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Strahlende Landschaften

Jetzt oder nie – Atomenergie! ruft die Atomlobby und präsentiert uns ihre Pannenreaktoren in den rosigsten Bildern. Kuschelige Schafe grasen friedlich, die Sonne scheint, und ganz versteckt (ein Suchbild?) lächelt uns im Hintergrund der Pannenreaktor Brunsbüttel schelmisch entgegen. Blühende Landschaften versprach uns Kohl, aber die Atomlobby verspricht mehr: Strahlende Landschaften!

Was nicht gezeigt wurde ist dieses Bild ((c) Greenpeace)

Brunsbüttel

Es zeigt ein nach einer Wasserstoffexplosion im Jahr 2001 geplatztes Rohr im AKW Brünsbüttel. Der Betreiber (damals HEW, heute Vattenfall) liess das AKW noch 2 Monate nach der Explosion weiterlaufen.

Greenpeace hat die Störanfälligkeit der ältesten Reaktoren – darunter Brunsbüttel – in der Studie „Risiko Restlaufzeit“ genau untersucht. Dort heisst es u.a.: „Brunsbüttel ist gemessen am Betriebs-Indikator (BI) das problematischste Atomkraftwerk in Deutschland. Summiert man alleine die Stillstandszeiten auf, die länger als ein Jahr gedauert haben, so kommt man auf rund sechs Jahre, die Brunsbüttel wegen Sicherheitsproblemen vom Netz genommen werden musste.
(…) Gravierend sind nicht nur die Störfälle, sondern auch die Reaktion des Betriebspersonals auf diese Störfälle. Als es 2001 zu einer Knallgasexplosion kam, die eine Rohrleitung in unmittelbarer Nähe des Reaktordruckbehälters auf 2,7 Meter Länge zerstörte, führte dies nur durch ein Wunder zu nicht schlimmeren Folgen. Die Bedienmannschaft schätzte den Vorfall völlig falsch ein. Erst zwei Monate später wurde das ganze Ausmaß des Schadens bei einer Inspektion entdeckt.“

Und weiter: „Wie ein Kühlmittelverluststörfall im Pannenreaktor Brunsbüttel verlaufen wäre, ist fraglich. Ob alle Notfallsysteme funktionsfähig gewesen wären, ist ungewiss. Die Gefahr eines Kernschmelzunfalles mit massiven radioaktiven Freisetzungen war nah, das ist gewiss. “ (Greenpeace-Studie zu Brunsbüttel, S. 13).

Mit „abenteuerlichen juristischen Winkelzügen“ (DUH Geschäftsführer Rainer Baake) wehrt sich Vattenfall aktuell gegen die Veröffentlichung einer Schwachstellenliste über das Atomkraftwerk Brunsbüttel mit mehreren hundert offenen Fragen. Als ob Sicherheitsfragen eines Atomkraftwerks ein Betriebsgeheimnis sein dürften.

Wer nicht hören will muss fühlen„, meint da ein breites Aktionsbündnis und ruft angesichts dieser abenteuerlichen Sicherheitskultur (siehe auch den jüngsten Störfall in den Vattenfall AKWs Brunsbüttel und Krümmel) zum massenhaften Vattenfall-Ausstieg auf.

Aber wir wissen ja: Deutsche AKWs sind die sichersten der Welt. Und führen uns sicher in eine strahlende Zukunft.

Zum Weiterlesen:
Mythos Atomkraft: Über die Risiken und Aussichten der Atomenergie, von Gerd Rosenkranz
Mythos Atomkraft: Über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, von Felix Chr. Matthes
Mythos Atomkraft: Atomenergie und Klimawandel, von Felix Chr. Matthes
Vorläufige Einschätzung
der Gruppe Ökologie zu den Vorfällen in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, im Auftrag von Rebecca Harms MEP
Sauber, aber explosiv: Artikel von Cerstin Gammelin und Fritz Vorholz aus der ZEIT

UPDATE: „Vattenfall vertuscht Atomunfall“ taz-Bericht zum Vorfall im Vattenfall-Reaktor Krümmel

Dieser Artikel wurde unter Atom, Greenwash, Konzerne abgelegt.

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