Greenwash « Klima der Gerechtigkeit

Das öffentliche Auto

25. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (1)

Kürzlich war ich in York (UK) auf dem jährlichen Treffen des World-Carfree-Networks. Neben vielen Leuten aus Verkehr- und Stadtplanung sowie Aktivist_innen traf ich dort auch einen Vertreter der Bremer Stadtverwaltung. Dieser berichtete interessant über ein Konzept, welches eigentlich sehr nahe liegt: das öffentliche Auto.

Vielen ist das eher als car-sharing” bekannt, doch leider mitsamt den negativen Implikationen: “Mein Auto soll ich teilen? Dann wird es vielleicht dreckig, ich kann nicht meine Musik hören, mein Tempo fahren und bin irgendwie nicht mehr Herr in meinem Wagen!” Teilen liegt halt nicht allen. Oder? Während beim car-sharing eine Person andere ganz solidarisch mitnimmt, ist das Prinzip des öffentlichen Auto anders. Dieses funktioniert wie das System der öffentlichen Fahrräder (bei uns von der Bahn gestellt), welche keiner Person gehören und jeder sich eines nur dann nimmt, wenn er/sie es braucht.

Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizenz)
Car-Sharing in San Francisco (Bild: felixkramer, unter der Creative Commons Lizens bei flickr)

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Die Abwrackprämie für Windräder muss her!

19. August 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

(achtung, satire)

Heute wurde berichtet, dass die Aktie des dänischen Windbauers Vestas um 20% gefallen ist, nachdem ein Verlust von 150 Mio. Euro im 2. Quartal 2010 vermeldet wurde. Wie reagiert die Branche? Tausende von Arbeitsplätzen sind bedroht, auch in Deutschland. Diese Krise könnte auf die Windindustrie im Land überschwappen und sie erheblich schädigen. Vorbei wäre es mit Gewinnen und Sauberimage. „Der Chinese“ würde weiter davon ziehen und Weltmarktführer sein. Anders als beim Fussball – und auch dort ist es schon schwer zu verstehen – dürfen wir nicht auch noch bei der Windenergie das Finale verpassen!

Deshalb fordere ich die Abwrackprämie für Windräder!

Die Kanzler ist schon auf Windtour doch das kann dem wahren Klimaschützer nicht genug sein. Ab sofort sollte jedes neu aufgestellte Windrad mit 7.500 Euro pro Kilowattstunde subventioniert werden. Wir müssen als Land zusammenstehen und unserem Kerngeschäft unter die Räder greifen. Deutschland, einig Windland.

Und jetzt die gute Nachricht:

Es werden auch ohne Abwrackprämie mehr klimarettende Windräder gebaut werden. Die lohnen sich nämlich schon heute gegenüber der Konkurrenz aus Atom und Kohle. Und anders als Autos, würden die von einer sinnvoll-ökologischen Steuer profitieren. Und das Klima.

Wundermittel Jatropha?

21. Juli 2010, von Georg Koessler, Comments (5)

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

Jatropha in Paraguay, Bild von Brandenstein plantations agroconsulting

  

Die Debatte um Biokraftstoffe ist nicht neu, aber sie wird jetzt wieder heiß. Besonders die von den stärkeren Staaten forcierte “Entwicklung” Afrikas durch Energiepflanzen bekommt derzeit wieder zunehmend Aufmerksamkeit. Neben der EU wollen Player wie Brasilien nicht nur Investitionsfeld der Europäer sein, sondern so wie BRIC-Kollege China in Afrika eigenes Geld machen. Die Handelspolitik macht es möglich, dass es sich rentiert, dort Biokraftstoffe anzubauen und diese weiter nach Europa zu schiffen – ein Dreieckshandel, bei dem Afrika die Verliererin sein könnte (das Prinzip klingt leider sehr bekannt). Die TAZ hat dies aufgegriffen (hier bei den Klimarettern zu lesen). 

Ein Name fällt dabei immer wieder: Jatropha.  

Das IFEU hat hierzu bereits 2008 eine Untersuchung gemacht.  

