Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting
Die Debatte um Biokraftstoffe ist nicht neu, aber sie wird jetzt wieder heiß. Besonders die von den stärkeren Staaten forcierte “Entwicklung” Afrikas durch Energiepflanzen bekommt derzeit wieder zunehmend Aufmerksamkeit. Neben der EU wollen Player wie Brasilien nicht nur Investitionsfeld der Europäer sein, sondern so wie BRIC-Kollege China in Afrika eigenes Geld machen. Die Handelspolitik macht es möglich, dass es sich rentiert, dort Biokraftstoffe anzubauen und diese weiter nach Europa zu schiffen – ein Dreieckshandel, bei dem Afrika die Verliererin sein könnte (das Prinzip klingt leider sehr bekannt). Die TAZ hat dies aufgegriffen (hier bei den Klimarettern zu lesen).
“Jatropha, Jatropha curcas L., zu deutsch Purgiernuss, ist ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Er gedeiht selbst in niederschlagsarmem Klima und auf degradierten, unfruchtbaren Böden, auf denen keine Nahrungsmittel angebaut werden können. Auf diesen Flächen tritt der Anbau von Jatropha somit nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Jatropha trägt ölhaltige Samen. Das Jatrophaöl eignet sich gut für technische Zwecke und kann beispielsweise zu Jatropha-Biodiesel weiterverarbeitet werden. […]
Die dargestellten ökologischen Vorteile für Jatropha gelten vor allem dann, wenn Jatropha auf degradierten, unfruchtbaren Böden angebaut wird. Wenn sich allerdings (weiterlesen…)
Was wurde nicht alles geschrieben, geblökt und gestritten im Vorfeld der WM. Südafrika kann weder fußballerisch noch logistisch mit Deutschland mithalten. Zwischendurch wurde sogar berichtet, dass die WM statt in Südafrika wieder hier bei uns ausgetragen werden könnte. Jetzt ist es endlich so weit und Südafrika wird mit tollem Fußball, Sicherheit und einem reibungslosem Ablauf der Welt ihre Vorurteile vor Augen halten – da bin ich mir sicher.
Jedoch wird die WM von 2006 wohl in einer Kategorie, in der sie selbst nicht besonders glänzte, vom diesjährigen Turnier nicht überrundet werden: dem Klimaschutz. (weiterlesen…)
Seit Montag laufen die UN-Klimazwischenverhandlungen in Bonn. Die zweiten seit der Gipfel in Kopenhagen gescheitert ist. In Bonn herrscht nunmehr Business as usual, als ob man nichts Großes zu bearbeiten hätte. Es gibt keine großen Erwartungen, man merkt keinen Willen mehr, den Prozess schnell voran zu bringen. Vor einem Jahr lag eine Spannung in der Luft. „Seal the Deal“ (weiterlesen…)
Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen hatten sich die vier Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Südafrika zur Gruppe der “BASIC” zusammengeschlossen. In der Formation bildeten sie das größte Gegengewicht zu den USA, der EU und den Industrieländern allgemein. Zunächst war unklar, ob die BASIC-Gruppe nach Kopenhagen überhaupt weiter existieren würde. Jetzt aber zeigt sich, dass dies eine äußerst vitale Gruppe ist. (weiterlesen…)
Seit ein paar Tagen ist klar, dass nicht “bloß” 1.000 Barrel, sondern mehr als 5.000 Barrel Öl jeden Tag in den Golf von Mexiko strömen – sagenhafte 800.000 Liter täglich. Und bisher gibt es keinen plausiblen Plan, wie das gestoppt werden kann. Das ist doch unfassbar!!!
Es sind solche Katastrophen-Momente, die die Wichtigkeit und Richtigkeit des Rechtssatzes “Privateigentum verpflichtet, auch zum Wohl der Allgemeinheit” unübersehbar werden lassen. Egal ob BP oder die Betreiberfirma die Letzverantwortung für den Defekt tragen, stellt sich doch die Frage: wieso werden sich diese Firmen wieder nur zu einem Bruchteil an den Aufräumkosten beteiligen müssen, während die amerikanischen Steuerzahler, die mexikanischen Fischer, die Artenvielfalt im Golf von Mexiko die Zeche zahlen? Ja mehr noch: wieso eigentlich dürfen diese Firmen weiterhin Profite machen, obwohl sie eine gigantische Katastrophe zu verantworten haben? In der Tat, was wir brauchen, ist eine neue Diskussion über die Verantwortlichkeit von Unternehmen. (weiterlesen…)
GASTBEITRAG VON THOMAS FATHEUER, hbs BRASILIEN, DER VOR ORT DABEI IST:
Am Anfang schien schon alles verdorben: als Evo Morales in seiner Eröffnungsrede transgene Nahrung und Industriehühner für Glatzen im Norden und zuviele weibliche Hormone bei Männern verantwortlich machte, waren die Überschriften in der internationalen Presse geschrieben. Auch hier in Cochabamba galt: we are not amused. Dennoch wollten sich die über 30 000 Teilnehmer_innen nicht an einer Äusserung von Evo Morales messen lasssen. Ja, Cochabamba war viel mehr als einige skurile Äußerungen des Präsidenten.
