GASTBEITRAG VON THOMAS FATHEUER, hbs BRASILIEN, DER VOR ORT DABEI IST:
Am Anfang schien schon alles verdorben: als Evo Morales in seiner Eröffnungsrede transgene Nahrung und Industriehühner für Glatzen im Norden und zuviele weibliche Hormone bei Männern verantwortlich machte, waren die Überschriften in der internationalen Presse geschrieben. Auch hier in Cochabamba galt: we are not amused. Dennoch wollten sich die über 30 000 Teilnehmer_innen nicht an einer Äusserung von Evo Morales messen lasssen. Ja, Cochabamba war viel mehr als einige skurile Äußerungen des Präsidenten.
Alle Latinos, mit denen ich in diesen Tagen gesprochen habe, sind mit der Konferenz zufrieden. Bei allen Widersprüchen sehen sie hier ein Signal aus dem Süden: wir können so nicht weitermachen, der Süden will mehr als eine Handvoll (und auch nur versprochener) Dollar und leere Versprechungen des Nordens. Auch in der aktiven Rolle Boliviens und Evo Morales sehen sie weniger ein Problem als ein Chance. (weiterlesen…)
GASTBEITRAG VON INGRID SPILLER, hbs MEXICO, DIE VOR ORT IN COCHABAMBA IST:
Ein bisschen Kopenhagen Feeling, ein bißchen Weltsozialforum Feeling – so fühlt sich der erste Tag auf dem Klimagipfel in Cochabamba an, zu dem Boliviens Präsident Evo Morales eingeladen hat. Immerhin sind etwa 30 000 Teilnehmer_innen gekommen, weit mehr als erwartet. Nur die Präsidenten und Staatsoberhäupter machen sich rar, noch ist unklar, ob überhaupt einer kommen wird. Offiziell wird noch mit Venezuelas Präsident Hugo Chavez, Nicaraguas Präsident Daniel Ortega und Luba aus Paraguay gerechnet. (weiterlesen…)
21. April 2010,
von Tilman Santarius,
Comments (5)
“Klima-der-gerechtigkeit.de” ist drei Jahre alt geworden. Die Babyjahre sind vorbei. Raus aus den Windeln, haben wir uns ein neues Outfit zugelegt. Und möchten an dieser Stelle einmal Danke sagen an die rund 1.800 Leserinnen und Leser, die uns jeden Tag besuchen. Wir freuen uns auch in Zukunft über eifrige Kommentare von Euch!
Viel Spaß weiterhin wünschen Lili, Tilman und – neu im festen Bloggerteam – Arne.
Wie weiter nach dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen? Das fragen sich viele, während die Verhandlungskarawane der UNFCCC zwischen Bonn, Cancun und Südafrika bereits wieder ins Rollen kommt. Zähne zusammenbeißen und einfach weiterverhandeln bis zum Erfolg?
Bolivien gehört zu den Ländern, die den Kopenhagen Accord nicht unterzeichnet haben, aber sehr wohl an Verhandlungen zur Weiterführung des Kyoto-Protokolls interessiert ist. Die Regierung des Andenstaates hat nun zu einer alternativen Weltklimakonferenz nach Cochabamba eingeladen:
In Anerkennung der Notwendigkeit dringender Maßnahmen, um der Menschheit und Mutter Erde größere Schäden und Leiden zu ersparen sowie die Harmonie mit der Natur wiederherzustellen; in der Gewissheit, dass die Völker der Welt, geleitet von den Prinzipien der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Respekts für das Leben, in der Lage sein werden, die Menschheit und Mutter Erde zu retten; sowie zur Feier des Internationalen Tags der Mutter Erde ruft die Regierung des plurinationalen Staates Bolivien die Völker, die sozialen Bewegungen und die Verteidiger von Mutter Erde aus aller Welt auf und lädt sie, wie auch Wissenschaftler, Akademiker, Juristen und Regierungen, die mit ihrem Volk zusammenarbeiten wollen, zur Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde ein, die vom 20. bis 22. April 2010 in Cochabamba, Bolivien, stattfinden wird. (Quelle: pwccc)
Der schwedische Premierminister Reinfeldt hat am Samstag in einem Artikel im Svenska Dagbladet(hier engl.) indirekt die USA für ein mögliches Scheitern der Kopenhagener Verhandlungen verantwortlich gemacht. Gelähmt vom Debattenwirrwarr ihrer einheimischen Klimagesetzgebung könnten die USA nicht die erforderliche politische Führungsrolle übernehmen. Was am US-amerikanischen Gesetzgebungsprozess so besonders kompliziert ist, erklärt die WWF-Aktivistin Keya Chatterjee im Video:
Wenn die globale Abnahme der Emissionen nicht bis 2015 oder allerspätestens bis 2020 eingeleitet wurde, kann ein 450 ppm-Pfad nicht mehr erreicht werden. Das hieße, dass der Weg in eine Welt mit mehr als 2 Grad globaler Mitteltemperatur über vorindustriellem Niveau vorgezeichnet wäre. Daraus ergibt sich ein enormer zeitlicher Handlungsdruck. Die Konferenz „The Great Transformation“, die vom 8. bis 10. Juni in Essen stattgefunden hat, nahm einen ersten Anlauf, diese Aufgabe auf ihre politischen und soziokulturellen Konsequenzen hin abzuklopfen. Wie muss unserer Gesellschaft umgestaltet werden, damit die schlimmsten Folgen vermieden werden können?
