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Visionen

Gestern haben sich die Verhandlerinnen und Verhandler beim UN-Klimagipfel hier in Poznan in einem 3-stündigen Workshop mit der Frage einer „Shared Vision“, also einer gemeinsamen Vision befasst. Dies gilt als eines der Kernthemen, um das es aktuell noch zahlreiche Kontroversen gibt. Um einmal kurz zu erläutern, wie breit hier die Meinungen und Perspektiven auseinandergehen, stellen wir hier drei Herangehensweise an die Debatte vor, die heute zu beobachten waren:

Ansatz 1: die leere Seite als Povokation und Herausforderung (Climate Action Network ECO Newsletter)

Der heutige ECO-Newsletter enthält eine blanke Seite mit der Überschrift: „Shared Vision:“ (Picture a climate-safe future). Da darf dann jeder selber reinmalen, wie man sich das vorstellt.

Ansatz 2: Pro-Kopf-Duschzeit-Convergence? (China und Japan in dern Verhandlungen)

So ähnlich ging das dann auch im Workshop am Nachmittag zu, bei dem verschiedene Regierungen und Gruppierungen ihr Verständnis der „Shared Vision“ dargelegt haben. Besonders amüsant war dabei eine verbale Attacke Chinas gegen Japan, die sich in etwa so wiedergeben lässt (keine wörtlichen Zitate!):

China (auf Englisch): Wir haben eine Frage an Japan. Japan hat sich eben in seiner Präsentation auf Life Style Innovations bezogen. Wir würden gerne wissen, was genau damit gemeint ist. Geht es dabei vor allem darum, die Durchschnittsduschzeit der Japaner von 40 auf 15 Minuten zu verringern, wie die Regierung tatsächlich im Rahmen ihrer […]Kampagne vorgeschlagen hat?

Japan: [ignoriert Frage}

China (auf Chinesisch): Vielleicht war mein Englisch nicht klar genug. Wir wüssten gerne, was mit Life Style Inovations gemeint ist und ob sich das auch auf die Duschzeit bezieht.

Japan: [Bla bla bla] Auf mich selbst angewendet kan das zum Beispiel bedeuten, dass ich statt 7mal am Tag nur 3mal dusche. […]

Ansatz 3: Was wir schon haben… (Third World Network Side Event zu Schlüsselthemen in Poznan)

Heute abend hat das Third World Network ein Side Event abgehalten, bei dem die Koordinatorin der G77, der Leiter der indischen Delegation, der Koordinator der Least Developed Countries und der Koordinator der African Group auf dem Panel saßen. Eine gemeinsame Aussage aller war: Es ist total absurd, dass wir hier heute 16 Jahre nach Verabschiedung der Klimarahmenkonvention sitzen und uns über eine gemeinsame Vision streiten, obwohl diese doch klar in der Konvention selber verankert ist.

Dabei bezogen sie sich auf folgenden Artikel der Klimarahmenkonvention:

Das Endziel dieses Übereinkommens und aller damit zusammenhängenden Rechtsinstrumente, welche die Konferenz der Vertragsparteien beschließt, ist es, in Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmunge des Übereinkommens die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.

Interessant ist dabei, dass die aktuelle Koordinatorin der G77, nämlich die Philippinen (gemeinsam mit Saudi Arabien) heute den Fossil-of-the-day (2. Platz) gewonnen haben, also den Preis des Climate Action Network für schlimmes Verhalten in den Verhandlungen. Begründung: Die Philippinen haben im Namen der G77 die Notwendigkeit einer Debatte zur Shared Vision in Frage gestellt, was keine abgestimmte G77 Position war. Vielen armen Entwicklungsländern ist es ein großes Anliegen, genau dort weiterzukommen, sich erstens auch im Rahmen der Shared Vision auf konkrete Emissionsziele (global) für 2050 und 2020 zu einigen und den notwendigen Technologie- und Finanztransfer, um das auch für den Süden zu ermöglichen. Von einer Einheit der G77 in diesen Fragen kann keine Rede mehr sein. Und von einer Shared Vision sind wir meilenweit entfernt.

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