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Kanadischer Bischof kritisiert Teersandausbeutung

Der katholische Bischof von St. Paul in Alberta, Kanada, hat sich eine kleine ökologische Revolution genehmigt und einen vieldiskutierten offenen Brief zur Teersandausbeutung* in seiner Diozese verfasst. Darin heißt es:

I am forced to conclude that the integrity of creation in the Athabasca Oil Sands is clearly being sacrificed for economic gain. The proposed future development of the oil sands constitutes a serious moral problem. Environmentalists and members of First Nations and Metis communities who are challenging government and industry to adequately safeguard the air, water, and boreal forest eco-systems of the Athabasca oil sands region present a very strong moral argument, which I support. The present pace and scale of development in the Athabasca oil sands cannot be morally justified. Active steps to alleviate this environmental damage must be undertaken.

Begründet wird die Kritik mit theologischen Gedanken zur Schöpfung, umweltethischen Überlegungen und den tatsächlichen Auswirkungen des Teersandabbaus selber. Hier äußert er sich besonders zur Frage der CO2-Emissionen, die mit dem Abbau einhergehen:

Very large amounts of natural gas are required to heat water in order to process
bitumen. By 2011, it is estimated that the then existing oil sands plants will burn
enough natural gas to annually release 80 million tons of CO2 into the
atmosphere. This is far more than all of the CO2 released annually by all of
Canada’s passenger cars. The oil sands plants will then account for 15% of
all of Canada’s greenhouse gas emissions. At present, Alberta produces three
times more per capita greenhouse gas emissions than the Canadian average
and six times the West European average. The good news is that progress is
being made in reducing the amount of greenhouse gas emissions per barrel and
the concept of carbon sequestering (pumping CO2 into sealed underground
caverns) offers some potential hope in the reduction of emissions. The bad
news is that this reduction will not affect the total amount of emissions because
new oil sands projects and expansions keep raising the total amount of
emissions despite average per barrel reductions.

Die Teersandgegner bekommen mit der katholischen Kirche eine mächtige neue Verbündete. Das ist wichtig, da diese äußerst klimaschädliche Energiequelle laut aktuellem Weltenergiebericht der Internationalen Energieagentur für einen Großteil unseres zukünftig noch steigenden Energiebedarfs aufkommen soll. Dafür finden zur Zeit Explorationen und Investitionen überall auf der Welt statt, zum Beispiel auch auf dem afrikanischen Kontinent (Republik Kongo, Angola) mit katastrophalen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Klima.

* Meist liest man von „Ölsanden“ und nicht von „Teersanden“. Gemeint ist das Gleiche. Allerdings klingt „Ölsande“ wie eine Verniedlichung, die die Ölindustrie eingeführt hat, um dahingehend zu täuschen, dass es sich tatsächlich um Öl handle. Der Ölanteil in den Teersanden ist minimal und nur unter sehr hohem Energieaufwand zu gewinnen! Daher bevorzuge ich den Begriff Teersande (tar sands im Englischen).

Lesetipps:

A Failure of Leadership (hbs)

Unconventional Oil – Scraping the Bottom of the Barrel (WWF)

Foto: flickr.com von someones.life

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Diskussion

  1. Erstaunlich – sonst sind aus der katholischen Kirche ja momentan fast nur Misstöne zu vernehmen. Wobei ich leider bezweifle, dass der bischöfliche Beistand die geplante Teersand-Verarbeitung noch stoppen kann, dafür scheinen mir die Pläne bereits zu weit fortgeschritten zu sein. Einzig auf dem politischen Wege ließe sich das Vorhaben wohl noch verhindern, dafür wäre aber massiver öffentlicher Druck von Nöten. Ob die Kirche in der Lage ist, diesen aufzubauen, da habe ich leider erhebliche Zweifel…

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