--> -->

Held oder Häretiker ?

James Hansen ein Held“ titelte Lili auf diesem Blog vor gut zwei Wochen, weil der Top-Klimaforscher der NASA bei einer Demo gegen ein Kohlekraftwerk festgenommen wurde; „Einen Nobelpreis für James Hansen“ schlug Hermann Ott der Bloggerwelt letztes Jahr vor, als Hansen es wagte, vor dem US-Kongress für das überaus ambitionierte Ziel von 350ppm einzutreten. Tatsächlich ist James Hansen nicht nur ein exzellenter und visionärer Wissenschaftler, sondern wohl auch einer der ganz wenigen unter ihnen, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse sowohl in ihrem eigenen Leben als auch in der Politik umgesetzt sehen wollen.

James HansenSeit jüngstem aber gerät Hansen, bei Umweltschützern stets und allseits beliebt, in die Kritik. Und wird Opfer von politischen Ränkeleien. Der Anlass ist, dass er es wagt, die aktuellen Klimaschutzpläne der US-Regierung zu kritisieren. In einem politischen Papier, mit dem er „Strategies to Address Global Warming“ entwirft, führt er seine Kritik aus:

Die Waxmann-Markey-Bill – das ist das neue Klimaschutzgesetz, das vom Repräsentantenhaus bereits verabschiedet und demnächst im Senat verhandelt wird – wäre ein Irrweg, weil es weiterhin den Einsatz von Kohle vorsehe. Der Einsatz von Kohle aber müsse, so Hansen, ab 2010 weltweit abnehmen! Das ist radikal. Aber sollte es bei Umweltschützern nicht offene Ohren einrennen? Die Realpolitiker unter ihnen sehen es anders. Sie meinen, dass Hansen mit dieser Forderung völlig unrealistisch sei. Er solle lieber für Kohlenstoffabscheidung (CCS) plädieren, anstatt für ein Kohlemoratorium.

Weiterhin trifft Hansen das neue Klimaschutzgesetz im Mark, weil er den Emissionshandel verteufelt. Viele Umweltschützer waren begeistert, als Obama ein cap-and-trade Emissionshandelssytem angekündigt hatte und freuen sich nun, dass dies auch in den Gesetzesentwurf von Waxman und Markey Eingang gefunden hat. Wie kann man dieses zarte, hoffnungsvolle Pflänzchen kritisieren! Doch Hansen findet, dass Ökosteuern klar die bessere Lösung seien. Sie schafften mehr Innovationsanreize, seien bei einer Rückführung der Steuereinnahmen an alle Bürger, die er vorschlägt (!), viel gerechter, und würden zudem die Finanzwirtschaft und die Börsenhändler fernhalten, die aus dem Emissionshandel bloß Profit schlagen wollen. Wieder die Realpolitiker: Hansen sei völlig unpopulär, wenn er Ökosteuern vorschlage. Das wäre so ziemlich das allerletzte, was Amerikaner akzeptieren würden.

Inzwischen überlegen angeblich die Republikaner, ob sie Hansen zu einer Anhörung in den Senat einladen und zum Kronzeugen ihrer Kritik an dem Gesetzesentwurf machen wollen. Eine unheilvolle Allianz – die Hansen aber sowieso ausschlagen dürfte. Allein diese Idee der Republikaner aber zeigt, wie sehr die realpolitischen Umweltschützer ihren einstigen Helden inzwischen diskrediert haben. Und das trauriger Weise nur, weil Hansen eben nicht nur was die Ziele (350ppm) sondern auch die politischen Maßnahmen betrifft, Idealist ist und bleibt. Ein Wissenschaftler eben, dem es um die Wahrheit geht.

Was mich aber schon irritiert hat: Hansen plädiert für eine 4. Generation der Atomkraft. Die würde kaum noch Müll produzieren, und zudem würde der nur noch ein paar hundert Jahre strahlen.

Hm. Ist das aber ideal?

Dieser Artikel wurde unter Klimawandel abgelegt.

Diskussion

  1. Kann sein, dass Ökosteuern die bessere Alternative zum Emisssionsrechtehandel wären, wenn sie denn in in Richtung eines internationalen Ressourcenmanagements weiter entwickelt würden, einen globalen Fond für den klimafreundlichen Umbau der Volkswirtschaften speisten würden und einiges mehr. Denkbar wären auch ein neues System von Mehrwertsteuer in das alle Verbrauchsteuern aufgehoben sind, mit mehreren Abstufungen: Sehr hohe Mehrwertsteuersätze für Schädliches das sich nicht verbieten lässt (Zigaretten z.B) und dann verschiedene Abstufungen / Boni nach unten für ökologisch weniger unerfreuliches. Ökoboni wäre psychologisch geschickter als Ökosteuern auch wenns letztlich das gleiche wäre. Für Finanzschwache dann einen verbrauchsunabhängigen Ausgleich.

    Dennoch sollte der Emmissionshandel nicht vorschnell als „Realokacke“ abgetan werden. Die Fragen, was in akzeptablen Zeiträumen den besten Effekt hat bzw. haben kann und ob, wie und wie schnell jeweils Schwachstellen beseitigt werden könnten, sollte Ergebnis offen erörtert werden.

    Gruß hh

Kommentieren