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Grundlegende Reform oder nur kleine Verbesserung beim IPCC?

Das IPCC ist zuletzt vermehrt in die Kritik geraten und so wurde der „InterAcademy Council“ von der UN und dem IPCC selbst beauftragt, Reformvorschläge für eine bessere Arbeit des Klimarates zu erarbeiten. Der IAC ist sozusagen Kopf des InterAcademy Panel on International Issues (IAP), eines Zusammenschlusses von über 100 nationalen Wissenschaftsakademien. Montag (30.8.) war es dann so weit. Den Report gibt es hier.

Einige Klimawandelleugner_innen feiern das schon als Ohrfeige für das IPCC. Das ist natürlich falsch, auch wenn empfohlen wird, die Kompetenzen innerhalb des IPCC klar (und demokratisch) zu verteilen, Außenansichten einzubeziehen und bei Statements mehr deren Ursprung deutlich machen. Die Betonung auf Tranzparenz ist wohl eher der ursprünglichen Kritik am IPCC als ihm selbst geschuldet. Fraglich ist für mich, wie die Einbeziehung von Kontroversen aussehen soll. Ich möchte keinen „balancierten“ Bericht im Sinne US-amerikanischer Medien. Diese stellen nämlich oft kleine Kritikpunkt im Sinne der „Ausgewogenheit der Berichterstattung“ als ebenbürtig dar (z.B. die Argumente einiger weniger Klimaskeptiker_innen, siehe hier).

(Als erste bloggten in Deutschland darüber wieder mal die fixen Klimaretter.)

Die Vorschläge sind:

  • Das IPCC soll sich ein Exekutivkommittee geben, weil die IPCC-Hauptversammlung (einmal jährlich) nicht alles entscheiden kann. Hier sollten Leute vom IPCC, vom UNFCCC aber auch ausserhalb der „Klimacommunity“ vertreten sein.
  • Ein Exekutivdirektor sollte gewählt werden und das Sekretariat des IPCC leiten um das Tagesgeschäft zu managen. Diese Person wäre immer für die Zeit eines Klimareports angestellt.
  • Das IPCC sollte sog. „Review Editors“, also Bearbeiter_innen von Zweitgutachten, mehr Bedeutung zukommen lassen und deren Kommentare auch wirklich verarbeiten. Zudem soll sichergestellt werden, dass  „genuine controversies are adequately reflected in the report“ – also die Kontroversen müssen sich auch im finalen Klimareport wiederfinden.
  • Der Klimarat brauche bessere Prozesse um auf Kritik und Feedback zu reagieren. Die Autoren sollten gezwungen werden, schriftlich auf die (von den Review Editors identifizierten) Hauptkritikpunkte einzugehen und Kommentare zumindest verkürzt beantworten.
  • Alle Arbeitsgruppen des IPCC sollen die schon eingeführte qualitative „level-of-understanding“ Skala nutzen. Diese kann von der quantitativen Wahrscheinlichkeitsskala (z.B. 95% Wahrscheinlichkeit, dass der Klimawandel anthropogen ist) auch komplettiert werden.
  • Diese quantitative Skala darf aber nur benutzt werden, wenn es genug Beweise für die Zahl gibt. Es sollte auch angegeben werden, wie diese Zahlen zustande kommen (z.B. basierend auf gemessenen Daten, Expertenmeinungen, Modellen o.a.)
  • Der IPCC braucht eine komplette Kommunikationsstrategie welche v.a. Transparenz und schnelle Reaktionen betont. Zudem benötigt es Richtlinien wer für das IPCC sprechen darf und es repräsentiert.
  • Die Teilnehmer_innenauswahl des IPCC sollte Kriterien folgen. Hauptautoren müssen nachweisen, dass sie „the full range of thoughtful views“ – also alle umsichtigen Ansichten beachtet haben.

Der Report fordert „Kreativität in der Flexibilität von Charakter und Struktur des IPCC“ und betont auch, dass die Personen auch die Inhalte bzw. deren Akzeptanz bestimmen.

However, no matter how well constructed IPCC’s assessment practices may be, the quality of the result depends on the quality of the leaders at all levels who guide the assessment process.

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Diskussion

  1. HI Georg,
    ist die Frage, ob mit „ausgewogener Berichterstattung“ tatsächlich die klimaskeptische, als den-Klimawandel-leugnende Meinung gemeint ist. Oder ob es nicht eher darum geht, möglichst immer und noch deutlicher als bisher Szenarien anzugeben. Also sich beim Abtauen der Himalaya-Gletscher nicht auf ein Jahr festzulegen, sondern anzugeben, zu welchen unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Studien kommen. Das jedenfalls hielte ich auch für gerechtfertigt.

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