Eine illustre Expertenriege, darunter Anthony Giddens, John Podesta, Klaus Töpfer und Thomas Homer-Dixon, markierte im Kernland des Kohlebergbaus den Beginn einer überfälligen Debatte. Claus Leggewie, Direktor des kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, legt im Videointerview den Finger auf die Wunde: die Politik handelt zu langsam.
Das Interessante an den zweieinhalb Tage dauernden Diskussionen war, dass man sich nicht scheute, den Klimawandel als die große Herausforderung eines politisch-kulturellen Zivilisationswandels der Weltgesellschaft zu charakterisieren. (weiterlesen…)
Jetzt weiß ich endlich, warum ich diese putzigen kleinen Tiere schon immer gemocht und als Kind trotz Protest meiner Eltern auf der Terrasse (Nähe Küche!) mit Brotkrümeln gefüttert habe: Die Biomasse aller Ameisen auf der Welt ist um ein Vielfaches höher als die Biomasse der Menschen; sie verbrauchen in etwa so viele Kalorien wie 30 Milliarden Menschen. Im Unterschied zum Menschen aber produzieren sie keinen Abfall. Alles, was sie ausscheiden, ist für andere wiederum nützlich und kann wiederverwertet werden. Und sie selber leben auch von den Ausscheidungen anderer Lebewesen. Ein Kreislauf. Keine Klimakrise, kein Umweltkollaps. Echte Nachhaltigkeit eben. (Gelernt aus: Michael Braungart, “Das Kirschbaumprinzip” in der Sonderausgabe von National Geographic “Energie – Wege in die Zukunft“)
Das US-Magazin NEWSWEEK hat mit einer Titelstory letzte Woche eine neue „Lösung” groß aufgeworfen, von der wir in Deutschland bisher dachten sie gehöre in die Welt von „Star Trek” und „Matrix”: Geo-Engineering, die Rekonstruktion der Naturverhältnisse.
Konkret soll das natürliche Phänomen bei Vulkanausbrüchen des massiven Schwefeldioxidausstoßes simuliert werden. Dieser führt nämlich zu verstärkter Reflektion der Sonnenstrahlen in der Atmosphäre und somit zu einer Kühlung der Erde. Auch wenn dies gut klingt sind damit doch Gefahren verbunden: Das Risiko ungeahnter Nebeneffekte und der Abzug politischer und finanzieller Ressourcen von anderen Klimaschutzprojekten. „People are not going to make hard sacrifices to combat global warming if they get the impression that a quick enineering trick can erase the threat.” schreibt NEWSWEEK, wohl wissend, dass ihre Coverstory genau diese Folge haben könnte. (weiterlesen…)
Vielleicht ist es mit den Klimaverhandlungen ein wenig wie mit dem Wetter draußen: die sonnige Stimmung verspricht mehr, als die Substanz hergibt. Draußen erfreuen die ungewohnt hohen Temperaturen und der blaue Himmel und täuschen die wintermüden Menschen leicht darüber hinweg, dass noch fast alle Bäume kahl und der letzte Nachtfrost noch nicht ausgestanden ist.
Im Konferenzzentrum des Bonner Maritims ist die Stimmung wesentlich besser als während der frustrierenden winterlichen Klimagipfeltage im polnischen Poznan vor vier Monaten – dabei gibt es dafür eigentlich keinen Grund.
Die Verhandlungen sind nach wie vor festgefahren, die Klimadiplomatie steckt in der Klemme. Bis zum Kopenhagen Gipfel im Dezember 2009 bleiben lediglich acht Monate und in den Schlüsselfragen eines zukünftigen Klimaabkommens ist kein substantieller Fortschritt erkennbar. Die winzigen Schritte, die mal vor und mal zurückweisen, genügen bei Weitem nicht, die Welt auf einen neuen Entwicklungspfad zu setzen.
Die beiden Akteure, auf die trotz zahlreicher Enttäuschungen in Poznan viele noch die meiste Hoffnung gesetzt haben, um die Verhandlungsdynamik zu beleben, haben maßgeblich versagt. (weiterlesen…)
Kurz vor dem G20 Gipfel in London am 2. April hat das PIK (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung) eine Studie präsentiert, die vom deutschen Außenministerium in Auftrag gegeben worden war. Formuliert werden konkrete Empfehlungen an die G20, wie sie die global aufgelegten Konjunkturpakete auch im Sinne einer CO2-armen Entwicklung gestalten könnten.
Dass dies notwendig ist und wie wenig grün die bisherigen Stimulus Packages global sind, zeigt eine aktuelle Studie von E3G. Hier zeigt der Autor, Nick Mabey, beunruhigende Fakten: Direkte Ausgaben für Energieeffizienz, Co2-arme Energien und Transport sowie Forschung und Entwicklung neuer Technologien betragen global nur etwa 8 % der veranschlagten Mittel zur Ankurbelung der Wirtschaft. (weiterlesen…)
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