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Businesses don't own the sky

Barack Obama, nach Hilary Clinton wohl der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Demokraten, hat nun in einer Grundsatzrede sein energiepolitisches Programm dargelegt.

Ein wichtiger Satz hinsichtlich des Emissionshandels:
Businesses don’t own the sky, the public does, and if we want them to stop polluting it, we have to put a price on all pollution.
Obama bringt hier eine Grundfrage des Emissionshandels auf den Punkt: Wem gehört die Atmosphäre, und wem gehören demnach auch die Emissionsrechte?

Ich wünschte, diese Frage wäre bei der Diskussion der europäischen Emissionshandels auch so laut und klar artikuliert, und die Antwort so eindeutig gegeben worden, wie es Obama jetzt tat.

In Brüssel wird jetzt die Zukunft des Emissionshandels nach 2012 diskutiert. Vielleicht sollten die dort mal Obama einladen?

Dieser Artikel wurde unter Emissionshandel, Konzerne abgelegt.

Diskussion

  1. Schön, dass es im viel gescholtenen Amerika auch solche Stimmen gibt. In Europa, fürchte ich, haben wir uns mit dem Emissionshandel einen schlimmen Bären afbinden lassen.

    Zum einen, weil allein der Begriff „Emissionsrecht“ eine Werteverschiebung auslöst, denn wer sollte sich um den durch seine Emissionen angerichteten Schaden noch Gedanken machen, wenn er dafür doch „Rechte“ gekauft hat. (Ganz abgesehen davon, dass diese Zertifikat im Moment sogar noch verschenkt werden).

    Zum anderen, weil es die ganze Sache unnötig verkompliziert. Denn es gibt doch längst einen Energiemarkt, der über Steuern un Subventionen beeinflusst wird. Warum wird ein neuer, komplizierter Markt aufgebaut, auf dem, sehr weit weg vom Bürger, über unser Schicksal entschieden wird. Viel einfacher und nachvollziehbarer wäre eine schlichte CO2 – Steuer, damit wüsste jedermann: Eine Tonne Kohlendioxid zu emittieren verursacht Schäden, und deshalb muss man dafür zahlen.

    Eine Parallele zu dieser Thematik bildet die Förderung erneuerbarer Energien. Der CO2 Steuer entsprechend wird dort ein fester Preis für eine kWh erneuerbaren Strom festgesetzt. Dieses Sysem hat sich als deutlich effektiver, schneller und für den Verbraucher billiger erwiesen, als der Handel mit „green certificates“, wie er in Großbritannien und Skandinavien praktiziert wird. Dieser entspricht in seiner Logik den Zertifikanten für CO2 Emissionen.

    Ich fürchte nur, es ist zu spät, der Handel läuft und man kann für ein par Cent das Recht kaufen, das Weltklima zu ruinieren.

  2. Obama hat recht, wenn er feststellt, daß die Atmosphäre jedem gehört. Und damit gehört jedem auch ein Anteil Sauerstoff. Wer also fossile Energieträger verbrennt, bedient sich an anderer Leute Eigentum, ohne dafür, wie es sonst auf dem Markt üblich ist, zu bezahlen.
    Daß wir für die Komponente Brennstoff (Öl, Kohle, Gas usw.) bezahlen, da fossile Brennstoffe als Bodenschätze und damit als nationales Eigentum betrachtet und natürlich gehandelt werden, ist anerkannt und selbstverständlich, in diesem Zusammenhang aber unerheblich,
    Die Frage nach dem Recht an der Luft ist eine noch ungewöhnliche, weil wir die Selbstbedienung am Rohstoff Frischluft als historisch und gegeben ansehen. Weil sie die Eigenschaft hat, unverzüglich nachzufließen und Konzentrationsunterschiede der einzelnen Komponenten sofort auszugleichen, machen wir nur in seltenen Fällen die Erfahrung, daß sie knapp werden könnte und bedienen uns wie selbstverständlich aus dem Vollen.

    Diesbezüglich war auch so lange nichts zu regeln, als keine fossilen Brennstoffe im Spiel waren. Durch den Einsatz von Kohle, Öl, Gas ist die O2/CO2-Neutralität bei der Energiegewinnung allerdings nicht mehr gegeben. Damit bedient sich jeder, der fossile Brennstoffe einsetzt, an Eigentumsanteilen anderer, die das nicht oder nicht in dem Maße tun.
    Man hat es versäumt, parallel zum Preis für Kohle, Öl und Gas auch einen Preis für Frischluft in ihrer originalen Zusammensetzung festzulegen.
    Die Folgen, die sich aus einem derartigen Szenario ergäben, wären höchst interessant, von den Habenden aber wahrscheinlich nicht gerade gewünscht.

