“Medupi” – “Regen, der ausgedörrtes Land tränkt” nennt der staatliche Energiekonzern Escom aus Südafrika liebevoll das neue Kohlekraftwerk, das im Land der WM 2010 gebaut wird. Das ist angesichts der klimaschädlichen Wirkung von Kohle jedoch blanker Hohn.
Das Projekt steht schon seit Monaten nicht nur in der Kritik, weil neue Kohlekraftwerke grundsätzlich zu kritisieren sind. Besonders kritisch ist in diesem Fall die Tatsache, dass Escom hierfür einen Kredit der Weltbank über 3,75 Milliarden US Dollar erhält.
Neue Brisanz bekommt die Geschichte jetzt noch einmal dadurch, dass Escom für das Kohlekraftwerk gar eine Zertifizierung durch den Clean Development Mechanism CDM bekommen soll.
Wenn die Welt in den kommenden Wochen nach Südafrika schaut, dann wird hoffentlich nicht nur über Fußball gesprochen. Immerhin sind es ja die Steuerzahler in den Industrieländern – also wir – die Medupi finanzieren.
Grau und bedrohlich ragen die Schlote eines Kohlekraftwerks in den Himmel. Weiß und steril ist der Kontrollraum. Mit kühler Präzision bereiten die Ingenieure ein Manöver im Kraftwerksbetrieb vor. Ein Druck auf eine roten Knopf und die Schornsteine verwandeln sich in Geschützrohre, die den afrikanischen Kontinent ins Visier nehmen. Bilder wie aus einem Hollywood-Kriegsfilm. Sie laufen in einem Filmspot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung ab Donnerstag in Kinos deutschlandweit und machen klar: Deutsche Kohlekraft bringt die Klimakatastrophe nach Afrika und andere arme Regionen dieser Welt.
Gestern wurde der Film auf der Gala der Green Me Lounge während der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen. Er macht den Zusammenhang zwischen Kohlekraft und Armut durch Klimawandel in den armen Ländern der Welt eindringlich deutlich und ist Teil der Kampagne: “Klima schützen, Armut verhindern”, die sich gegen den Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland wendet. 24 neue Kraftwerke sind hierzulande derzeit im Bau oder in Planung. So wird ein massiv erhöhter CO2-Ausstoß über Jahrzehnte zementiert.
Jede und jeder kann etwas zum Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom und damit zur Armutsbekämpfung beitragen, wenn sie und er zu Ökostromanbietern zu wechselt. Außerdem sollte der Film an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertungen und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.In vielen Kinos Deutschlands läuft ab Donnerstag ein Spot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung gegen neue Kohlekraftwerke. Gestern wurde er auf der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen.
Wieder mal eine nachdrückliche Aufforderung zu Ökostromanbietern zu wechseln und dem Kohlestrom die rote Karte zu zeigen.
Der Film sollte an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um die klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertung und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.
“Ist es an der Zeit, sich um Kopenhagen Sorgen zu machen?”, fragt doch tatsächlich James Murray von BusinessGreen.com im Guardian vom 12.8.09. Ehrlich gesagt: Da bleibt mir doch fast die Spucke weg. Wer die Klimaverhandlungen seit dem Bali-Gipfel 2007 verfolgt hat, macht sich schon lange keine Sorgen mehr. Ich finde, das Gefühl ist eher mit schleichender Panik zu beschreiben.
Laut dem Sierra Club wurde letzte Woche das 100. Kohlekraftwerk in den USA seit 2001 verhindert. Damit sind rund 400 Millionen Tonnen CO2 im Boden geblieben. Hierbei handelt es sich um Kohlekrafterke die schon in der ersten Planungphase gestoppt wurden bis hin zu solchen, die schon liefen und stillgelegt wurden. Teilweise werden Krafterke gebaut aber laufen mit Biogas statt Kohle oder es findet ein geplanter Ausbau nicht statt. Die Zahl 100 ist ein optimistischer Blick und wirklich verhindert wurden wohl weniger da einige Firmen aus diversen Gründen (z.B. steigenden Kosten) ihre Bewerbung um den Bau eines KKWs zurückgezogen haben. Doch in einigen Fällen gibt es tatsächlich dank Proteste einen Umschwung von Kohle zu beispielsweise Wind. (weiterlesen…)
Neulich in der Mittagspause stolperte ich auf dem Bürgersteig über einen Elektroinstallateursmeister. Er installierte gerade einen blau-grauen Pfosten am Straßenrand. Auf meine Frage erklärte er mir, das sei eine Ladestation für Elektroautos. ‘Aha, Elektroautos’, dachte ich, ‘das geht voran.’ Dann fiel mir das Logo auf dem Pfosten auf: RWE. Die Worte Braunkohle, Neurath und Atomkraft schossen mir durch den Kopf. Klar, woher der Strom für die Elektroautos kommen würde. Aber die Idee an sich fand ich toll. ‘Man könnte ja’ dachte ich, ‘100.000 freundlichen Berlinern Solarzellen für ihre Autodächer spendieren (weiterlesen…)
