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Ein neuer Fluch der Ressourcen?

Vor ein paar Tagen lud Rainer Brüderle Verbände, Unternehmen und Gewerkschaften zum Zweiten Rohstoffdialog der Bundesregierung. Denn nicht nur die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft sorgen sich. Weltweit geht die Angst um, dass die Rohstoffe knapp werden. Gemeint ist hier nicht das Öl – da wissen zwar inzwischen alle, dass es zur Neige geht, reden aber trotzdem nicht darüber. Nein, in diesem Fall geht es um strategische und meist seltene Metalle, die für die Technologien der Zukunft wichtig sind.

Konkret heitß das: Die deutsche Wirtschaft benötigt zur Herstellung von Batterien für Elektroautos Lithium und Kobalt, zur Meerwasserentsalzung Titan, Chrom und Palladium, Ruthenium und Selen für die Photovoltaik (Quelle: Fraunhofer Institut).

Nie gehört? Das wird in Zukunft anders werden. Der Umbau unseres fossilen Wirtschaftssystems wird aller Voraussicht nach nicht nur den alten Kampf um klassische strategische Energieressourcen (Öl, Gas, Kohle, Uran) befeuern, da sich die Energiewirtschaft mit aller Macht gegen einen solchen Umbau wehrt und diese gleichzeitig knapp werden (schon gewusst, dass China inzwischen Netto-Kohleimporteur geworden ist und dass europäische Ölkonzerne quer durch den afrikanischen Kontinent nach Teersanden bohren?), sondern eben auch den Drang nach neuen Rohstoffen fördern, der auch neue Konkurrenz mit sich bringt. Auch die Enthüllung von großen Rohstoffvorkommen in Afghanistan ist in diesem Zusammenhang zu sehen.

Die Bundesregierung will sich im Dialog mit der deutschen Wirtschaft durch die Erarbeitung einer Rohstoffstrategie und die Einrichtung einer Rohstoffagentur in Stellung bringen. Die Elemente dieser Strategie stehen bereits seit März 2007. Auch auf EU Ebene wird eifrig an einer Strategie gebastelt, um der zu erwartenden Rohstoffknappheit vorzubeugen.

Ganz wichtig zu verstehen ist: Viele dieser Rohstoffe, die wir für die neuen Technologien benötigen, liegen in politisch instabilen Staaten oder Staaten mit korrupten Regierungen (schön aufgeführt z.B. in einem Tagesspiegel-Artikel). Wenn wir also einen neuen „Fluch der Ressourcen“ vermeiden und trotzdem massiv auf technologische Neuerungen im Klimaschutz setzen wollen, bedarf es politischer Regulierung und Standardsetzung für die Ausbeutung und den Handel mit Rohstoffen weltweit. Gleichzeitig muss natürlich intensiv an den Themen Ressourceneffizienz und Recycling gearbeitet werden.

Leider scheint das die Bundesregierung noch nicht genug erkannt zu haben. Denn diese Aspekte kommen im Rohstoffdialog und in den Elementen der Rohstoffstrategie noch deutlich zu kurz. Hier gilt es, zivilgesellschaftliches Know How und Bewegungsdruck aus der klima- und ressourcenpolitischen Szene zu bündeln. Kein Klima der Gerechtigkeit ohne Ressourcengerechtigkeit, könnte man es kurz zusammenfassen.

Foto: „Elbaite (Tourmaline) and Lithium rich Lepidolite“ von Orbital Joe. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

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