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Sorgen oder Panik?

„Ist es an der Zeit, sich um Kopenhagen Sorgen zu machen?“, fragt doch tatsächlich James Murray von BusinessGreen.com im Guardian vom 12.8.09. Ehrlich gesagt: Da bleibt mir doch fast die Spucke weg. Wer die Klimaverhandlungen seit dem Bali-Gipfel 2007 verfolgt hat, macht sich schon lange keine Sorgen mehr. Ich finde, das Gefühl ist eher mit schleichender Panik zu beschreiben.

Neuste Schockmeldung ist das Scheitern der Klimagesetzgebung im australischen Parlament. Die taz verbucht das als „Sieg der Klimaskeptiker„. Abgelehnt wurde die Vorlage sowohl von den Grünen (zu geringe Reduktionsziele) als auch den Konservativen, die engstens mit der Kohlelobby liiert sind. Zwar ist Australien längst als ‚bad guy‘ der internationalen Klimapolitik bekannt und hat diesem Ruf auch spätestens mit Verkündung seiner Klimaziele im Dezember 2008 alle Ehre gemacht (siehe z.B. hier und hier). Dennoch ist es mehr als frustrierend, wenige Monate vor Kopenhagen ein weiteres Beispiel zu sehen, wie es einem wohlhabenden Industrieland nicht gelingt, eine einigermaßen ehrgeizige Klimagesetzgebung zu beschließen.

Wahrscheinlich hat nämlich James Murray in seinem Artikel doch recht, wenn er den aktuellen Stand der internationalen Klimadiplomatie beschreibt: Weder die USA noch die Schwellenländer (allen voran China und Indien) werden in Kopenhagen ehrgeizigere Reduktionsziele anzubieten haben als jetzt auf dem Tisch liegen (wobei wir uns in etwa auf Kyoto-Niveau bewegen, siehe hier): „no chance“.

Sollte unsere Hoffnung dann tatsächlich nur noch auf Lösungen basieren, die sich mit Transfer von und Kooperationen im Bereich sauberer Technologien bewegen? Hierzu James Murray:

„It is likely to be a bit of a mess and it is unlikely to deliver what the scientists demand, but the final Copenhagen deal might just inadvertently deliver what is required. A legislative, financing and carbon pricing framework that makes it both possible and attractive for businesses to develop clean technologies that are better and more cost effective than the carbon intensive rivals they hope to replace. Deliver that and market forces will ensure the decarbonisation of the global economy looks after itself – with or without targets.“

Doch dann frage ich mich, wo die andere Hälfte der Gerechtigkeit bleibt: Wer wird sich der Kosten und Mühen der Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel annehmen? Wer wird diejenigen kompensieren, die sich nicht mehr anpassen können? Alles dem Markt überlassen? Nun mal ehrlich: Wer glaubt noch dran?

Ein bisschen froh bin ich schon, diese Woche nicht in den düsteren Gängen des Bonner Maritims zwischen all den frustrierten und übermüdeten Klimadiplomatinnen und -diplomaten verbringen zu müssen. Doch zugleich wirkt das Ganze plötzlich viel mehr wie ein inszeniertes Theaterstück oder ein Film – zu unwirklich und zu dramatisch, um wahr zu sein. Leider ohne Happy-End-Garantie.

Ja, ich mache mir Sorgen um Kopenhagen. Ja, mich befällt täglich auf’s Neue schleichende Panik. Aber aufgeben? Nein, das geht nicht. Nicht, solange es keine Alternative gibt.

Dieser Artikel wurde unter Anpassung, Emissionshandel, Energiewende, Klimaregime, Kohle abgelegt.

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