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Das Klima, der Hunger und das Spiel

So bitter sind die Folgen der globalen Erwärmung: Die Weltbank schlägt Alarm und warnt vor einer neuen Hungerkrise mit Ausmaßen wie 2008, als die Zahl der Hungernden weltweit auf fast 1 Milliarde anstieg. Denn die beiden Grundnahrungsmittel Reis und Weizen werden knapp.

Die Reisernte ist aufgrund steigender Temperaturen in den letzten 25 Jahren bereits um 10 bis 20 % gesunken. Das stellte ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie fest. Eine gute Übersicht über den Einfluss des Klimawandels auf die Reisproduktion und den Einfluss des Reisanbaus auf das Klima gibt es beim Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI hier.

Beim Weizen spielen die Brände in Russland und das dort verhängte Exportverbot die größte Rolle. Aber auch die anhaltende Dürre in Russland sowie anderen wichtigen Anbauländern (Ukraine, Kasachstan und Australien) trägt zu Ernteverlusten bei. Hinzu kommen die Überschwemmungen in Pakistan, Indien und China – das sind ebenfalls wichtige Reis- und Weizenanbauländer. Kanada wiederum kämpft mit selten hohen Niedersachlägen.

So ergibt sich ein globales Bild für ein globales Problem. Vor dem Klimawandel kann keiner davonlaufen und die direkten Folgen werden zunehmend spürbar.

Doch das ist noch nicht schlimm genug. Spekulanten nutzen die schwankenden Preise auf den Rohstoffmärkten und verstärken so die Unsicherheit. Neben Reis und Weizen gilt das auch für Kakao, Kaffee und andere Lebensmittel. 2008 hatten viele vor allem die Biokraftstoffe und den Anstieg des Fleischkonsums in Schwellen- und Entwicklungsländern für die Preisanstiege verantwortlich gemacht. In einer neuen Untersuchung räumt die Weltbank laut taz nun ein, dass die Aktivitäten von Aktienfonds eine Schlüsselrolle spielten.

Kein Wunder, dass sich da einige Regierungen ganz besondere ‚Anpassungsmaßnahmen‘ an den Klimawandel ausdenken: Sie kaufen oder pachten riesige landwirtschaftliche Flächen in Entwicklungsländern und lassen sich dort ihre Biokraftstoffe und Lebensmittel anbauen. „Land Grabbing“ ist der Fachbegriff dafür (siehe z.B. GRAIN Blog, Welthungerhilfe und Spiegel Online international). Andere sprechen vom neuen Kolonialismus. Für die Unternehmen und Käufer ist es nur eine Investition.

Foto: rice von tamaki mit Creative Commons Lizenz.

Dieser Artikel wurde unter Anpassung, Klimawandel abgelegt.

Diskussion

  1. Auch hier in Berlin, wo die Stiftung ihren Sitz hat, ist land-grabbing ein Thema. Vattenfall will sein Kohlekraftwerk vergrünern bzw. dessen Lebenszeit verlängern. Hierzu soll Holz aus Liberia verfeuert werden. Während Jubechöre von Industrie bis in Teile der Grünen Fraktion erklingen – die Abkehr von der Kohle ist scheinbar eingeläutet – mehren sich nun auch kritischere Stimmen. Die Hauptstadt könnte offiziell land-grabbing via den schwedischen Stromversorgen und dessen Unterfirma Buchanan Renewables tätigen. Nun wird die Debatte verfeinert und auf Sozialstandards und gerechtere Verträge umgeleitet. Die „Systemfrage“, dürfen wir für unseren Lebensstil einfach in Afrika bei Menschen in Not (= u.a. wenig Geld) zu geringen Preisen (Zitat „für die ist das doch ein guter Preis!“) Rohstoffe einkaufen? Hoffentlich schafft es die Debatte in den Wahlkampf, denn Öffentlichkeit tut dem Thema gut.

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