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Wer Sonne und Wind liebt…

… muss neue Stromleitungen zumindest mögen. So startet ein Artikel von Andrew Revkin auf Dot Earth, dem Umweltblog der New York Times.

Denn was in den USA bei deren veraltetem Stromnetz gilt, ist auch in Teilen in Deutschland richtig: Bei Umstellung auf 100% erneuerbare Energien können wir die fluktuierenden Mengen von Wind- und Sonnenstrom nur zu hohen Kosten per lokaler Stromspeicherung abfedern. Schon jetzt haben wir z.T. bei Starkwind Probleme, all den Windstrom von der Küste in den Süden Deutschlands zu transportieren. Es führt also kein Weg daran vorbei, dass wir unser Stromnetz ausbauen und verstärken. Am besten mit einem „Supersmartgrid„, einem intelligenten Netz mit einem europaweiten Rückgrat aus Hochspannungsgleichstromübertragung (HVDC).

Das erfordert aber auch von Umweltverbänden, dass sie ihren Mitglieder vor Ort erläutern, dass Opposition gegen neue Stromleitungen das Gegenteil von Umweltschutz ist. NIMBY (Not in my backyard) ist keine Option für den Umweltschutz im 21. Jahrhundert.

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Diskussion

  1. NIMBY ist Mist. OK. Aber das wir jetzt Probleme haben, den Strom vonder Küste nach Bayern zu transportieren, ist vielleicht auch eine Konsequenz falscher Investitionsanreize. Der Stromproduzent kriegt geld für jede MWh Strom. Wenn der Strom über große Abstände (von der Küste nach Bayern) transportiert werden muss, treten dabei Verluste auf. Die Kosten für diese Verluste tragen wir alle in unseren Netznutzungsentgelte.

    Also: obwohl es letztendlich für den Konsument besser und weitaus effizienter sein könnte, Windenergie in Bayern zu produzieren, gibt es einen Anreiz, die Mühlen an der Küste zu bauen. Eurosolar hat auch schon mal in dieser Richtung gestänkert.

    Ich finde übrigens die Forderung, dass die Umweltverbände ihre Mitglieder den Protest ausreden, nur bedingt sinnvoll. Die typische NIMBY-Leute kann man nicht mit engagierten BUND-Mitgliedern über einen Kamm scheren. Es ist schon was anderes, ob man sich um z.B. Fledermäuse oder um die Wert seines Häuschens sorgt. (Und, um eventuellen Unsicherheiten vorzubeugen: ich habe mehr Respekt für die Fledermausschützer.)

    Vor eine Weile warst Du schon mal so forsch über die DUH. Ich weiss nicht, ob das so angebracht ist.

  2. Dass wir mehr Windstrom an der Küste haben liegt weniger an den falschen Anreizen (die Einspeisevergütung ist an windschwachen Standorten etwas höher), als an der windfeindlichen Politik im Süden.
    Aber auch wenn wir mehr Windstrom im Süden hätten würde das die Notwendigkeit neuer Leitungen nicht vermindern. Vor allem nicht in einer Perspektive, auf 100% erneuerbare Energien hin zu arbeiten.
    Was die Umweltbewegung angeht, so mache ich mir in der Tat Sorgen über ihre Fähigkeit, mit der neuen Dimension der Herausforderung des Klimawandels Schritt zu halten. NIMBYismus ist eine der Wurzeln der Umweltbewegung und hat uns an ein paar Stellen sicher weitergebracht. Und doch ist jetzt mehr Weitblick angebracht.

  3. Hallo Jörg,

    Ich habe gerade im neuen EEG nachgeschaut und finde da nichts zu den niedrigeren Einspeisevergütungen in der Küstenregionen. Auch im alten Gesetz finde ich nichts.

    Es würde mich also sehr interessieren, wie Du zu dieser Überzeugung kommst.

    Schöne Grüße,
    Johan

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