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Chinas Forderung an den Westen – Dreistigkeit oder Anstand?

China fordert, dass die reichen Industrieländer 1 % ihres Bruttoinlandsprodukts für internationalen Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern ausgeben sollten. So heißt es jedenfalls in einem aktuellen Policy Paper von Gao Guangsheng, dem Chef der Klimaabteilung der Nationalen Entwicklungs- und Reformbehörde, der zentralen wirtschaftlichen Planungsinstanz des Landes. Doch warum schlägt diese Meldung solche Wellen? (siehe z.B. AP und Reuters.) Allein über 50 aktuelle Einträge dazu ergibt eine kurze Google-Suche. Andere Meldungen zum Klimawandel schaffen es aktuell kaum noch in die Schlagzeilen.

Grund für das Magengrummeln in der westlichen Welt und das Erstaunen über die chinesische Forderung ist wohl vornehmlich die aktuelle Finanzkrise und was sie mit den Finanzreserven und Bilanzen der „reichen“ westlichen Industrieländer anstellt. Und wie gut im Vergleich China dasteht.

Die eigentliche Forderung – Industrieländer müssen im Klimaschutz die Führung übernehmen und haben auch eine Verpflichtung, sich an internationalen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu beteiligen – würde wohl kaum jemand anzweifeln. Ebenso wenig die angesprochene Summe von 1 %. Das haben schon andere gesagt.

Für Unruhe und Herzrasen sorgt viel mehr die Tatsache, dass hier ein massiver Finanztransfer von Nord nach Süd gefordert wird, der angesichts der mehr als leeren Kassen in den von der Finanzkrise betroffenen reichen Industrieländern realpolitisch in weiteste Ferne rückt.

Wo bleibt nun unser Hebel, um die Welt vor der globalen Klimakatastrophe zu retten?

Hier die aktuelle Preisfrage (der Hauptgewinn ist ein zweiwöchiger Trip nach Poznan Anfang Dezember!):

Was ist unmöglicher – ?

a) Die USA dazu zu bringen, ambitionierte und rechtlich verbindliche nationale Reduktionsziele zu akzeptieren?

b) Die Industrieländer für einen massiven Finanz- (und Technologie-)transfer in den Süden zu bewegen?

c) Die reichen Schwellenländer (allen voran China) zu äußerst ambitionierten nationalen Klimazielen zu bringen?

Und was sagt uns die eigene Moral?

Die Antwort lautet natürlich: a, b und c sind alle scheinbar unmöglich und doch alle gleichermaßen und gleichzeitig notwendig.

Dieser Artikel wurde unter Finanzierung, Klimawandel abgelegt.

Diskussion

  1. Die Antwort im Kleingedruckten ist absolut richtig. (ups, durfe ich nicht auf das Kleingedruckte hinweisen ;)). Eigentlich müssten alle Maßnahmen umgesetzt werden. In wie Weit die USA sich in Zukunft bewegen wird, hängt auch von den kommenden Wahlen ab. China muss sich mit ihren veralteten Werken beschäftigen, aber solange ein Arbeiter so viel günstiger ist, als eine neue Maschine mit qualifiziertem Personal, wird es schwer sein eine Änderung herbeizuführen. Tja und Punkt b wäre so selbstlos, insbesondere der Technologietransfer, dass die Industrieländer der selbstgeschaffenen Konkurrenz nciht mehr trotzen könnten…

  2. c) ist am einfachsten, b) am unmöglichsten. Es könnte sein, dass a) einfacher als c) wird.

    Aber sogar das grüne Teil der Welt pocht auf ‚Erneuerbare Energien als Wachstumsmotor‘. Für den Westen, das versteht sich. Und würde erst (mal wieder) einen Finanztransfer in den Norden implizieren.

    2 Wochen Poznan wäre schon toll, aber das ist ein theoretisches Angebot, oder?

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