Atomkraftwerke abschalten? Neubau von Kohlekraftwerken? Gentechnikfreie Landwirtschaft? Was sagen die Kandidatinnen und Kandidaten der Bundestagswahl zu diesen wichtigen Fragen? Der BUND hat knapp 1.500 potentielle künftige Parlamentsabgeordnete per Fragebogen einem Check unterworfen. Die Ergebnisse sind online abrufbar. Eine wunderbare Idee für mehr Transparenz…
“Klimawissenschaftler bei Protest gegen Kohleabbau festgenommen” – so lautet die ungewöhnliche Schlagzeile in den USA. Dabei handelt es sich um den bekannten NASA-Wissenschaftler James Hansen, der sich an Protesten in West-Virginia, beteiligt hatte. Zum genauen Vorgang und dem Kohleprojekt siehe hier und hier. Seine Motivation für den Protest erläutert Hansen hier. Ungewöhnlich ist die Schlagzeile, weil die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse weitergeben (wenn auch oft auf eindringliche und kreative Weise), z.B. beratend für Regierungen tätig werden oder sich meinungsmachend in den Medien äußern. Aber die wenigsten wagen diese Art von Vermischung aus wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlichem Einsatz, also bürgerschaftlichem Engagement. Jedenfalls ist mir kein anderes so prominentes Beispiel bekannt. Das ist schade. Denn es sind genau diese Menschen, auf die die Politik gerade hören muss. Und auch die Bürgerinnen und Bürger brauchen die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse, um den notwendigen Druck auf ihre Regierungen zu erzeugen. Wissen allein genügt längst nicht mehr.
“Mountaintop Mining” – dagegen protestierte Hansen.
Quelle: www.flickr.com (von nrdc_media), Creative Commons Lizenz
Mindestens zwei größere “gaps” lassen sich derzeit in der internationalen Klima- und Energiepolitik erkennen, die – wenn wir sie nicht bald schließen – immer größer werden…
1. Klimapolitik: Ein aktuelles Papier des UNFCCC Sekretariats sagt, dass die aggregierten Ziele der Industrieländer, wie sie derzeit auf dem Tisch liegen, bei ca. 16 bis 24 % Minderung gegenüber 1990 bis 2020 liegen. (Zum Vergleich: die ärmsten Entwicklungsländer fordern mindestens 45 %.) Dabei haben einige Länder noch keine Zahlen eingebracht. Bezieht man das und weitere Vorschläge dieser Tage (z.B. Japan) mit ein, kommt man auf eine Zahl von ca. 12 oder 13 %. Und darin wiederum stecken noch Offsets, da sich einige Länder zur Frage, welchen Teil ihrer Minderungsziele sie national und welchen Teil durch Offsets in Entwicklungsländern erreichen wollen, gar nicht geäußert haben.
Sprich: Wir befinden uns derzeit auf einem Pfad, der die globale Erwärmung auf 4 °C über vorindustriellem Niveau hochtreiben wird. (weiterlesen…)
Viel ist seit Sonntag über die EP Wahlen geschrieben und analysiert worden. Doch eines scheint vielen entgangen zu sein:
Bei den parallel stattfindenden Kommunalwahlen kam es in Rheinland-Pfalz zu erstaunlichen Ergebnissen, die nur als “Volksabstimmung gegen Kohle” interpretiert werden können. In Mainz, wo ein geplantes Kohlekraftwerk auf massiven lokalen Widerstand stößt, stürzte die kohlefreundliche SPD auf 24% ab. Die Grünen gewannen mit einer klaren Anti-Kohle-Position deutlich hinzu und wurden zweitstärkste Partei.
Foto: flickr.com; 1982 - 126 Slide Scan von Rock Portrait Photography. Das Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.
Vom anderen Ende der Welt erreichen uns derzeit sehr gemischte Nachrichten.
Zunächst die Guten: Nachdem sich Australien kurz nach Abschluss des Klimagipfels in Poznan im Dezember 2008 mit einem peinlichen Reduktionsziel von 5 % bis 2020 vor der Weltgemeinschaft bloß gestellt hat, hat Premierminister Rudd nun im Falle eines internationalen Abkommens eine Erhöhung auf 25 % angekündigt.
Dann die Schlechten: Die nationale Menschenrechtskommission warnt in ihrem jährlichen Native Title Report, dass der Klimawandel für die Aborigines einen kulturellen Genozid bedeutet, da ihr Land unbewohnbar wird.
Und dann die sehr Schlechten: Premierminister Rudd scheint in Fragen nachhaltiger Energiepolitik in der Tat kaum besser zu sein als sein Vorgänger Howard… Australien – bereits jetzt der weltgrößte Kohleexporteur – will seine Exporte bis 2030 verdoppeln. (weiterlesen…)
Liebe Leser_innen, die Verbreitung unser Beiträge ist mit den Nutzungsfreiheiten einer Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) gestattet. Bitte verlinken Sie bei einer Nutzung immer auf den Originalartikel.