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Frühling im Bonner Maritim?

Frisch in Bonn eingetroffen, orientiere ich mich mal wieder im bekannten Terrain des Konferenzzentrums des Maritim Hotels und versuche, die Stimmung fünf Tage nach Beginn der laufenden Klimaverhandlungsrunde aufzuschnappen. Spontan gibt es da vor allem zwei wichtige Botschaften, die in den Korridoren zu hören sind:

1. Die G20 haben ihre Hausaufgaben, was die Bekämpfung des Klimawandels und eine globale Energiewende angeht, nicht gemacht. Treffend formuliert es ECO, der tägliche Newsletter der NGOs bei den UN-Verhandlungen:

„Search for the word „climate“ in the communiqué you get to the second to last paragraph of the document. Action should be
„based on common but differentiated responsibilities“ – hmmm wonder who put that in? But the only action was to „reach agreement in Copenhagen“. „Reach agreement?“ On what? Where to eat dinner? […] The only good news is that there will be another meeting in the Autumn, after the MEF [= Major Economies Forum] and more meetings, and maybe they might
have talked to some economists by then about what „irreversible“ climate change is. ECO was going to write a full and detailed analysis of the G20’s efforts on climate change, but we ended up putting as much effort into it as they did.“

2. Im Namen der Kleinen Inselstaaten (AOSIS) und einiger lateinamerikanischer und afrikanischer Staaten forderte Mikronesien gestern deutlich höhere Ziele für die Industrieländer, als bisher von Seiten einer Delegation gefordert wurde, nämlich für alle Industrieländer kollektiv mindestens 45 % Reduktionen gegenüber 1990er Niveau bis 2020 und über 95 % bis 2050. Das ist so nicht offizielle Position der G77 und könnte damit ein weitere Schritt in Richtung Auflösung des äußerst heterogenen Verhandlungsblocks andeuten – mit den verwundbarsten und ärmsten Entwicklungsländern auf der einen und den großen Schwellenländern auf der anderen Seite.

Allerdings finde ich es sehr bedenklich, dass diese Strategie der Mobilisierung der ärmsten Länder gegen die großen Schwellenländer innerhalb der G77 inzwischen auch von einigen Leuten aus der Zivilgesellschaft aktiv vorangetrieben wird. Denn der Druck gehört mit aller Kraft in Richtung Industrieländer gelenkt, die ihre Verpflichtungen und Versprechen der letzten Jahrzehnte nicht eingelöst haben und sich nun zusätzlich vor neuen konkreten Zielen und Zahlen drücken.

Die Frühlingsgefühle wollen sich trotz des Wetters also nicht ganz einstellen. Nach dem Winterschlaf im polnischen Poznan, der die Verhandlungen nur im Schneckentempo vorangebracht hat, sind die Regierungen wohl noch nicht so aufgewacht, wie es sich angesichts der verbleibenden 247 Tage bis zum Kopenhagen Gipfel gehört…

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