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"Der Nebel steigt, es fällt das Laub"* – Wälder und ETS

* Das Zitat stammt aus dem "Oktoberlied" von Theodor Storm.

Am 7. Oktober soll die Frage der Einbeziehung von Wäldern in den Emissionshandel im Umweltausschauss der Europaparlaments verhandelt werden. Zu dieser Frage wurde hier schon verschiedentlich gebloggt, siehe zum Beispiel hier: Waldschutz durch Emissionszertifikate? und hier: Waldschutz über den Emissionshandel finanzieren?

Vor Kurzem haben sich zwei prominente Klimaschützer für die Finanzierung von Waldschutz durch den Emissionshandel ausgesprochen: die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai und Al Gore.

Eines der Hauptargumente gegen die Finanzierung durch den Emissionshandel ist die berechtigte Sorge, dass sich dann die Industrieländer ihre Emissionsverpflichtungen billig durch Waldschutzzertifikate erkaufen und das dementsprechend weniger Klimaschutz in der EU (sprich: den Bau von mehr Kohlekraftwerken) bedeutet. Dieses Argument gewinnt vor allem angesichts der aktuellen Diskussionen um das EU Klima- und Energiepaket an Gewicht, da sich abzeichnet, dass sogar ein so geringes und unzureichendes Ziel wie die 20 % politisch schwer durchsetzbar ist. Ein höheres Ziel, das ein Off-Setting von EU-Emissionen in Tropenwaldländern „vertragen“ würde, ist politisch leider in weiter Ferne.

Daher muss in jedem Fall gefordert werden: Europäische Gelder für Tropenwaldschutz ja, aber zusätzlich zu den Hausaufgaben, die die EU im eigenen Territorium erbringen muss!

Pikante aktuelle Neuigkeiten gibt es zum Thema übrigens aus Brasilien, einem der Vorreiter in den Debatten und auch bei konkreten Vorschlägen zur fondsbasierten Einbeziehung von Wäldern in das Klimaregime (siehe hierzu auch das Amazonien Dossier): Das Institut für Kolonisierung und Agrarreform (Incra), das sich mit der Vergabe von Land an Siedler befasst, liegt nach regierungsangaben in einer neuen offiziellen Liste der größten illegalen Abholzer auf Platz 6! Die Abholzungsrate in Amazonien liegt in diesem Jahr dreimal höher als im letzten, nachdem es der Regierung in den letzten Jahren gelungen war, die Abholzung maßgeblich zu verlangsamen. Dafür werden aktuell teilweise die anstehenden Wahlen verantwortlich gemacht, in denen sich Politiker durch die Nichtbekämpfund illegaler Abholzung zusätzliche Wählerstimmen versprechen. Vielleicht wieder einmal so ein Fall, wo kurzfristiges wahlkampfvernebeltes Denken der Nachhaltigkeit entgegensteht. Und je dichter der Nebel, desto mehr Bäume werden fallen. Ganz im Sinne eines Theodor Storm, oder jedenfalls so ähnlich…

Foto: flickr.com von kahunapuley

Dieser Artikel wurde unter Emissionshandel, EU, Klimawandel, Wald abgelegt.

Diskussion

  1. „Ist doch die Welt, die schöne Welt,So gänzlich unverwüstlich“
    schreibt Storm.
    Wie herrlich naiv wirken diese Zeilen heute!

    Heute stehen wir kurz davor, unsere Regenwälder dadurch retten zu wollen dass wir mehr Kohlekraftwerke bauen lassen. Absurde Zeiten.

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