Fliegen « Klima der Gerechtigkeit

Klimabilanz des Vulkanausbruchs Eyjafjallajökull

20. April 2010, von Lili Fuhr, Comments (2)

Welche Auswirkungen hat der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf das Weltklima? Diese Frage geistert derzeit durch viele Zeitungsartikel und Internetforen. Meine eigene Recherche hierzu hat ergeben: erstmal keine.  Nachzulesen ist das zum Beispiel beim Max-Planck-Institut für Meteorologie (hier und hier) oder bei der ETH Zürich (ETH-Klimablog).

Interessanter aus Sicht der Klimaforschung ist die Frage, welche Folgen die Lahmlegung des Flugverkehrs haben werden. Leider lautet aber auch hier die Antwort: direkt erstmal keine. (weiterlesen…)

Über den Wolken…

3. August 2009, von Tilman Santarius, Comments (3)

…wird die Freiheit wohl grenzenlos sein. Aber nur für die, die sichs leisten können. Beim Flugverkehr wird so richtig deutlich, was Klimagerechtigkeit bedeutet. Forscher von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben einen Tag des Luftverkehrs in der Welt auf eine Minute zusammengerafft, und tausende kleiner gelber Punkte – einer für jedes Verkehrsflugzeug – zeigen, wie wahnsinnig ungleich die Nutzung der Atmosphäre über den Globus verteilt ist: Nordamerika, Europa, Japan/Asien sind sowohl intern wie auch untereinander aufs beste miteinander vernetzt, der Rest der Welt schaut ins Ofenrohr. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass bisher nur 1 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung überhaupt je ein Flugzeug bestiegen haben. Die Rechnung der Vielflieger, die bezahlen freilich andere.

Die RechnungThe Bill – Movie from Germanwatch

25. Juli 2009, Comments (4)

Germanwatch hat einen sehr nachdenklich stimmenden Kurzfilm produzieren lassen. Schon gesehen?

Excellent depiction of allocation of Carbon Space among Developed and Developing countries:

Easyjet – Alles Easy mit dem Klimaschutz?

19. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Easyjet

“Did you know you’re taxed 5 times more for the CO2 that your flight emits when you fly short haul from London to Malaga than a long haul flight from London to Melbourne?” Easyjet

Ja, ich bin auch mit dem Billigflieger quer durch Europa geflogen, habe brav meinen CO2-Ablass gezahlt und trotzdem ein schlechtes Gewissen. Zu Recht, denn Fliegen erhöht die persönliche CO2-Bilanz dermaßen, dass man von global nachhaltigen 2 Tonnen pro Person und Jahr nur noch träumen kann.

Nun habe ich also selber massiv zum Klimawandel beigetragen und kein Recht, mich über die Billigflieger aufzuregen. Und trotzdem tue ich das. Anlass ist eine Werbekampagne von Easyjet, die die Billig-Vielfliegenden von der Rückseite der Vordersitze aus zumüllt – so viel zum Thema Volksverdummung und Dreistigkeit…

Interessant ist hierbei, dass das Thema Klimaschutz inzwischen auch von Fluggesellschaften als so bedeutsam wahrgenommen wird, dass sie davon ausgehen, dass ihre Kunden gerne einen Beitrag leisten würden. (weiterlesen…)

Risiken und Megarisiken

29. Juli 2008, Kommentare (1)

Vor einigen Tagen konnte man diese Szenen an Bord einer Boeing 747 der australischen Fluggesellschaft Qantas sehen:

Dank eines akrobatischen Manövers des Piloten, der in einem Steilflug von 8000 auf 3000m Flughöhe herunterzog, konnte der Flug landen. Kein Mensch kam zu Schaden, ein Wunder, wenn man das Loch im Rumpf sieht. (weiterlesen…)

Fliegen mit gutem Gewissen?