“Jatropha, Jatropha curcas L., zu deutsch Purgiernuss, ist ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Er gedeiht selbst in niederschlagsarmem Klima und auf degradierten, unfruchtbaren Böden, auf denen keine Nahrungsmittel angebaut werden können. Auf diesen Flächen tritt der Anbau von Jatropha somit nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Jatropha trägt ölhaltige Samen. Das Jatrophaöl eignet sich gut für technische Zwecke und kann beispielsweise zu Jatropha-Biodiesel weiterverarbeitet werden. […]  

Die dargestellten ökologischen Vorteile für Jatropha gelten vor allem dann, wenn Jatropha auf degradierten, unfruchtbaren Böden angebaut wird. Wenn sich allerdings (weiterlesen…)

Südafrika 2010 – die Chance, es allen zu zeigen

8. Juni 2010, von Georg Koessler, Kommentare (0)

Der Ball ist Rund, auch in Südafrika

Der Ball ist Rund, auch in Südafrika.

Was wurde nicht alles geschrieben, geblökt und gestritten im Vorfeld der WM. Südafrika kann weder fußballerisch noch logistisch mit Deutschland mithalten. Zwischendurch wurde sogar berichtet, dass die WM statt in Südafrika wieder hier bei uns ausgetragen werden könnte. Jetzt ist es endlich so weit und Südafrika wird mit tollem Fußball, Sicherheit und einem reibungslosem Ablauf der Welt ihre Vorurteile vor Augen halten – da bin ich mir sicher.

Jedoch wird die WM von 2006 wohl in einer Kategorie, in der sie selbst nicht besonders glänzte, vom diesjährigen Turnier nicht überrundet werden: dem Klimaschutz. (weiterlesen…)

Fordert Schellnhuber mehr Atomkraft ?

5. Mai 2010, von Georg Koessler, Comments (3)

Die Jahrestagung 2010 der Lobbyorganisation „Deutsches Atomforum e.V.“ hatte einen besonderen Gastredner: Hans Jochim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hielt die Einführungsrede. Schellnhuber ist einer der führenden Klima-Wissenschaftler weltweit und Co-Autor des berühmten IPCC Reports. Er erhielt 2004 sogar die Ritterehre von Queen Elizabeth II. und war Preisträger der Bundesumweltstiftung. Der Präsident des Atomforums sagte anschließend, Schellnhuber habe „vielen aus dem Herzen gesprochen“. Der Wissenschaftler hatte die Atomkraft als sogenannte „Brückentechnologie“ empfohlen und eine Laufzeitverlängerung befürwortet.  (weiterlesen…)

Substance or Greenwash: What are the threats in the climate negotiations?

9. Dezember 2009, von Arne Jungjohann, Kommentare (0)

Even after some days of negotiation it is not fully clear how much substance and how much greenwash can be expected in the end of COP15, the UN Climate Summit in Copenhagen, Denmark. The Heinrich Böll Foundation has published together with Germanwatch this background paper on possible elements of a fair climate treaty in line with the climate science.

Obviously there is also the danger that the world leaders will politically agree on a solution that includes loopholes. These are the four main dangers on the way to a Greenwash Agreement:

Danger No. 1 for a Greenwash Agreement: Long-Term Goals Without Short-Term Targets: It could be that a 2 degrees limit and non-binding long-term goals are announced with much fanfare in Copenhagen, but that the binding short-term goals (2020) remain clearly below the benchmark governments set themselves in Copenhagen. Binding short-term targets are the only realistic way for the achievement of long-term goals.

Danger no. 2 for a Greenwash Agreement: The Risk of Loopholes: Given the current state of negotiations, it is likely that we will be confronted with significant loopholes. Then the low reduction targets of industrialized countries would not be worth the paper they are written on.

Danger No. 3 for a Greenwash Agreement: “Politically Binding”: The concept “Politically binding” is a smoke grenade. A “politically binding” agreement would mean putting political will in a sieve through which it can quickly leak out: By no later than the next change of government, a country would not be bound to it anymore. By contrast, an agreement legally binding under international law would pour the political will in a leak-proof bucket, in order to be able to transport it for the distance. If at the end of the climate conference we have a politically binding agreement it would be a greenwash selling the world a sieve as a bucket.

