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Pat Mooney sagt „BANG“ zu Geo-Engineering und Nanotechnologie

Kürzlich hat Pat Mooney, Träger des Alternativen Nobelpreises 1985 und Chef der ETC Group in Ottawa (hier ihr letzter Bericht), sein neues Buch beim Oekom Verlag in Berlin vorgestellt. Hierbei geht es um den „Kleinen Bang“. Anders als der „Big Bang Theorie“ vom Urknall dreht sich diese Theorie um „Bits, Atome, Neutronen und Gene – BANG“ und darum, wie Physik, Chemie und Biologie auf der winzigen Nanoebene verschmelzen und sich ein neuer technologischer Fortschritt ausbreitet. Mooney ist als Experte für Gen- und Nanotechnologie bestens vertraut mit den Parallelen und Unterschieden dieser beiden Risikotechnologien. Doch als Linker Vordenker geht er noch einen Schritt weiter und sieht die aufziehende Gefahr einer (weiteren) Verschmelzung von Konzern- und Regierungsinteressen bzw. –machenschaften. Sein Buch beschreibt mehrere Geschichten (u.a. das pessimistische „China Sundown“) und weist dann alternative Szenarien auf und zeigt den Weg zu diesen. Daraus werden Handlungsanweisungen für die Zivilgesellschaft abgeleitet. Alle voran die „3 R’s“: Rights, Resistance, Resiliance. Denn wir haben das Recht „nein“ zu sagen zu Herrschaften, Prozessen und Technologien. Wir als Zivilgesellschaft müssen uns das nur mal trauen. In besser vernetzen Gemeinschaften können wir unsere limitierten finanziellen und anderen Ressourcen effektiver für den Widerstand einsetzen aber gleichzeitig müssen Menschen „on the edge“ – also besonders verletzliche Gruppen – in ihrer Abwehrfähigkeit (gegenüber Umwelteinflüssen und Konzerninteressen) gestärkt werden.

Hier ein amüsanter Film über die Gefahr (?) der Nanotechnologie:

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Mooney geht aber nicht nur auf Nanotechnologie ein, als vielmehr auf eine damit verbundene Thematik ein, die auch wir schon öfter (z.B. hier) aufgegriffen haben: Geo-Engineering. Das bedeutet:

„Großflächige Eingriffe in die Erdatmospäre, in die Ozeane oder in den Boden, etwa indem man Schwefelpartikel in die Stratosphäre bläst, um die Sonnenstrahlen zurückzuwerfen. Oder man streut Eisenpartikel auf die Meeresoberfläche, um Kohlendioxid absorbierende Algen zu vermehren und die Meerestemperatur zu senken.“

(Quelle: Interview bei den Klimarettern)

Diese großflächigen „Lösungen“ stärken die bestehenden Konzerstrukturen und erhöhen die Abhängigkeit von Politik und Gesellschaft von der (privatisierten) Technologie. Nachteile werden ausgeblendet oder einfach erst dann sichtbar, wenn es zu spät ist. Gerade beraten in Japan die Staaten der Welt über ein eventuelles  Moratorium. Schon die Experimente mit z.B. Meeresdüngung müssten/sind so großflächig, dass sie eine Gefahr für den Süden darstellen. In Mooney’s Buch können somit u.a. Wirbelstürmer verschoben werden (weg von den Küsten der USA, hin nach Lateinamerika). Wirtschaftlich macht das sogar Sinn (für die USA)! Künstliche Vulkanausbrüche sind der Höhepunkt in seinem Szenario voller politischer Unfähigkeit und westlichem Wirtschaftskalkül. Während sich China und Indien mit den USA bzw. der EU verbünden, hat v.a. Afrika das nachsehen. Ein weiterer Nachteil wäre, dass die Menschen in ihrer Technikgläubigkeit (noch mehr als jetzt) die Umstellung des eigenen Lebensstils und Wirtschaftens nicht angehen.

Nun könnte dieses Buch als einfache Panikmache abgetan werden. Doch Mooney hat schon vor 30 Jahren vor der Gentechnik gewarnt, als noch keiner sich vorstellen konnte, dass so ein Mist mal auf den Äckern um die Ecke angepflanzt werden würde. Zudem ist die Skepsis gegenüber dem „Gott-spielen“ leider auch nicht sehr weit gekommen. Mittleiweile haben unsere Freund_innen vom SPIEGEL auch einen Infokasten hierzu (links, mittig).

„Wenn der Klimawandel dramatische Ausnahmen anzunehmen droht, bleibt als letzte Option wohl nur Geo-Engineering (…). Doch so gut das auch klingt, Geo-Engineering ist umstritten. (…)Möglicherweise lässt sich mit den Eingriffen aber Zeit gewinnen.“

(Letzte mal angesehen: 4.Oktober 2010)

Na immerhin wird erwähnt, dass dieser Humburg diese Technologie „umstritten“ ist. Doch ähnlich wie bei der Debatte um Klimapolitik geht es hier nicht nur um die journalistische Norm, alle Seiten mal zu Wort kommen zu lassen, sondern auch um mediale Verantwortung. Ein wenig mehr Skepsis wäre also wünschenswert. V.a. im Angesicht der Tatsache, dass andere Akteure schon untersuchen, wie sich die Öffentlichkeit zu dem Thema verhält, mit dem Ziel, die Akzeptanz zu steigern.

„The aim was to  (…) Ensure future plans for geoengineering research and deployment take place in the context of the continuing need for mitigation, considering the moral hazard and opportunity costs faced in research decisions.“

(Geoengineering Report)

Relativ schnell wurde klar, dass die “Natürlichkeit” der Aktivitäten für die Menschen wichtig sind (also lieber einen künstlichen Vulkanausbruch auf Island als große Sonnensegel im Weltall?). Und es wurde empfohlen, der Öffentlichkeit das Gefühl von Einsicht und Entscheidungsgewalt vermittelt werden soll. Dabei variiert die Einstellung von Technik zu Technik, hier eine kleine Übersicht über diese.

CO2 aus der Atmosphäre holen Sonneneinstrahlung verringern
  • Herstellung von Biokohle welche dann unterirdisch weggeschlossen wird (wie bei CCS (LINK), nur ohne Gas)
  • Meeresdüngung mit Kalziumoxid (CA(OH)2) damit die Meere mehr CO2 absorbieren.
  • Meeresdüngung mit Eisen um das Algenwachstum anzuregen. Diese nehemn CO2 auf und nehmen diese beim Tod mit an den Meeresgrund.
  • Künstliche Bäume, welche die Photosynthese nachahmen.
  • Mehr Bäume pflanzen.
  • Sulfat Partikel in die Atmosphäre welche wie Vulkanasche nachahmt und einen Teil der Sonnenstrahlen weg reflektiert (dadurch kühlt die Erde vielleicht stärker ab)
  • Mit vielen Spiegeln im Weltall die Sonnenstrahlen reflektieren.
  • Mit weißen Dächern die Wärmeabsorptionsfähigkeit der Erdoberfläche verringern.
  • Versprühen von Meereswasser um künstlich Wolken zu erzeugen.
  • Die Sonne chemisch verändern? (*Ironie des Autors*)

Klima der Gerechtigkeit empfiehlt die „old-school“ Variante: Weniger Emissionen erzeugen nach dem Motto „Kohle nur noch zum Grillen“.

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