25. Januar 2008, Comments (2)

(c) atmosfairViele von uns bemühen sich um einen klimafreundlichen Lebensstil. Doch das Reisen, die Fliegerei, ist häufig die große Achillesferse. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, mit Anbietern wie Atmosfair doch eine Kompensation zu kaufen.

Der Markt für Kompensationsangebote boomt: es gibt viele Angebote mit unterschiedlichen Preisen. Verwirrend für viele.

Ein exzellenter Artikel der ZEIT bietet hier Orientierungshilfe. Ein Lesetipp! Und für den, der nicht die Zeit hat diesen Artikel zu lesen, meine persönliche Empfehlung: Wenn fliegen sein muss, dann Atmosfair! Die sind seriös.

Öko-Innovation ohne Grenzen

16. Oktober 2007, Kommentare (1)

Richard Branson Quelle: WikipediaKennen Sie Richard Branson? Genauer: Sir Richard Charles Nicholas Branson. Ja, diesen dynamischen Unternehmer, Ballonfahrer, Multimilliardär (7,8 Milliarden $ Vermögen), Gründer von Virgin Records, Virgin Atlantic, Virgin Mobile, … kurz der Virgin Group.

Richard Branson ist kein ruchloser Profitmaximierer. Nein, vor etwa einem Jahr hat er den Klimaschutz entdeckt und will nun den gesamten Gewinn der nächsten 10 Jahre aus seinen Transportunternehmen für den Klimaschutz einsetzen. Drei Milliarden Dollar sollen das sein, davon 400 Millionen allein für erneuerbare Energien. (weiterlesen…)

Klimagerechtigkeit im Verkehr

16. Oktober 2007, Kommentare (1)

Die Bahn zahlt sie für jede Diesellok. Jeder Trucker zahlt sie. Und jeder Autofahrer sowieso. Die Mineralölsteuer.

Nur Lufthansa zahlt nicht. Auch nicht Air Berlin, Ryanair und easyjet. Obwohl der rasch wachsende Flugverkehr Unzähligen die Nachtruhe raubt. Obwohl die Abgase von Flugzeugen dort oben eine 2-4fache Treibhaus-Wirkung entfalten und unser aller Klima zerstören.

Ist doch ungerecht, oder? Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Allgemeinheit. In den USA nennt man so was “corporate welfare”. Sozusagen Florida-Rolf als Konzern.

Um das zu ändern, können Sie sich jetzt einer öffentlichen Petition an den Deutschen Bundestag anschliessen. Für mehr Klimagerechtigkeit im Verkehr.

Kampf um die Lufthoheit

4. Oktober 2007, Kommentare (1)

from Jeff Kubina on flickrDer Klimawandel wird nicht nur im Rahmen der Klimarahmenkonvention verhandelt. Oder in Foren wie der G8, dem Gleneagles Dialogue, oder der UN. Sondern z.B. auch im Rahmen der ICAO, der internationalen Zivilluftfahrtorganisation. Die hat sich jüngst in Montreal getroffen und dort erneut einen Vorstoß der EU zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen durch Flugverkehr abgelehnt.

AFP berichtet: Zwar einigten sich die Teilnehmer der Tagung der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO auf Leitlinien zur Bekämpfung der Erderwärmung. Sie lehnten aber die konkreten EU-Forderungen nach einer Begrenzung des Ausstoßes an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in der Luftfahrt und der Teilnahme des Luftverkehrs am Emissionshandel ab. (…) Die Delegierten in Montreal lehnten nicht nur die Teilnahme von Fluglinien am Emissionshandel ab. Zudem verabschiedeten sie eine Entschließung, die die Teilnehmerstaaten auffordert, sich nicht einseitig auf Emissionsziele zu verpflichten. (weiterlesen…)

Heuchelei und Politik (Stilfragen II)

4. September 2007, Kommentare (1)

Vor zwei Monaten habe ich in diesem Blog einen Beitrag geschrieben, der bisher am meisten Reaktionen provoziert hat – einige davon auf den Kommentarseiten dieses Blogs. Einige davon ausgesprochen zustimmend, andere ablehnend. Unter dem Titel “Stilfragen” hatte ich erklärt, dass ich vom Einzelnen nicht in erster Linie eine Veränderung des persönlichen Lebensstils einfordere, als vielmehr ein Eintreten für politische Veränderungen.

