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Von Schwarzen Löchern

In Russland verschwindet Energie. Viel Energie. Aber diesmal werden nicht die Ukrainer verdächtigt, die im vergangenen Winter das Gas für Westeuropa geklaut haben sollen. Nein, diesmal hat Präsident Medvedev Schwarze Löcher als Schuldige identifiziert.

Oder so ähnlich: Nach dem Besuch eines (klimafreundlich betriebenen ;)) Atom-U-Boots Anfang Juli verkündete Medvedev beim Präsidiumstreffen des Staatsrats in Archangelsk die fünf Prioritäten für die Entwicklung der russischen Wirtschaft. Eine davon: Energie sparen. Besonders die Gebäude und die kommunale Infrastruktur fressen russische Energieressourcen wie ein „Schwarzes Loch“, so Medvedev. 60% der Energie aus den Wärmenetzen und mehr sogar noch an elektrischer Energie gehen verloren, weil die Technik veraltet und Wärmedämmung kaum vorhanden ist. Um dieser Energieverschwendung zu begegnen, will Medvedev im Kleinen beginnen und lässt in der Duma bereits ein Gesetz diskutieren, das die gute, alte Glühbirne verbieten und so Energiesparlampen fördern soll. Wie in Westeuropa. Außerdem sollen Bauherren dafür gerade stehen, dass ihre Gebäude energieeffizient werden und bleiben. Auch wie in Westeuropa.

Konkrete Ansätze gibt es also erstmal da, wo es den Staat nichts kostet. „Ich möchte weniger mit den Anreizen als mit den Verboten beginnen“, so Elvira Nabiullina, Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, beim Staatsratstreffen. Da es aber ohne Anreize gar nicht geht, seien für Unternehmen, die energiesparende Technologien anschaffen wollen, eine Minderung der Mehrwert- und Einkommensteuer denkbar.

Und dennoch: es ist ein Trippelschritt in die richtige Richtung, für ein Land, in dem in den letzten Jahren Energiesparen vor allem etwas für Arme und Schwächlinge war. Allerdings fehlte auch bisher die Infrastruktur für Energiesparer_innen. So wird es für die russischen Durchschnittsbürger_innen wohl kaum klar, warum sie auf einmal teure Energiesparlampen kaufen sollen, wenn der Strom (noch) billig ist (die Kilowattstunde kostet in Moskau etwa 7 ct, in Berlin etwa 18 ct). Und solange sich ihre Hauseigentümer_innen (die sie womöglich selber sind) nicht entschließen, die Heizungen mit bislang quasi unbekannten Thermostaten auszurüsten, werden sie im Winter weiterhin die Temperatur ihrer Wohnungen ausschließlich über das Öffnen und Schließen der Fenster regulieren – müssen. Russland hat noch einen weiten Weg vor sich.

Eine interessante Initiative ist die Russisch-Deutsche Energie Agentur (RuDEA). Ihre Gründung wurde im Mai angekündigt und ist für Mitte Juli geplant. Nach Vorbild der Deutschen Energie Agentur (dena) soll sie öffentliche und private Akteure in Sachen Energieeffizienz beraten und Beispielprojekte fördern. Öffentliche Kampagnen sollen außerdem helfen, bei den Bürger_innen ein Bewusstsein für den sparsamen Umgang mit Energie zu schaffen. So könnten russische CO2-Emissionen signifikant gesenkt werden.

Natürlich stehen dahinter auch massive ökonomische Interessen: Russland wird durch einen geringeren Eigenverbrauch mehr Gas in den Westen verkaufen können und der Westen, insbesondere Deutschland, sieht seine Versorgungssicherheit erhöht. Die deutsche Wirtschaft verspricht sich darüber hinaus die Eroberung neuer Märkte in Russland für ihre Technologien. Man kann das kritisieren, weil es dabei nicht um einen Umbau der russischen Energieversorgung geht, erneuerbare Energien keine große Rolle spielen und kein Atomkraftwerk deswegen abgeschaltet werden wird. Und die Früchte der Modernisierung werden am Ende auch die Strom- und Gasmonopolisten einfahren, während die Verbraucher_innen wenig davon profitieren. Die Energieverschwendung in diesem Riesenland einzudämmen ist aber erstmal besser als weiterzumachen wie bisher.

Hoffen wir auf das Energiesparlicht am Ende des Schwarzen Lochs.

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