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Beyond Petroleum: die Klimakatastrophe?

(c) Greenpeace CanadaAuf dem Flug nach Bali gelange ich auch an Zeitungen, die ich sonst nicht täglich lese. So z.B. das Wallstreet Journal, in dessen Wirtschaftsspalten ich gleich mehrere Berichte höchster Klimarelevanz fand:

BP, der „grüne“ Ölkonzern dessen Abkürzung sich sei einigen Jahren als „Beyond Petroleum“ buchstabiert, steigt nun als letzter in das boomende Geschäft mit den Ölsanden in der kanadischen Provinz Alberta ein. Alle anderen großen Ölkonzerne sind schon da. Mit gigantischen Baggern wird dort im Tagebau mit Sand vermengtes Schweröl aus dem Boden gekratzt und unter Einsatz von Unmengen von Erdgas (und damit CO2-Emissionen) in brauchbares Rohöl umgewandelt. Dies wird in die USA exportiert.

In den Tagebauen ist die Luft von Ölgeruch geschwängert, enorme Mengen von knappem Wasser werden verbraucht, eine schwarze Mondlandschaft bleibt zurück. Die Arbeit in der Region ist sehr hart, doch das Geschäft brummt so sehr, dass Arbeitskräfte nun knapp werden und die Konzerne enorme Gehälter und 5-Sterne-Hotel-Service anbieten, um Arbeiter in die eisige Kälte der Region zu locken. Prostitution und Drogenhandel blühen, um den Arbeitern den harten Job erträglich zu machen.

Alberta bietet uns einen Vorgeschmack, was die Welt „Beyond Petroleum“ angesichts von „Peak Oil„, dem Maximum der globalen Ölproduktion, auch heißen kann. Nicht der entschiedene Einstieg in die erneuerbaren Energien , und den höchst effizienten Gebrauch von Energie. Sondern das nachgerade verzweifelte Herauskratzen auch noch der letzten Reste von Kohlenstoff auf der Erdkruste. Der Abbau der Ölsande und Ölschiefer Kanadas, Russlands, und Venezuelas. Die Förderung der Methanhydrate, die in den Sedimenten der Kontinentalschelfabhängen gelagert sind (Lesetipp dazu: Frank Schätzings „Der Schwarm“). Die Verflüssigung der Kohle Australiens, Südafrikas, der USA und Chinas, auch dies unter enormen zusätzlichen CO2-Emissionen und Wasserverbrauch. Und das immer energieaufwändigere Gewinnen von Uran aus immer schwächer konzentrierten Vorkommen, unter Inkaufnahme radioaktiver Verseuchung ganzer Landstriche.

Sicher, all das wird die drohende Knappheit erst an Öl, dann an Gas, dann an Kohle und Uran nicht wirklich lindern. Auch die gigantischen Ölsande Albertas reichen nur, um den Niedergang der globalen Ölproduktion ein wenig zu lindern, nicht aber ihn zu stoppen.

Kanada, so höre ich die Berichte aus Bali, ist neben Japan und den USA einer der großen Bremser vor Ort. Keine neuen bindenden Verpflichtungen. Kein Wunder, denn nicht zuletzt dank Albertas Ölsand-Boom liegen die kanadischen Emissionen heute um 27 % über dem Niveau von 1990. Und Kanada hat Kyoto ratifiziert und sich verpflichtet, seine Emissionen um 6% zu senken.

Doch Alberta zeigt: „Peak Oil“, das Ende des billigen Öls, erspart uns (leider) nicht eine ambitionierte Klimapolitik. Sicher, es wird ein wichtiges Zusatzargument für Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Es wird den Raum von „No-Regrets“-Maßnahmen erweitern, den Maßnahmen der Klimaschutzes die sich selbst über Einsparungen finanzieren. Doch ohne Klimapolitik, ohne einen Preis für CO2-Emissionen, wird die Agonie des Ölzeitalters uns nur beschleunigt in die Klimakatastrophe katapultieren.

Update: Spiegel Online bringt einen guten Artikel über den Ölsand-Abbau in Alberta

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