In einem will ich meinen KritikerInnen zustimmen. Es macht wenig Sinn das eine gegen das andere auszuspielen. Ein klimafreundlicher Lebensstil ist sicherlich eine wichtige Ergänzung zum politischen Engagement. Er stabilisiert es, macht es glaubwürdiger. Er lindert kognitive Dissonanzen, die auftreten, wenn ich z.B. fliege und doch eine Verteuerung und damit Einschränkung des Fliegens einfordere. Er zeigt auf dass klimafreundlicher Leben geht und nicht weh tut, ja Spaß machen kann.

by nogwater (on flickr)Doch wir alle sind mit dem Lebensstilargument leicht der “Unglaubwürdigkeit”, ja der Heuchelei zu überführen. So wie Sigmar Gabriel, der nun für die Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr unter Druck geraten ist. Malte Kreutzfeld weist heute in der taz darauf hin, wie fehlgeleitet diese Kritik ist. Denn Gabriel ist nicht wegen der von ihm verursachten Flugemissionen zu kritisieren. Sondern wegen seiner Politik, die Fliegen nach wie vor ungeschoren lässt.

Nun sind Politiker vielleicht ein Extremfall. Ihre Aufgabe ist nun mal die Politik. Aber als Staatsbürger können wir unsere politische Verantwortung auch nicht einfach wegdelegieren. Wir alle sind Politiker, wir sind mitverantwortlich für die Politik die in diesem unserem Lande gemacht wird. Im Rahmen unserer Möglichkeiten und Grenzen. Indem wir etwas zulassen, uns nicht wehren, uns nicht einmischen.

Dasselbe gilt übrigens auch für Unternehmen. Mich interessiert an einem Unternehmen mittlerweile weniger, wieviel CO2 es ausstößt. Das ist interessant, weil man daraus seine Interessenslage ableiten kann. Aber wichtiger ist mir, wie es sich als “corporate citizen” politisch positioniert in der Auseinandersetzung um die Regulation des CO2-Ausstosses. Welchen Einfluss es z.B. bei der Debatte um den Emissionshandel nimmt, ob es sich den fossilen Positionen von RWE & Co. anschließt oder sich anders positioniert wie z.B. die Deutsche Bank und die Dresdner Bank.

Es wäre für ein profitorientiertes Unternehmen in der Tat viel verlangt, z.B. auf den Bau von Kohlekraftwerken zu verzichten, wenn diese sehr viel profitabler wären als erneuerbare Energien oder Blockheizkraftwerke (was noch zu belegen wäre). Leider ist nun einmal der Sinn und Zwecke von Wirtschaftsunternehmen der Profit.

Aber auch als Unternehmen den Widerspruch zwischen Profitlogik und Klimaschutz zu erkennen, und in der Konsequenz laut und deutlich zu verlangen, dass sich hier die Rahmenbedingungen ändern, dass also zukünftig die Profitlogik des Unternehmens nicht mehr im Widerspruch zum Klimaschutz steht – das erwarte ich allerdings von jedem Unternehmen, das von sich behauptet, ein guter “corporate citizen” zu sein.

Ich erwarte von Porsche nicht zwingend, dass sie aufhören schnelle Autos zu bauen, solange sie eine Nachfrage finden. Aber sich für ein Tempolimit einzusetzen und ambitionierte EU-Regeln für den CO2-Ausstoss der Autoflotte – das wäre ein Position die mir Respekt abnötigen würde. Aber soviel Weitsicht ist wohl kaum zu finden…

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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