    Diejenigen, die überdurchschnittlich verbrauchen bezahlen an die, die nicht oder unterdurchschnittlich verbrauchen. Nichtstun führt also zu Wohlstand, zumindest vorübergehend. Wenn diejenigen, die nun so zu Kaufkraft gekommen sind, diese verwenden, um ihrerseits fossile Brennstoffe zu kaufen, schmälern sie dadurch ihren Wohlstand und werden ihr Geld lieber dafür verwenden, bei denjenigen einzukaufen, denen sie Ihren Sauerstoffanteil verkaufen. Im günstigen Fall gleichen sich auf einfache Weise globale Wohlstandsunterschiede teilweise oder ganz (abhängig vom Preis für O2) aus und es werden überall maximale Anstrengungen unternommen, O2/CO2 neutral zu wirtschaften. Die einzige Chance für die Industriestaaten übrigens, ihren Vorsprung gegenüber den anderen zu halten.
    Würden die Industriestaaten jedoch weiterhin unvermindert auf fossile Energieerzeugung setzen, drohte ihnen die Gefahr massiver Inflation bis hin zum Zusammenbruch ihrer Wirtschaft. Das Regulativ wäre der Preis für O2/CO2, der natürlich von Angebot und Verbrauch abhängen würde.

    Wir wissen, daß nur eine endliche Menge O2 zur Verfügung steht, von der wir wiederum nur einen kleinen Teil verbrauchen dürfen, wenn wir als Spezies überleben wollen. Die Klimaerwärmung über die CO2 Emissionen sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den tatsächlichen Folgen ungehemmter Nutzung fossiler Brennstoffe. In finaler Konsequenz führen wir mit der heutigen Wirtschaftsweise die Atmosphäre in ihren Urzustand zurück, und dieser war für höhere Lebensformen bekanntermaßen ungeeignet.

    Damit ist klar, daß der Preis für O2, wie immer er erhoben wird, nicht nur abhängig sein muß von der verfügbaren Menge (Binsenweisheit in der Wirtschaft) sondern empfindlich progressiv zur Abnahme des natürlichen Anteils in der Luft steigen muß.
    Es reicht bei weitem nicht aus, nur die Kosten der Klimaveränderungen im Preis wiederzuspiegeln, selbst wenn man sie zweifelsfrei beziffern könnte.
    Der Preis muß so gestaltet sein, daß man es sich keinesfalls leisten kann, auch nur in die Nähe der kritischen Konzentrationsgrenze von O2 in der Luft zu kommen.

    Wenn man sich dann noch vor Augen führt, daß 300 Millionen Amerikaner so viel O2 verbrauchen wie durchschnittlich 3 Milliarden der übrigen Bewohner dieses Globus, dann kommt man sehr schnell zur Einsicht, daß Wege gefunden werden müssen, einen Ausgleich zu schaffen. Und der kann nicht darin bestehen, daß jeder von den 3 Milliarden so viel verbraucht wie jeder durchschnittliche Amerikaner.
    Man könnte sich auch fragen, welchen Preis wir bereit wären zu bezahlen, um den Migrationsdruck, der seine Wurzeln in der globalen Ungleichverteilung hat und durch die CO2-Thematik noch erheblich angeheizt werden wird, von uns abzuwenden.

    Der Preis für den Verbrauch von O2 (CO2 zu besteuern ist übrigens der falsche Ansatz, denn er könnte dazu führen, Verfahren zu entwickeln, das CO2 aus den Rauchgasen auszuwaschen und zu deponieren, was der O2-Thematik nicht wirklich helfen würde) hat also eine sozioglobale Komponente, würde die Art des Wirtschaftens in eine nachhaltige Richtung steuern, sinnlosen Verbrauch eindämmen, der Erderwärmung rasch entgegenwirken und den ansteigenden Migrationsdruck abbauen.

    Wer dabei um sein Wirtschaftswachstum fürchtet, sollte sich überlegen, daß Wachstum grundsätzlich nur in dem Maße stattfinden kann, wie in das abgeschlossene System Erde Energie von außen eindringt. Jede andere Form von Wachstum auf der Erde führt zu ausgleichenden Schrumpfprozessen an anderer Stelle (in dem Maß wie Müllberge wachsen, schrumpfen Rohstofflager, und in dem Maß, wie sich Industrienationen an Ressourcen bedienen, werden die anderen ärmer). O2-Ausgleichszahlungen sind also eine Frage der globalen Gerechtigkeit und eine Voraussetzung für das Überleben auf diesem Globus.

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