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Atomfreundliche "Linke"?

Lenin-MausoleumEine von der ZEIT in Auftrag gegebene Emnid-Umfrage förderte Erstaunliches zutage. Thema Atomausstieg: „Sollte der bereits beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig oder nicht rückgängig gemacht werden?“ Während die Anhänger der anderen Parteien ungefähr wie erwartet antworteten (mit 86% Anti-Atom bei Grünen-Anhängern, allerdings erstaunlich knappen Mehrheiten pro Atom bei Union und FDP), hat die Partei „Die Linke“ ein Problem mit ihrer Wählerschaft: Eine knappe Mehrheit von 46% ihrer Anhänger ist dafür, den Atomausstieg rückgängig zu machen, 42% dagegen, 12% haben dazu keine Meinung. Schimmert da der alte Lenin wieder durch: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“?

Natürlich hat sich die Partei selbst ganz eindeutig positioniert: sie will sogar den „beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie„.

Doch scheint Oskar ein Problem mit seiner Wählerschaft zu haben. Ob das eine Ost-West-Frage ist? Oder ein Artefakt, in einer Umfrage mit kleinen Fallzahlen produziert?

Eine von Greenpeace ebenfalls bei Emnid, nur eine Woche zuvor, in Auftrag gegebene Umfrage zu Atomfragen wirft nur wenig mehr Licht. Dort will eine Mehrheit von 46% der Linken-Anhänger sogar den beschleunigten Ausstieg, ganz im Einklang mit der Partei, 37% sind für Laufzeitverlängerung oder gar Ausbau, 15% sind für den Beibehalt des bisherigen Ausstiegstempos. Dort scheint der Osten etwas atomfreundlicher zu sein als der Westen (was die obige „Lenin“-These stützen würde).

Was immer man aus den Zahlen herauslesen kann: „Die Linke“ tut sicher gut daran, das atompolitische Know-How in ihrer Anhängerschaft zu aktualisieren. Mein Buchtipp: „Mythos Atomkraft. Ein Wegweiser„. Bringt jeden auf den aktuellen Stand.Chernobyl 2006

Foto: „Sowjetmacht plus Elektrifizierung“: Stromleitungen, im Hintergrund AKW Chernobyl, 2006

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