Klimawandel « Klima der Gerechtigkeit

Wünsch dir was

30. August 2010, von Björn Ecklundt, Kommentare (0)

Jetzt hat die Kanzlerin sich also festgelegt: 10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten für Atomkraftwerke sollen es sein.

Die Kernenergie sei “was die Versorgungssicherheit, was den Strompreis und auch das Erreichen der Klimaziele anbelangt … als Brückentechnologie über das Jahr 2020 hinaus wünschenswert.”

Fragt sich, wer sich hier was wünschen darf. (weiterlesen…)

Das Klima, der Hunger und das Spiel

12. August 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (1)

So bitter sind die Folgen der globalen Erwärmung: Die Weltbank schlägt Alarm und warnt vor einer neuen Hungerkrise mit Ausmaßen wie 2008, als die Zahl der Hungernden weltweit auf fast 1 Milliarde anstieg. Denn die beiden Grundnahrungsmittel Reis und Weizen werden knapp.

Die Reisernte ist aufgrund steigender Temperaturen in den letzten 25 Jahren bereits um 10 bis 20 % gesunken. Das stellte ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie fest. Eine gute Übersicht über den Einfluss des Klimawandels auf die Reisproduktion und den Einfluss des Reisanbaus auf das Klima gibt es beim Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI hier.

Beim Weizen spielen die Brände in Russland und das dort verhängte Exportverbot die größte Rolle. Aber auch die anhaltende Dürre in Russland sowie anderen wichtigen Anbauländern (Ukraine, Kasachstan und Australien) trägt zu Ernteverlusten bei. Hinzu kommen die Überschwemmungen in Pakistan, Indien und China – das sind ebenfalls wichtige Reis- und Weizenanbauländer. (weiterlesen…)

Das IPCC und die Medien…

14. Juli 2010, von Georg Koessler, Comments (2)

Viel wurde geschrieben in den letzten Monaten über den Weltklimarat (IPCC), und sicher noch viel mehr wurde geredet. Wobei heutzutage ja jede spontane – oft persönliche – Stimmungsbekundung anscheinend gleich in ein Blog mündet.

Pachauri vor der UN Generalversammlung in New York (Bild vom IPCC)

Pachauri vor der UN Generalversammlung in New York (Bild vom IPCC)

Dies hat gerade das IPCC erfahren müssen, welches eine Breitseite nach der anderen von Klimaleugnerinnen und Klimaskeptikern abbekommen hat. Doch leider stellt sich das so wichtige und nach wie vor renommierte Klimagremium nicht immer schlau dabei an, mit der Öffentlichkeit bzw. den Medien umzugehen. So gab das Büro des IPCC rund um dessen Vorsitzenden Rajendra K. Pachauri den 831 Wissenschaftler_innen des nächsten „Assessment Reports“ einen Brief, in dem sie angehalten werden, „Distanz zu den Medien“ zu nehmen und Interviewanfragen lieber gleich an den vorgesetzten Chef weiter zu leiten – so berichtet zumindest der prominente Öko-Blogger der New York Times, Andrew Revkin. Pachauri klärte dies in einer Mail an Revkin auf: (weiterlesen…)

Ein erster Rückblick: Warum gibt es noch kein US-Klimagesetz?

29. Juni 2010, von Arne Jungjohann, Comments (2)

Der Senat, das Nadelöhr für ein US-Klimagesetz
Vor genau einem Jahr sah es so aus, als ob die USA bald ein Klimagesetz hätten: Die Demokraten hatten in beiden Kammern komfortable Mehrheiten, Präsident Obama hatte das Thema weit oben auf seiner innenpolitischen Agenda und das Repräsentantenhaus hatte den wegweisenden Waxman-Markey-Bill verabschiedet. Die Fraktionsführung der Demokraten um Nancy Pelosi triumphierte. Obamas oberster politischer Berater David Axelrod sagte voraus, dass der Senat schon in Kürze dem Abgeordnetenhaus folgen würde. Doch heute, ein Jahr später, scheint eine Verabschiedung eines substanziellen Klimagesetzes im Senat schwieriger denn je. Gründe dafür gibt es genug: (weiterlesen…)

Klimabilanz des Vulkanausbruchs Eyjafjallajökull

20. April 2010, von Lili Fuhr, Comments (2)

Welche Auswirkungen hat der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf das Weltklima? Diese Frage geistert derzeit durch viele Zeitungsartikel und Internetforen. Meine eigene Recherche hierzu hat ergeben: erstmal keine.  Nachzulesen ist das zum Beispiel beim Max-Planck-Institut für Meteorologie (hier und hier) oder bei der ETH Zürich (ETH-Klimablog).

Interessanter aus Sicht der Klimaforschung ist die Frage, welche Folgen die Lahmlegung des Flugverkehrs haben werden. Leider lautet aber auch hier die Antwort: direkt erstmal keine. (weiterlesen…)

Kohle ODA Klima?

19. April 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (1)

Derzeit geht es als Skandal durch die Medien: die Weltbank hat soeben den größten Kredit ihrer Geschichte (3,75 Mrd US-Dollar) an den südafrikanischen Staatskonzern ESCOM vergeben, zum Bau eines gigantischen 4.800 Megawatt Kohlekraftwerks. Klar: sowieso ein klimapolitischer Skandal! Aber doch kein verwunderlicher, setzt die Weltbank doch noch immer den größten Teil ihres Energieportfolios in klimaschädliche Technologien und nicht in Erneuerbare Energien.

