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Klimaschützerinnen, Klimaretter, Klimafalken?

David Roberts, einflussreicher amerikanischer Blogger auf The Grist hat unter seiner Leserschaft eine interessante Umfrage durchgeführt: Wie nennen wir Menschen, die sich für das Klima und Erneuerbare Energien interessieren und engagieren? Er hat über 230 Kommentare auf seinen Blogbeitrag bekommen. Das Ergebnis – also seine Lieblingsbezeichnung, die er ab jetzt verwenden will: Climate Hawks. Klimafalken.

Lässt sich das irgendwie ins Deutsche übertragen? Anlass für Roberts Überlegungen war, dass er sich als ‚Environmentalist‘ nicht adequat bezeichnet fühlt. Kann man Environmentalist mit ‚Umweltschüter/in‘ übersetzen? Und dann gibt es ja auch noch die Begriffe ‚Klimaschüter/in‘ und ‚Klimaretter‘. Brauchen wir im Deutschen auch einen neuen Begriff? Das mit den Tierbezeichnungen funktioniert meiner Meinung nach im Deutschen nicht so gut. Aber vielleicht hat unsere Leserschaft ja auch ein paar gute Ideen? (Wir wollen auch mindestens 230 Kommentare!)

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Diskussion

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    Gute Debatte. Wir haben in der deutschen Klimapolitik schon einen guten Start in den letzten Jahren hingelegt. Legen wir also nach bei den Begrifflichkeiten!

    Wenn es um eine Klima-Buergerbewegung geht, dann fasst es der Begriff „Klimaschuetzer“ nicht mehr. Groesser denken.

    Die Wahl von „Klimafalken“ scheint mir sehr geeignet fuer US-Debatte. Der Falke weckt positive Assoziationen, ist stark, schlagfertig und dazu noch ein eleganter Raubvogel. Am wichtigsten aber fuer den US-Kontext ist, dass der Begriff des Falken etwas militant-agressives hat. Die Falken in der Aussenpolitik sind diejenigen, die schneller fuer militaerische Interventionen plaedieren. Die Umweltbewegung in der USA leidet noch immer darunter, dass sie leicht als spinnerte „tree hugger“ abgestempelt werden koennen. Deshalb ist ein selbstbewusstes Selbstverstaendnis und das Kommunizieren nach aussen (vor allem in moderat-konservative Zirkel hinein) nur konsequent. „Falke“ passt gut.

    „Klima“-Falke scheint naheliegend, aber auch bei „Klima“ hat der Blogger Roberts gut abgewogen. In den USA traut sich fast kein Umweltschuetzer mehr von Klimaschutz zu reden, weil irgendjemand auf der schrillen extremen Rechten aufschreit und die Debatte sich ab dann nur noch um die Frage dreht, ob Klimaschutz real und menschgemacht sei. Aber eine grosse Transformation zu einer low carbon economy wird nicht ohne breite gesellschaftliche Zustimmung und der Einsicht um die Notwendigkeit des Umbaus funktionieren. Deshalb ist die Nutzung des Begriffs hier auch ein Ausdruck von Selbstbewusstsein. In seiner Kombination ist das Signal: wir kaempfen fuer den Klimaschutz und sind eine breite gesellschaftliche Mehrheit. Ihr werdet uns so schnell nicht los, wir sind gekommen, um zu bleiben. Und wir werden wo notwendig auch aggressiv fuer unsere Ziele streiten!

    Funktioniert der Begriff Klimafalke auch im deutschen? Bin auf Rueckmeldungen gespannt…

  2. Klimafalke weckt bei mir, und wahrscheinlich vielen anderen hier in Deutschland, so ein Pentagonbild. Und das kommt hier irgendwie nicht so gut an.
    Ich finde Klimaschützer erinnert auch ein bisschen an Treehugger. Mir fällt nur gerade nichts anderes ein…

  3. Ich finde den Terminus „Klimaretter_in“. Das ist auch der einzige Nachteil an dem gleichnamigen tollen Online-Portal: der Name steht jetzt für eine spezielle Gruppe von Leuten, welche diese Website machen.
    Falke geht garnicht. Hier versteht es keiner. Und im anglo-amerikanischen Kontext wird es mit zunehmender Umweltpolitik auch zu populistischen Warnungen vor „Öko-Terrorismus“ kommen. Vielleicht ist da auch ein Funke reale Gefahr, aber derzeit sind die Einschätzungen von u.a. dem Britischen Außenministerium wohl zu hoch gegriffen. Jedenfalls ist so ein militanter Begriff wie Falke da eher deplatziert. Auch im US-Kontext wird es den „divide“ wohl eher vergrößern: a la „climate-hawks are political extremists“.

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