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Obrigado, Marina!

Für Beobachter der brasilianischen Umweltpolitik ist es keine Überraschung: Marina Silva, eine Ikone der brasilianischen Umweltbewegung als ehemalige Mitstreiterin des in den 80er Jahren ermordeten Anführers der Kautschukzapfer Chico Mendes, ist als Umweltministerin Brasiliens zurückgetreten.

Marina ist eine zarte, fast zerbrechlich wirkende Frau mit einer sehr fragilen Gesundheit. Ich hatte 2003 Gelegenheit, mit ihr bei einem Besuch in Brasilia zu sprechen. Sie hat mich damals mit ihrer Präsenz sehr beeindruckt.

Schon damals waren die Konflikte mit mächtigen Interessen in der Regierung Lula massiv. Gensoja, Großstaudämme, Atompolitik: Zu häufig musste sie dabei den Kürzeren ziehen. Und mancher Umweltschützer fragt sich heute, ob sie nicht zu lange als „grünes Feigenblatt“ für eine anti-ökologische Politik der Lula-Regierung hergehalten hat.

Ihr jetziger Rücktritt wird allgemein als Indiz dafür angesehen, dass sie bei aller Loyalität zu Lula es nun nicht mehr länger vertreten kann, für eine Politik der ökonomischen Entwicklung um jeden Preis ihren Kopf hinzuhalten.

Für die Umweltbewegung Brasiliens stehen nun die Zeichen auf Konflikt mit der Regierung Lula. Viele hatten als Linke diese Regierung gewählt und v.a. wegen sozialpolitischer Errungenschaften auch unterstützt. Gegenüber Marina Silva hatten viele zudem eine gewisse „Beisshemmung“. Dies ist nun Vergangenheit.

Mit Marina Silva traten wichtige weitere Figuren der Führungsriege des Ministeriums zurück. Sie stammten wie Joao Paulo Capobianco aus der Umweltbewegung Brasiliens und hatten mit dazu beigetragen, das junge Umweltministerium institutionell zu stärken und zu professionalisieren.

Nachfolgerin von Marina Silva wird Carlos Minc. Er ist Mitbegründer der Grünen in Brasilien, dann aber in die PT eingetreten und PT-Abgeordneter des Bundesstaats Rio de Janeiro. Lula hat klare Erwartungen an ihn: Er erwartet dass er „die Politik der Regierung verfolgt“. Will sagen, keine Stolpersteine mehr für Sojabarone, Holzfäller und Strassenbauer.

Düstere Perspektiven für Amazonien. Und das weltweite Klima.

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Foto: Marina Silva bei den Klimaverhandlungen in Bali (Foto J. Haas).

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