 15 Meter hohe Windkrafträder installiert werden. Angetrieben werden sollen die Windräder allein durch den Fahrtwind der etwa 68.000 Autos, die täglich die Landsberger Allee passieren. Das Ganze wiederum ist Teil eines geplanten Energie-Anwender-Parks im Bezirk Lichtenberg, für den außerdem z.B. ein Energiekompetenzzentrum, eine umweltfreundliche Ikea-Filiale (‘Energiesparmöbelhaus’), ein Solarpark, eine CO2-neutrale Tankstelle und  ein Musterenergiesparreihenhaus geplant sind.

Fahrtwindenergie – wollen wir das wirklich? (weiterlesen…)

Wundermittel Jatropha?

21. Juli 2010, von Georg Koessler, Comments (5)

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

  

Die Debatte um Biokraftstoffe ist nicht neu, aber sie wird jetzt wieder heiß. Besonders die von den stärkeren Staaten forcierte “Entwicklung” Afrikas durch Energiepflanzen bekommt derzeit wieder zunehmend Aufmerksamkeit. Neben der EU wollen Player wie Brasilien nicht nur Investitionsfeld der Europäer sein, sondern so wie BRIC-Kollege China in Afrika eigenes Geld machen. Die Handelspolitik macht es möglich, dass es sich rentiert, dort Biokraftstoffe anzubauen und diese weiter nach Europa zu schiffen – ein Dreieckshandel, bei dem Afrika die Verliererin sein könnte (das Prinzip klingt leider sehr bekannt). Die TAZ hat dies aufgegriffen (hier bei den Klimarettern zu lesen). 

Ein Name fällt dabei immer wieder: Jatropha.  

Das IFEU hat hierzu bereits 2008 eine Untersuchung gemacht.  

“Jatropha, Jatropha curcas L., zu deutsch Purgiernuss, ist ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Er gedeiht selbst in niederschlagsarmem Klima und auf degradierten, unfruchtbaren Böden, auf denen keine Nahrungsmittel angebaut werden können. Auf diesen Flächen tritt der Anbau von Jatropha somit nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Jatropha trägt ölhaltige Samen. Das Jatrophaöl eignet sich gut für technische Zwecke und kann beispielsweise zu Jatropha-Biodiesel weiterverarbeitet werden. […]  

Die dargestellten ökologischen Vorteile für Jatropha gelten vor allem dann, wenn Jatropha auf degradierten, unfruchtbaren Böden angebaut wird. Wenn sich allerdings (weiterlesen…)

Wir wollen Weltmeister werden!

9. Juli 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (1)

Irgendwann müssen und werden es auch die letzten begreifen: 100 % Erneuerbare bis 2050 sind möglich, bezahlbar und sicher. Das haben schon viele gesagt und in Studien aufgezeigt, so z.B. Greenpeace mit seinem Plan B Szenario, der Sachverständigenrat für Umweltfragen in einer Stellungnahme und die European Climate Foundation mit ihrer Roadmap 2050.

Hinzu gesellt sich nun das Umweltbundesamt mit einer neuen Studie: “Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen“. Die Studie ist die erste von drei zu diesem Thema. Während diese auf regionale Stromversorgung setzt, schauen sich die anderen die Themen Großtechnologien und Autarkie/dezentrale Stromversorgung an.

Wieso fragt man sich da doch, steckt die Politik ihre Ziele nicht dementsprechend und strebt genau dies an? Viel kleinere und ärmere Länder sind längst in das Rennen um Erreichung der 100 % Marke eingestiegen und haben sich weitaus höhere Ziele gesteckt (so z.B. die Malediven). Stattdessen hören wir immer “Stromlücke”, was irgendwie bedrohlich klingen soll. Ich denke da eher an “Stromlüge” oder “Denklücke”. (weiterlesen…)

Ein neuer Fluch der Ressourcen?

25. Juni 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Vor ein paar Tagen lud Rainer Brüderle Verbände, Unternehmen und Gewerkschaften zum Zweiten Rohstoffdialog der Bundesregierung. Denn nicht nur die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft sorgen sich. Weltweit geht die Angst um, dass die Rohstoffe knapp werden. Gemeint ist hier nicht das Öl – da wissen zwar inzwischen alle, dass es zur Neige geht, reden aber trotzdem nicht darüber. Nein, in diesem Fall geht es um strategische und meist seltene Metalle, die für die Technologien der Zukunft wichtig sind.

Konkret heitß das: Die deutsche Wirtschaft benötigt zur Herstellung von Batterien für Elektroautos Lithium und Kobalt, zur Meerwasserentsalzung Titan, Chrom und Palladium, Ruthenium und Selen für die Photovoltaik (Quelle: Fraunhofer Institut).

Nie gehört? Das wird in Zukunft anders werden. (weiterlesen…)

BP muss zahlen und Obama erkennt die Zeichen der Zeit

16. Juni 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Endlich! Endlich nutzt Obama die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, um für eine Abkehr vom Öl und eine Förderung erneuerbarer Energien zu werben. In seiner gestrigen Rede findet man ein paar überraschende Formulierungen:

“After all, oil is a finite resource. [...] For decades, we have known the days of cheap and easily accessible oil were numbered.”

Bemerkenswert, denn das Thema ‘Peak Oil’ ist ja in der Politik nicht gerade beliebt…

“Time and again, the path forward has been blocked – not only by oil industry lobbyists, but also by a lack of political courage and candor. [...] Countries like China are investing in clean energy jobs and industries that should be here in America. Each day, we send nearly $1 billion of our wealth to foreign countries for their oil.”

Genau, so kann man die Geschichte nämlich auch verkaufen: China gewinnt den Wettlauf um die neuen Technologien und Jobs. (weiterlesen…)

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
Tilman SantariusTilman Santarius
Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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