Danger No. 4 for a Greenwash Agreement: “Pledge and Review”: If every country simply submits its own climate and financing targets and these are accepted, then no real climate negotiations are actually taking place. The purpose of the multilateral approach, that all participate and go further than they would otherwise, would be lost.If the legal bindingness is also absent, there will be no dynamic unleashed, only frustration and deadlock.

Riesiger Strahlemann

21. Juli 2009, von Björn Ecklundt, Comments (2)

StrahlemannNeulich in der Mittagspause stolperte ich auf dem Bürgersteig über einen Elektroinstallateursmeister. Er installierte gerade einen blau-grauen Pfosten am Straßenrand. Auf meine Frage erklärte er mir, das sei eine Ladestation für Elektroautos. ‘Aha, Elektroautos’, dachte ich, ‘das geht voran.’ Dann fiel mir das Logo auf dem Pfosten auf: RWE. Die Worte Braunkohle, Neurath und Atomkraft schossen mir durch den Kopf. Klar, woher der Strom für die Elektroautos kommen würde. Aber die Idee an sich fand ich toll. ‘Man könnte ja’ dachte ich, ‘100.000 freundlichen Berlinern Solarzellen für ihre Autodächer spendieren (weiterlesen…)

Easyjet – Alles Easy mit dem Klimaschutz?

19. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Easyjet

“Did you know you’re taxed 5 times more for the CO2 that your flight emits when you fly short haul from London to Malaga than a long haul flight from London to Melbourne?” Easyjet

Ja, ich bin auch mit dem Billigflieger quer durch Europa geflogen, habe brav meinen CO2-Ablass gezahlt und trotzdem ein schlechtes Gewissen. Zu Recht, denn Fliegen erhöht die persönliche CO2-Bilanz dermaßen, dass man von global nachhaltigen 2 Tonnen pro Person und Jahr nur noch träumen kann.

Nun habe ich also selber massiv zum Klimawandel beigetragen und kein Recht, mich über die Billigflieger aufzuregen. Und trotzdem tue ich das. Anlass ist eine Werbekampagne von Easyjet, die die Billig-Vielfliegenden von der Rückseite der Vordersitze aus zumüllt – so viel zum Thema Volksverdummung und Dreistigkeit…

Interessant ist hierbei, dass das Thema Klimaschutz inzwischen auch von Fluggesellschaften als so bedeutsam wahrgenommen wird, dass sie davon ausgehen, dass ihre Kunden gerne einen Beitrag leisten würden. (weiterlesen…)

Autos: Aus Liebe zur Natur

19. April 2009, Comments (3)

Die grüne Masche im Marketing treibt immer neue Blüten. Dank Abwrackprämie nun sogar mit quasi amtlichem Segen.
Neulich bin ich bei einem Autohändler vorbeigekommen, der seine Benzinschleudern wie folgt bewirbt:

Auto aus Liebe zur Natur

Umweltfreundliche Autos. Natürlich von Koch. Aus Liebe zur Natur.

Ob der die Natur gefragt hat, ob sie SO geliebt werden will? Man kann jemanden auch zu Tode lieben…

Junges Atomforum mit großer Vision

6. März 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Was für eine Vision: ein Atomreaktor direkt neben dem Brandenburger Tor, das Windrad ist kaum noch zu erkennen und die Jugend spendet Beifall und Jubel…

Durch die Lektüre eines taz-Artikels bin ich auf die Veranstaltung “Junges Forum – Deutschland Deine Zukunft” des Deutschen Atomforums aufmerksam geworden.

Die Veranstalter berichten:

Das „Junge Forum” richtet sich an alle gesellschaftspolitisch interessierten jungen Menschen von heute, die etwas bewegen wollen; die bereit sind, über die Energieversorgung von morgen einmal ganz anders zu diskutieren – vorurteilsfrei und unkonventionell. Die offen über die großen Energiefragen der Zukunft nachdenken wollen.

Wenn man sich die Besetzung des Panels anschaut, bleibt jedoch von Vorurteilsfreiheit und Unkonventionalität nicht mehr viel übrig. (weiterlesen…)

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
Tilman SantariusTilman Santarius
Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
Arne JungjohannArne Jungjohann
Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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