Der verwunderliche Skandal ist ein anderer: die Bundesregierung, die den Kredit mitfinanziert, brüstet sich mit dem Projekt. Hat denn Merkel nicht eben erst in Kopenhagen versprochen, 420 Millionen mehr Geld auszugeben für Klimaschutz im Süden? Ach stimmt, ich vergaß, Klimaschutz und Kohlekraft schließt sich ja nicht notwendig aus…. ODA etwa doch? Und das ist gleich der nächste Skandal: (weiterlesen…)

100% Erneuerbare sind möglich – sagt jetzt selbst die Industrie

19. April 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (0)

Die European Climate Foundation veröffentlichte eine Studie zur Stromversorgung der Zukunft. Die Studie verdeutlicht, dass bis Mitte des Jahrhunderts in Europa ein Umbau des Elektrizitätssystems auf 100% Erneuerbare Energien möglich, sicher und preiswert ist. Gerechnet werden auch noch Szenarien mit 40%, 60% und 80% Erneuerbaren Energien und einem entsprechenden Rest an Kohle- und Atomstrom.  Aber das Szenario mit 100% Erneuerbaren Energien liefert praktisch genauso verlässlich und kostengünstig Strom wie die Szenarien, die noch auf die alten Kumpel Kernkraft & Kohle setzen. (weiterlesen…)

Neustart nach Kopenhagen

14. April 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (0)

Nach dem Scheitern von Kopenhagen kam es vom 9. bis 11. April zur ersten Wiederaufnahme der Klimaverhandlungen. Germanwatch und andere deutsche NGOs hatten medienwirksam demonstriert und dabei ein hervorragendes Presse-Echo bekommen (von SZ über Spiegel bis hin zu New York Times). Ihre Message: „Pick up the pieces“ – den Scherbenhaufen nach Kopenhagen zusammenkehren und weitermachen, jetzt nicht müde werden! (weiterlesen…)

Soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik

6. April 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (0)

Endlich wieder ein gründlicher Versuch, soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik in nationaler wie internationaler Sicht zu untersuchen! Felix Ekardt liefert in seiner Studie für die Böckler Stiftung einen beeindruckenden Rundumschlag, der sich sowohl den ethisch-normativen Grundfragen wie der ganzen Palette der konkreten nationalen Klimaschutzgesetze in Deutschland als auch den Grundzügen des internationalen Klimaregimes widmet. Insbesondere bei den Ausführungen zum Gebäudebereich liefert die Studie eine Reihe von sehr interessanten Anregungen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Besorgnis um “Energiearmut” in Deutschland, die in Großbritannien von je Realtität ist aber hierzulande erst aufgrund der deutlich gestiegenen Energiepreise (und zunehmenden sozialen Prekarisierung) ins öffentliche Bewusstsein getreten ist, ist Ekardts Abhandlung über das “Recht auf Raumwärme” ein richtungsweisender Einstieg in die Diskussion über Lösungen, die Klimaschutz und gesellschaftliche Integration miteinander verbinden. Unbedingt lesenswert! Bei den Ausführungen über die internationale Gerechtigkeit allerdings überzeugt der Vorschlag “one human, one emissions right” mit globalem Emissionshandel wenig; hierzu habe ich ja bereits an vielen Stellen aufgezeigt, warum gleiche pro-Kopf-Rechte letztlich nicht gerecht sondern ungerecht und ein Lösen der Entwicklungskrise durch riesige Finanztransfers über den Emissionshandel keine gute Lösung darstellen (siehe z.B. hier). Nichts desto trotz: dann folgen wiederum sehr sympatische Ausführungen über Freihandel versus regulierter Handel. Also: nichts wie runterladen und lesen!

Petersberger Klimadialog – was ist das Ziel?

18. März 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (0)


“Copenhagen war nix – wie jetzt weiter?” ist natürlich die zentrale Frage zum internationalen Verhandlungsprozess. Die Termine für die üblichen Zwischenverhandlungen in 2010 stehen schon fest, so im April sowie im Juni in Bonn. Zudem möchte die Bundesregierung vom 2. bis 4. Mai zu einem Treffen von Umweltministern aus 50 bis 55 Ländern auf den Petersberg nach Bonn einladen. Das Treffen wird nicht im Rahmen der UN stattfinden, und es werden auch keine NGOs zugelassen. Mit dem “Petersberger Klimadialog” knüpft die Bundesregierung in leicht verändertem, erweitertem Setting an den “Greenland-Dialogue” an, den Dänemark im Vorfeld von Kopenhagen mit einer Serie von Treffen abgehalten hatte.

Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen haben eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, welche Strategie sie mit dem Petersberger Klimadialog verbindet. Die Antwort der Bundesregierung vermittelt leider den Eindruck: noch keine klare. Es fällt jedenfalls schwer, sie zwischen den Zeilen herauszulesen. Die offizielle Zielsetzung lautet, es gehe um einen “inhaltlichen Austausch zwischen den Teilnehmern (…), um den Positionen der verschiedenen staatlichen Regional- und Interessengruppen ein informelles Forum und den Verhandlungen einen zusätzlichen Impuls zu geben.” Sehr schön. Aber genauso lautete auch das Ziel der vielen, vielen Treffen und Zwischenverhandlungen vor Kopenhagen. Was es hingegen jetzt braucht, ist eine klare Allianz der Vorreiter! (weiterlesen…)

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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