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Wird Kopenhagen überhaupt besser als Kyoto?

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Seit Montag treffen sich erneut 2.400 Verhandler_innen in Bonn, um die Klimaverhandlungen voran zu bringen. Unter anderem wird natürlich wieder auch über Emissionsziele für die Industrieländer verhandelt. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Die Allianz der kleinen Inselstaaten, die für besonders steile Minderungsziele eintreten weil etliche der pazifischen Inseln sogar schon bei einer Erwärmung von 2 Grad untergehen werden, hat dazu eine interessante Tabelle vorgelegt. Sie fasst zusammen, was bisher von den Industrieländern an Angeboten für Emissionsziele vorgelegt wurde. Wer die Tabelle liest, fragt sich schockiert, was hier eigentlich passiert. Werden wir mit Kopenhagen überhaupt ein Stück weiter kommen als mit dem Kyoto-Protokoll von vor zehn Jahren?

In der Summe aller ihrer Emissionsangebote würden die Emissionsziele der Industrieländer derzeit eine Minderung von 10-16% gegenüber dem Niveau der Emissionen von 1990 erreichen. Kurz zur Erinnerung: das Kyoto Protokoll hatte zum Ziel, die Emissionen der Industrieländer bis zum Jahr 2010 um insgesamt 5% gegenüber dem Wert von 1990 zu senken. Was derzeit auf dem Tisch liegt, ist also schon für sich genommen reichlich schwach.

Zudem aber gibt es noch zwei Fallstricke. Etliche der Angebote sind an die Bedingungen geknüpft, dass auch die Entwicklungsländer Emissionsreduktionen anbieten. Das werden sie aber nicht tun, wenn die Ziele der Industrieländer derartig lasch bleiben. Ein Teufelskreis. Zweitens wurden die Regeln für die Anrechnung von Senkenkapazitäten und Emissionen aus Wäldern und der Landwirtschaft noch nicht festgelegt. Hier schlummern jede Menge Schlupflöcher. Schon beim Kyoto-Protokoll haben die nachträglichen Verhandlungen hierüber zu einer Verwässerung des 5%-Ziels auf 2,8% geführt. Wenn von den 10-16% auch wieder knapp die Hälfte wegfallen – voilà – dann sind wir kein Stück weiter als Kyoto!

Tabelle Emissionsziele

Ein näherer Blick darauf, welche Länder was anbieten, ist interessant. Die EU bieten bekanntlich eine Reduktion von 20 bis 30% an und liegen damit neben Norwegen und der Schweiz am positiven Rand des Spektrums. Die USA liegen mit ihrem Angebot von 1 bis 5% am gegenüberliegenden Rand. Russland sieht mit seinem Angebot von 10 bis 15% zunächst ganz gut aus. Der Witz ist aber, dass Russlands Emissionen derzeit 34% unter dem Wert von 1990 liegen. Russland möchte also trotz seines immer noch enorm ineffizienten Umgangs mit Energie und jeder Menge billigen Potentialen für Einsparma?nahmen um satte 20% wachsen. Ähnlich frech treten die Ukraine und Wei?russland auf. Zurecht fragte der Vertreter Chinas daraufhin gestern in den Verhandlungen, welchen Beitrag diese Länder denn dann noch von den Entwicklungsländern erwarten. Ganz zu schweigen von Japan, Australien und Neuseeland, die in den Verhandlungen beständig dafür eintreten, möglichst viel ihrer Verpflichtungen über den Emissionshandel ins Ausland abzuschieben.

Etliche Verhandler_innen scheinen an einem fairen und ehrgeizigen Abkommen anscheinend kaum interessiert zu sein. Es ist so eine Mischung aus Wut und Verzweifelung darüber, die einen in den Hallen des Maritims befällt. Sollte man den Boden mit tausenden von IPCC-Berichten übersähen, die eine Reduktion von 25-40% nahelegen? Oder Kopien vom jüngsten Sachstandsbericht der Wissenschaft aus Kopenhagen, der mindestens 40% für die Industrieländer nahelegt? Oder lieber gleich das ganze Gebäude mit Wasser fluten, um ein Vorgefühl der Situation in Tuvalu, Bangladesh oder Venedig zu geben, wenn es hier so schleppend weitergeht?

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