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Mind the gap!

Mindestens zwei größere „gaps“ lassen sich derzeit in der internationalen Klima- und Energiepolitik erkennen, die – wenn wir sie nicht bald schließen – immer größer werden…

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Bild: Creative Commons Lizenz. flickr.com; von Márcial Cabral de Moura)

1. Klimapolitik: Ein aktuelles Papier des UNFCCC Sekretariats sagt, dass die aggregierten Ziele der Industrieländer, wie sie derzeit auf dem Tisch liegen, bei ca. 16 bis 24 % Minderung gegenüber 1990 bis 2020 liegen. (Zum Vergleich: die ärmsten Entwicklungsländer fordern mindestens 45 %.) Dabei haben einige Länder noch keine Zahlen eingebracht. Bezieht man das und weitere Vorschläge dieser Tage (z.B. Japan) mit ein, kommt man auf eine Zahl von ca. 12 oder 13 %. Und darin wiederum stecken noch Offsets, da sich einige Länder zur Frage, welchen Teil ihrer Minderungsziele sie national und welchen Teil durch Offsets in Entwicklungsländern erreichen wollen, gar nicht geäußert haben.

Sprich: Wir befinden uns derzeit auf einem Pfad, der die globale Erwärmung auf 4 °C über vorindustriellem Niveau hochtreiben wird.

2. Energiepolitik: Die Internationale Energie Agentur (IEA) sagt voraus, dass wir in 2015 mit einer Lücke zwischen Ölnachfrage und Ölangebot von 7 Millionen Barrels pro Tag rechnen müssen. Das entspricht in etwa 7,7 % des weltweiten Bedarfs. Rechnet man das auf verschiedene Länder runter, sind das z.B. fast 40 % des Bedarfs der USA und über 60 % des chinesischen. Und doch gibt es international kaum eine Debatte darüber.

Diejenigen, die das Problem ansprechen, werden als „Peak Oil“-Alarmisten verschrien und nicht ernst genommen. Alle gehen von einem Business as usual in der Energiepolitik aus – nämlich davon, dass die Weltwirtschaft weiterhin zu einem Großteil auf fossilen Ressourcen basieren wird. Doch auch mit der Kohle, dem Erdgas und der Uran sieht es nicht rosig aus.

Schaut man sich nun die beiden „gaps“ zusammen an, wird eins klar: Sowohl die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre als auch die Basis unserer fossilen Reserven sind begrenzt. Und an beiden Fronten herrscht Krieg um die Sicherung und Kontrolle der letzten Ressourcen. Nicht alle werden das bekommen, was sie wollen. Verlierer gibt es schon heute.

Vielleicht wäre es hilfreich, diese beiden Perspektiven – Emissionsminderungen und Endlichkeit der fossilen Ressourcen / Peak Oil – zusammen zu denken, auch in den internationalen Klimaverhandlungen.

Dieser Artikel wurde unter Energiewende, Klimaregime, Kohle, Öl kategorisiert und ist mit verschlagwortet.

Diskussion

  1. Beim Buko32 in Lüneburg bin ich auf das Transition Handbook gestoßen, dass diese beide Themen zusammenbringt. Was Rob Hopkins allerdings auch macht, ist, dass er die Verantwortung wieder in den lokalen Gemeinschaften zurückbringt, die auf diese Art auch wieder lokale Gemeinschaften werden (müssen).

    Ich finde es einen guten Vorschlag, beide Themen zusammen zu nennen. Ich glaube aber nicht, dass wir es die Regierungen und NGOs auf zentrale Ebene überlassen können, zu einer Lösung zu kommen.

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