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Windel-Willi

Baby Shower CupcakesWährend ich auf die Geburt meiner zweiten Tochter warte, frage ich mich plötzlich, wieviel klimaschädliches Methangas eigentlich in Babywindeln steckt. Mit ein wenig Abstand zur internationalen Klimapolitik werden auf einmal Fragen des alltäglichen Lebensstils viel greifbarer. Ich beschließe, eine kurze Internetrecherche zum Thema „Babys und Klimawandel“ durchzuführen und stoße hauptsächlich auf zwei Themen:

1. „Wegen Klimawandel sterben Robben-Babys in der Ostsee“ (siehe z.B. bild.de) bzw. „Baby-Pinguine erfrieren wegen Klimawandel in der Antarktis“ (ebenfalls bild.de) – Ja, sie erfrieren tatsächlich, weil es nicht mehr schneit, sondern regnet, ihr Gefieder aber nur vor Schnee schützt: „Pinguine, die über die Skelette ihrer Babys laufen, sind wohl der mächtigste Beweis für den Klimawandel.“

2. „Windel-Willi“ – die erste Verbrennungsanlage, in der aus gebrauchten Windeln Energie gewonnen wird. Durch die Beigabe von Holzschnitzeln wird dafür gesorgt, dass die feuchten Windeln das Feuer nicht ersticken. Die Anlage in Meckenbeuren bei Friedrichshafen braucht zur Auslastung mindestens 10 Millionen Windeln jährlich, schafft aber bis zu 26 Millionen, wenn sie geliefert werden. Neben Babywindeln werden hier auch Einmalhandschuhe, Tupfer, Moltonunterlagen aus dem Krankenhaus und Inkontinenzhosen verbrannt (welt.de).

Mehr zum Thema finde ich erstmal nicht. Keine Antwort auf die Frage des Methangehalts; kaum Hinweise auf die Zunahme der Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern, wenn das Wasser knapper wird und sich Krankheitskeime ausbreiten (dafür jede Menge über Robben und Pinguine); keine Diskussion über Bevölkerungswachstum und Klimawandel.

Na ja, wenn ich ehrlich bin, dann kann ich mir das meiste auch schon selber denken. Noch eine kleine Erdenbürgerin mehr wird eben die gleichen Pflichten und Rechte haben wie wir alle. Allerdings wird sie – anders als viele von uns – die dramatischen Folgen einer Welt, in der die Klimakrise mit voller Wucht zuschlägt, direkt beobachten und sich dazu verhalten müssen. In Kopenhagen mitreden kann sie allerdings nicht, wie so viele.

Bis zu 20 Windel-Willis würde Deutschland vertragen, ohne dass der Brennstoff ausgeht, schätzen die Betreiber der Anlage. Die Zahl erscheint mir auf den ersten Blick fast zu niedrig. Wenn ich mal hochrechne, wieviele Windeln wir allein in den kommenden 2 Jahren… 5 bis 6 am Tag an ca. 700 bis 800 Tagen, macht…

Foto: "Baby Shower Cupcakes" von safetypinheart. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz. Quelle: www.flickr.com.

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Diskussion

  1. Windelwilly ist klasse! (Habs im Utopiaforum „Energie“ vorgestellt)

    Woher evt. verwendetes Papier oder Zellstoff kommt dürfte interessant sein.

    Viel Erfolg jedenfalls beim Weiterforschen.

    Gruß hh

  2. Na, ja, halt eine Verbrennungsanlage für verschmutzte Cellulose. Also so eine Art Müllverbrennungsanlage. Es gab schon intelligentere Ideen. Wir wollten schon die Kacke in einer Biogasanlage verwerten, die eben die wertvollen Cellulosefasern nicht antastet. Aber das ist irgendwo bei den Windelherstellern und Krankenhauslogistikern versackt. Biogas war damals noch nicht so hipp. Außerdem ist in den Windeln noch ein Gel, das auch einen gewissen Wert darstellt. Vom Gesichtspunkt der Ressourceneffizienz eine schlichte Katastrophe.

    Roland

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