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Badewanne oder Ei?

Als ich heute morgen mein Frühstücksei köpfte, dachte ich mir noch nichts Schlimmes. Eine halbe Stunde später beim Zeitungslesen packte mich dann mein ökologisches Gewissen: Hatte ich da gerade eine ganze Badwanne voll Wasser genüßlich verspeist – gewissermaßen?

Die Bilanz-Rechnung des WWF hört jedoch nicht beim Frühstücksei auf:

Burger in Wasser

Quelle: welt.de (Creative Commons Property)

1 Tasse Kaffee – für ganze 140 Liter Wasser!
1 Hamburger – nur für 2400 Liter Wasser!
1 Neuwagen – ein Schnäppchen für 450.000 Liter Wasser!

Wie die Umweltorganisation WWF in ihrer jüngsten Studie anlässlich der Weltwasserwoche vom 17.-23. August in Stockholm deutlich macht, sind wir Deutschen weit davon entfernt, uns wegen Wassersparens und effizienter Wassernutzung als Umweltgutmenschen auf die Schultern klopfen zu können.

Neben dem „carbon footprint“ setzen wir durch den alltäglichen Konsum bewusst wie auch unbewusst einen globalen „Wasser-Fußabdruck“. Und der geht nicht auf den normalen Wasserverbrauch wie Duschen, Händewaschen etc zurück. Hinter dem Begriff des virutellen Wassers verbirgt sich eine viel dramatischere Realität, die darauf zurückgeht, dass in jedem Produkt, das konsumiert wird, eine bestimmte Menge an Wasser steckt, die für die Herstellung, den Transport und den Verkauf verwendet wird. Und das erschließt sich nun einmal nicht auf den ersten Blick: Wer ahnt denn schon, dass eine Tüte Chips im Kino so nebenbei verknabbert mal eben 185 Liter Wasser intus hat?

Über den Punkt, an dem Mensch sich fragt, ob sie/ihn das berührt, sind wir – so hoffe ich – schon hinaus. Dürrekatastrophen, Hitzwellen – das hat sich alles zumindest so eingeprägt, dass wenigstens versucht wird, den alltäglichen Wasserverbrauch einzuschränken. Wie jedoch dem Dilemma des virutellen Wassers gerecht werden? Gar kein Kaffee? Kaffee angebaut in Brandenburg :-)? Keine wirklichen Optionen….

Wo jedoch dringend etwas geschehen muss, ist bei der politischen Steuerung der Wasserpolitik! Es muss doch nicht sein, dass Deutschland jährlich Importe in der Wasserwährung von 80Milliarden Kubikmetern noch dazu aus den bekannten Dürregebieten der Welt einfährt! Da gibt es doch auch andere Optionen wie eine globale Regulierung für Wassernachhaltiges Wirtschaften, oder eine Kennzeichnungspflicht für „water neutral“ Produkte, oder…..

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Diskussion

  1. Die Diskussion mit dem virtuellen Wasser ist aber mit Vorsicht zu genießen. Um bei der Tüte Chips zu bleiben: die 185 Liter sitzen offensichtlich nicht in der Tüte. Sie wird also verwendet und wieder ‚losgelassen‘. Das kann nachhaltig passieren oder nicht. Einige (oder viele?) Wasserbetriebe in Deutschland haben aber eher das problem, dass die Netze zu großzügig ausgelegt sind und wir ‚zu wenig‘ Wasser benutzen.

    Ich finde die These, dass Deutschland jährlich 80 Milliarden Kubikmeter Wasser einfährt, eher gewagt. In unser Konsum verursachen wir den Wassserverbrauch von soviel Kubiekmeter Water.

    Es gibt einen wirklichen Strom. Die Tomaten, orangen und anderes Grünzeugs aus Spanien enthält Wasser, das ist ein reeller Wasserstrom, die auch seit einige Jahren erforscht wird. (Die UCA (Barcelona) hat da z.B. einiges gemacht.)

    Aus der TAZ von letzten Dienstag: ‚Wasserverbrauch sei nicht grundsätzlich schlecht, sondern natürlich, sagt Martin Geiger, Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland: „Es kommt immer darauf an, wann, wo und wie viel Wasser aus der Natur entnommen wird.“ Deutschland habe die Verantwortung, bei Importgütern auf deren Wasserverbrauch im Herkunftsland zu achten.

  2. Virtuelles Wasser ist ein spannendes Thema. Mehr Beispiele gibt es bei http://www.virtuelles-wasser.de und zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen hierzu bei http://www.waterfootprint.org.

    Viele Grüße

    Alexander

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