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Her mit der Panik?

Heute will ich nur einen kurzen Lesetipp geben: Climateprogress von Joe Romm (mein Lieblings-Klimablog) diskutiert die bittere Lektion, die wir aus der Finanzkrise für die Klimakrise ziehen können.

Yes, lots of people out there think happy talk about clean energy and green collar jobs is mainly what you need to get a massive government spending program. Not gonna happen. The happy talk can help sell the needed policies, but without the crisis, it leads nowhere.

Ohne Krisenerfahrung werden wir nicht das entschiedene politische Handeln bekommen, das wir brauchen. Nun haben wir objektiv eine massive Klimakrise. Nur noch nicht subjektiv. Sie ist immer noch nicht im politischen System angekommen.

Willy de Backer von 3E intelligence zieht einen ähnlichen Schluss: Let’s get the climate panic started! Erst wenn Panik ausbricht, wird gehandelt. Ohne Panik läuft nichts, jedenfalls nicht in dem Maß das wir brauchen um auch nur die gravierendsten Klimaschäden zu verhindern.

Bleibt Joe Romm’s Hoffnung dass sich bei den US Wahlen doch noch die Vernunft durchsetzt und Obama gewinnt. Die jüngsten Umfragen geben dieser Hoffnung Nahrung. Damit vielleicht Realität wird was Thomas Friedman in der New York Times fordert: Green the bailout!

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Diskussion

  1. Lieber Herr Haas,

    es ist gut, wenn Sie sich immer wieder zur Frage der „Durchsetzung“ äußern… Ich halte sie für die zentrale Frage überhaupt.

    Ich hatte ja schon einmal in Ihrem Blog mit Verweis auf die Bedenken von Harald Welzer Skepsis geäußert, ob das Umsteuern rechtzeitig gelingen kann. Sie hatte mich daraufhin mit dem Obama-Spruch „Yes We Can!“ aufgemuntert. Darüber habe ich mich zwar gefreut, überzeugt hat es mich jedoch nicht so richtig.

    Haben auch Sie Ihre Meinung mittlerweile geändert? Das Sie die Erzeugung einer Panik für notwendig halten, klingt ja doch etwas anders als ihre früheren Einlassungen.

    Ein Blick auf die Geschichte fundamentaler ökonomischer Umschwünge zeigt ja in der Tat, dass diese weniger durch kluge theoretische Abhandlungen oder „happy talk“ ausgelöst wurden, sondern durch massive Krisen, die die Falschheit des herrschenden Dogmas geradezu körperlich fühlbar machten.

    Die keynesianische Phase von den 1930er bis in die 1970er Jahre gab es nur aufgrund der Weltwirtschaftskrise der 1929er ff. Jahre. Den darauf folgenden neoliberalen Zyklus hätte es ohne die massiven Inflationsprobleme, überall sichtbare Investitionsruinen und galoppierender Staatsverschuldung, die die politischen Handlungsspieräume immer mehr eingeengt hat, nicht gegeben.

    Nachdem wir nun wieder kurz vor einer Kernschmele des Finanzsystems angekommen sind, wird es wieder zu einem „linken Zyklus“ kommen, das sich so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Neoliberalismus ist tot.

    Fraglich ist, was danach kommt. Sie gehen ja in Ihrer Kommentierung stillschweigend davon aus, das das Ende des Neoliberalismus nicht automatisch dazu führen wird, das das Zeitalter der Nachhaltigkeit anbricht. In diesem Punkt gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Es könnte sogar sein, dass wir für eine ganze Zeit lang wieder stärker als in den Jahre zuvor in das alte Wachstumsdenken zurückfallen.

    Wer kann also den Umschwung bringen?

    1. Kluge theoretische Abhandlungen? Ich meine nein, jedenfalls nicht allein…

    2. Happy Talk? Dito…

    3. Der „Superorganismus Menschheit“, wie er von Radermacher beschworen wird? So weit sind wir leider noch lange nicht, der einzige Superorganismus, der einige Zeit leidlich funktioniert hat, war bisher der Nationalstaat.

    4. Die Erzeugung einer Massenpanik? Wie soll das gehen, frage ich sie? Milde Mittel wie die Erzeugung eines Medienhypes (vgl. die Taktung der Veröffentlichung des IPCC-Berichts) scheinen ja nicht auszureichen. Wenn sie wirklich eine spürbare Massenpanik erzeugen wollen, müssten Sie zu viel härteren Mitteln greifen. Diese wären aber erstens nicht geeignet, das Ziel eines Umschwungs zu erreichen, da die Menschen ganz andere Schlüsse ziehen würden. Sie würden zweitens das Projekt vollkommen diskreditieren, an dem wir alle arbeiten. Daher bitte ich um etwas mehr Vorsicht bei diesem Thema, Sie stoßen hier möglicherweise ein Tor zu einem Land auf, mit dem Sie nicht das geringste zu tun haben wollen.

    5. Bleiben die ökologischen Katastrophen als Lehrmeister…

  2. Lieber Jörg, lieber Herr Bernstein,

    ich glaube zwar, dass Panik zu Entscheidungsfreude führt, aber wage zu bezweifeln, dass in Panik vernünftige Entscheidungen getroffen werden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Johan Steunenberg

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