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Jugend ohne Utopie?

Die neue Shell-Jugendstudie ist raus. Darin steht, dass die Jugendlichen immer pragmatischer werden. Sie hängen keinen großen Visionen oder Ideologien mehr an, sondern kalkulieren kühl, wie sie es im Leben schaffen können. Der wichtigste Faktor ist nach wie vor die Klasse: wer unten ist, sieht eher schwarz, wer oben ist – also gebildete und gut verdienende Eltern hat – sieht eher optimistisch in die Zukunft. Engagieren tun sich ohenhin mehrheitlich die oberen Elitenkinder. Eigentlich will die neue Generation gar nicht die Welt (oder das Klima) retten, sondern privat das Glück finden: guter Job, Frau/Mann, Hund und Kind, evtl. ein Haus.

Sonntazlerin Anja Maier schlussfolgert daher:

Junggrüner mit Fahne bei der Klimademo in Toronto„Gut, dass sich die Jugendlichen ihre Träume nicht nehmen lassen wollen. Aber angesichts konstant hoher Scheidungsraten und fragwürdiger Zukunftsaussichten wirkt es wie pure Unvernunft, alle Hoffnungen auf das rein private Glück zu setzen.“

Doch ist es nicht genau anders herum? Die Welt öffnet sich mit dem Internet mehr und mehr. Die Ideologien versagen nacheinander. Wo, wenn nicht im Privaten, besteht Chance auf Erreichen der eigenen Utopien? Ist das nicht sogar vernünftig in einer Zeit des real-existierenden Neoliberalismus (der selbst nach der system-immanenten Wirtschaftskrise munter weitermachen kann), in einer Welt der globalen Erwärmung (welche vor allem erst einmal die trifft, die sie nicht verursacht haben), in einer Gesellschaft der Trennung (in der Trennung und Scheidung wahrscheinlicher sind als ewige Liebe), einer prekären Arbeitswelt mit 2-Jahres Verträgen (und auch dass nur selten, meist ist es dann doch das Praktikum)?

Außen geht es nur noch um meinen Kragen und materiellen Erfolg, aber innen, da kann ich noch Träume verwirklichen! Eine verständliche und weit verbreitete Einstellung. Aber den Klimawandel bekämpfen wir so allein nicht. Die vorhandene Energie („76 Prozent halten den Klimawandel für ein großes oder sogar sehr großes Problem. (…) jeder zweite spart im Alltag bewusst Energie, 44 Prozent versuchen, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren und das Auto stehen zu lassen.“) sollte genutzt werden. Das Glück kann ja im Privaten liegen, wenn dafür der Einsatz für Klimagerechtigkeit auch als moralische Aufgabe gesehen wird – und nicht nur als Selbstverwirklichung.

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