--> -->

Grüne Farbe allerorten

Beim Blättern durch die Tageszeitungen springt es ins Auge: RWE, Vattenfall, und auch die in der IATA zusammengeschlossene globale Luftfahrtindustrie, sie alle preisen in ganzseitigen Anzeigen ihr Engagement im Klimaschutz an. Kein Zufall, wenn die Welt nach Bali blickt und der Klimawandel Schlagzeilen macht.

Ambitioniert – oder doch eher dreist? – erklärt RWE den europaweiten Ausbau erneuerbarer Energien zu einer „Idee von RWE“. Über einem Windrad blaut der Himmel blauer, und die genannten Ausbaupläne für Wasser- und Windkraft sowie Biomasse wirken auf den Laien erst einmal eindruckvoll. Unterschlagen wird dabei, dass Europas größter CO2-Emittent gerade dabei ist, in Neurath ein neues Braunkohlekraftwerk zu erstellen, das mit 2×1100 MW ein Mehrfaches der Leistung der aufgeführten Windparks hat und ca. 40 Jahre lang jährlich 14 Millionen Tonnen CO2 ausstößt – soviel wie aktuell Neuseeland.

Vattenfall Deutschland Chef Cramer wirbt gar mit seiner Unterschrift ganz persönlich um Vertrauen für die Klimaschutzanstrengen des lädierten Kohle- und Atomkonzerns. Auch er hat einen Offshore-Windpark im Angebot, und das erste Kraftwerk mit CO2-Abscheidung und Speicherung. Er unterschlägt, dass diese kleine Pilotanlage (Schwarze Pumpe) gerade 30M W leistet und der Konzern fast „nebenan“ in Boxberg ganz konventionell ein Braunkohlekraftwerk mit 675 MW und 5 Millionen Tonnen jährlichen CO2-Emissionen baut.

Und die IATA? Sie will bis 2025 pro Passagier 25% weniger Emissionen erreichen. Und unterschlägt, dass das fortgesetzte Wachstum der Luftfahrtbranche diese Effizienzgewinne zu annullieren droht, und sie bisher erbittert gegen verbindliche Klimaschutzauflagen für den Flugverkehr streitet.

Schön, dass die Stromkonzerne nun auch die erneuerbaren Energien entdecken und nicht länger „e wie ewiggestrig“ bleiben wollen. Wir brauchen auch ihre Finanzkraft und ihr Engagement. Doch bekommt dieses Engagement einen bitteren Beigeschmack, wenn man weiß, dass diese Stromkonzerne erbittert gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz stritten.

Schön auch, wenn die Konzerne den Klimaschutz nun ernst nehmen wollen. Doch bleibt das unglaubwürdig, wenn sie weiterhin darum kämpfen, ihre Kohlekraftwerke durch geschenkte Emissionsrechte subventioniert zu bekommen. Ja, die Konzernlobbyisten sollen sogar Erfolgsprämien bekommen für jedes Prozent Emissionsrechte, die das nicht versteigert sondern verschenkt wird.

Pilotprojekte sind erfreulich, ambitionierte Pläne auch. Aber die entscheidende Frage ist, wie sich die Konzerne politisch positionieren. Ob sie hier ambitionierte Klimaschutzziele unterstützen.

Hallo RWE, Vattenfall und IATA: Unterstützung für 100% Auktionierung der Emissionsrechte und ambitionierte Reduktionsziele ab 2013 ist gefragt! Wer als erster damit öffentlich herauskommt, bekommt auf www.klima-der-gerechtigkeit.de einen seitenlangen Lobpreis.

Dieser Artikel wurde unter Greenwash, Konzerne, Medien kategorisiert und ist mit , , verschlagwortet.

Diskussion

  1. Lobpreise sind gut, Erhöhung des Shareholder Value ist besser. Ich denke, der Preis bleibt wohl eine ganze Weile vakant.

    Das Engagement in erneuerbare Energien der Big Four kommt auch nicht von ungefähr, denn dort lässt sich Vater Staat schließlich auch noch melken. Zitat vom Finanzvorstand von Eon: „Diese Öko-Investments lohnen sich. Ohne staatliche Subventionen wären sie aber nicht rentabel.“

  2. … sind ja keine staatlichen Subventionen, im EEG. Sondern eine Umlage auf den Strompreis. Insofern wird nicht der Vater Staat gemelkt, sondern allenfalls der Stromverbraucher – mit ca. 1 EUR pro Monat nun nicht gerade stark.

Kommentieren