Alle Latinos, mit denen ich in diesen Tagen gesprochen habe, sind mit der Konferenz zufrieden. Bei allen Widersprüchen sehen sie hier ein Signal aus dem Süden: wir können so nicht weitermachen, der Süden will mehr als eine Handvoll (und auch nur versprochener) Dollar und leere Versprechungen des Nordens. Auch in der aktiven Rolle Boliviens und Evo Morales sehen sie weniger ein Problem als ein Chance. (weiterlesen…)
Grau und bedrohlich ragen die Schlote eines Kohlekraftwerks in den Himmel. Weiß und steril ist der Kontrollraum. Mit kühler Präzision bereiten die Ingenieure ein Manöver im Kraftwerksbetrieb vor. Ein Druck auf eine roten Knopf und die Schornsteine verwandeln sich in Geschützrohre, die den afrikanischen Kontinent ins Visier nehmen. Bilder wie aus einem Hollywood-Kriegsfilm. Sie laufen in einem Filmspot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung ab Donnerstag in Kinos deutschlandweit und machen klar: Deutsche Kohlekraft bringt die Klimakatastrophe nach Afrika und andere arme Regionen dieser Welt.
Gestern wurde der Film auf der Gala der Green Me Lounge während der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen. Er macht den Zusammenhang zwischen Kohlekraft und Armut durch Klimawandel in den armen Ländern der Welt eindringlich deutlich und ist Teil der Kampagne: “Klima schützen, Armut verhindern”, die sich gegen den Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland wendet. 24 neue Kraftwerke sind hierzulande derzeit im Bau oder in Planung. So wird ein massiv erhöhter CO2-Ausstoß über Jahrzehnte zementiert.
Jede und jeder kann etwas zum Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom und damit zur Armutsbekämpfung beitragen, wenn sie und er zu Ökostromanbietern zu wechselt. Außerdem sollte der Film an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertungen und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.In vielen Kinos Deutschlands läuft ab Donnerstag ein Spot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung gegen neue Kohlekraftwerke. Gestern wurde er auf der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen.
Wieder mal eine nachdrückliche Aufforderung zu Ökostromanbietern zu wechseln und dem Kohlestrom die rote Karte zu zeigen.
Der Film sollte an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um die klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertung und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.
Ein mitbeteiligtes Land, das Kopenhagen zu einem Desaster werden ließ, war China. China will wachsen. Und trotz engagierter Maßnahmen in den Bereichen Energieeffizienz und Ausbau erneuerbarer Energien, setzt China zur Erreichung seiner Wachstumsziele auch auf einen erheblichen Anteil fossiler Energien. Zugleich aber bietet das Land ein Reduktionsziel von 40 – 45% gegenüber Business-as-Usual an. Eine hoch erscheinende Zahl, die es Umweltaktivisten leicht macht, Chinas Weltmachtanstrengung im powerplay gegen die USA zu unterstützen und als Teil der Emanzipationsstrategie der Entwicklungsländer (G77) zu interpretieren. Doch ist es für China wirklich eine große Anstrengung, dieses Ziel zu erreichen? Es erscheint sinnvoll, die dazu gehörigen Klimaschutz-Maßnahmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein fiktiver Videodialog mit Antje von Broock, BUND-Expertin für internationale Klimapolitik und IPCC-Wissenschaftler Niklas Höhne (ecofys), dessen Climate Action Tracker eine detaillierte Bewertung der Klimaschutzanstrengungen vieler Länder vornimmt.
(Anmerkung: Das Interview mit Niklas Höhne wurde bei starkem Wind auf dem U-Bahnsteig vor dem COP-15 Konferenzzentrum aufgezeichnet).
Mit den Stimmen der Regierungskoalition hat der Bundestag am 3. Dezember einen Antrag zum Klimagipfel in Kopenhagen beschlossen, der vorsieht, dass sämtliche deutschen Klimaschutz- und Anpassungsgelder für die Entwicklungsländer auf die anvisierten 0,7 % (des Bruttonationaleinkommens) Entwicklungshilfe angerechnet werden sollen. Das ist nicht nur schade, das ist ein Skandal. Denn damit entzieht sich Deutschland seiner Klimaschuld.
Das Kriterium der Zusätzlichkeit von Klimafinanzierungsgeldern meint eben, dass sie zusätzlich zu bereits gemachten (und übrigens noch längst nicht eingelösten) Entwicklungshilfeversprechen zur Verfügung gestellt werden. Und zwar als Zuwendungen und nicht als Kredite. Die deutsche Position – und vor allem dann, wenn sich andere daran ein Beispiel nehmen – könnte ein Abkommen in Kopenhagen gefährden, da sie eine wesentliche und angemessene Forderung der Entwicklungsländer untergräbt. (weiterlesen…)
9. November 2009,
von Marian Bichler,
Comments (3)
Ob es noch möglich sein wird, ein gesetzlich verbindliches Abkommen in Kopenhagen zu bekommen, ist höchst umstritten. Aus der Perspektive der am meisten verwundbaren Länder „most vulnerable countries“ wäre Aufschub jedoch keine Option. Um auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen, hat das Kabinett der Malediven Mitte Oktober sogar unter Wasser getagt (siehe hier). Nun folgt dieser spektakulären Aktion die Gründung des “Climate Vulnerable Forum”, das am Montag und am Dienstag auf den Malediven zum ersten Mal stattfindet. Staatsoberhäupter und hohe Beamte der am meisten verwundbaren Staaten kommen zusammen, um der Weltöfentlichkeit noch eindringlicher die gemeinsame Verantwortung für den Planeten deutlich zu machen. Saleemul Huq, Wissenschaftler aus Bangladesh, der am International Institute for Environment und Development (IIED) in London arbeitet, ist einer der geladenen Sprecher des Events. Wir haben ihn in Barcelona getroffen:
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