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Wird die Autoindustrie grün?

Wird die Autoindustrie grün? Wer in diesen Tagen die Berichterstattung über die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt verfolgt, bekommt den Eindruck, dass der Klimaschutz ganz obenan auf der Prioritätenlisten der Autoindustrie steht. Alles redet vom Klimaschutz, spritsparende Autos werden ganz nach vorne gestellt.

Schön. Denn eine wirkliche Klimawende im Verkehr ist seit langem überfällig. Ob der neue VdA-Präsident Wissmann hier bereits seine Spuren hinterlassen hat, der sich mit einer Öko-Charme-Offensive einführt, nachdem sein Vorgänger über mangelnde Sensibilität für Klimaschutz gestolpert war?

Und doch: Die Klima-Wende der Autoindustrie ist bisher mehr Schein als Sein, mehr Ankündigung als Realität. Die Deutsche Umwelthilfe hat einmal die Bilanz der Autohersteller unter die Lupe genommen und dabei Erschreckendes herausgefunden. Von 125 Neuwagen-Modellen von Mercedes Benz sind satte 81 Klimakiller mit >210g CO2/km im Angebot, nur zwei Modelle schaffen den EU Zielwert für 2008 (140g CO2/km), kein Modell den Zielwert für 2012 (120g CO2/km). Bei Toyota sind von 38 Modellen insgesamt 9 Klimakiller, 4 Modelle < 140g CO2/km und 3 Modelle <120g CO2/km. Schon besser, wenn auch noch nicht gut. Die vollständige Liste für alle Hersteller findet sich hier. Und eine genaue Bewertung von 19 Modellen durch Greenpeace hier.

by aussiegall on flickrNoch erschreckender: Selbst diese schwachen Werte sind noch vielfach faul. „Im realen Leben liegen Spritverbrauch und CO2-Emissionen regelmäßig 10 bis 25 Prozent höher als von den Herstellern behauptet“ meint DUH-Chef Resch. Im Verbrauchstest wird dann ein besonders präpariertes „goldenes Auto“ eingesetzt, mit speziellen Reifen mit massiv erhöhtem Druck, Leichtlaufölen, abgeschalteter Klimaanlage und sogar aufgeladener Batterie. Die Kreativität kennt keine Grenzen: „Bei diesem Messdurchgang entwickeln manche Pkw-Modelle ein ausgeprägtes Eigenleben. In früheren Fällen erkannten Prüffahrzeuge am Umstand, dass sich die Vorderräder drehten, gleichzeitig aber die Fahrertür geöffnet war, dass sie sich auf einem Prüfstand befinden und wechselten automatisch in einen besonders Sprit sparenden Fahrmodus.“

Na, soviel Ingenieurverstand sollte vielleicht besser in reale Innovationen wie dem Hypercar von Amory Lovins oder dem SmiLE von Greenpeace gesteckt werden. Und in Mobilität ohne Auto. Denn Lügen haben kurze Beine – zu kurz für den großen Schritt nach vorne im Klimaschutz!

Dieser Artikel wurde unter Greenwash, Konzerne, Verkehr abgelegt.

Diskussion

  1. Vielleicht sollten wir Innovation in Bereich individuelle, motorisierte Mobilität nicht den grossen Konzernen überlassen, sondern wie im Bereich Weltraum-Touristik (wiewohl kein besonders umweltfreundliches Thema) Privaten. X Prize lobt jetzt auch im Bereich nachhaltiger Fortbewegung einen Preis aus:

    http://auto.xprize.org/

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