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Midterm Elections (5) – Klimapolitisches Gruselkabinett

Nur noch wenige Tage bis zur Wahl am Dienstag. Landauf landab kandidieren Republikaner (bzw. rechte Kandidaten des Tea Party Movements), die den Klimawandel höflich gesagt nicht als Problem sehen. Klima-Zombies werden diese Gestalten von der Umweltbewegung genannt. Hier eine kleine Auswahl aus der langen Liste an Skurilitäten, die man in diesem Wahlkampf beobachten kann.

Foto von danhollisterduck unter Creative Commons Lizenz.

Paul LePage kandidiert für Gouverneur in Maine. Maine ist einer von zehn Bundesstaaten an der Ostküste, die (noch?) am regionalen Emissionshandel RGGI teilnehmen. LePage hasst Obama, die Medien und den Planeten. Er fordert die Evolutionstheorie von den Lehrplänen zu streichen und an den Schulen stattdessen die Schöpfungsgeschichte zu unterrichten. Die Homo-Ehe lehnt er ab. Im Golf von Mexiko soll wieder Öl gebohrt werden. Klimawandel sei Unsinn. Falls gewählt, so verspricht er es seinen Wählern selbstbewusst, würde er regelmäßig damit für Schlagzeilen sorgen, Obama in die Hölle schicken zu wollen:

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Dan Maes kandidiert für Gouverneur in Colorado. Mit mehreren Forschungszentren von Windfirmen, dem Rocky Mountains Institute (RMI) und dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) mausert sich der Bundesstaat in den Rocky Mountains zum erneuerbaren Energien Vorreiter. Maes hat im Wahlkampf vor dem neuen bike sharing Programm in Denver und der internationalen Klimapartnerschaft der Städte ICLEI gewarnt, wie die Denver Post berichtet. Damit drohe die Stadt in eine UN-Enklave gewandelt zu werden. All das sei bewusst und heimlich geplant, aber würde bald auffliegen. Denn schließlich würde dies die persönliche Freihheit aller bedrohen:

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Joe Miller kandidiert für Alaskas Sitz im Senat. Miller hat als Tea Party Kandidat überraschend die etablierte Republikanerin Lisa Murkowski in den Vorwahlen besiegt und gute Chancen, zu gewinnen. Dass der Klimawandel menschgemacht sei, glaubt Joe nicht wie Think Progress berichtet. Miller sieht in der Berliner Mauer ein Vorbild, wie sich die USA gegen illegale Einwanderer aus Mexiko abschotten ließe (kein Witz, wie Politico berichtet). Und auf den Rallys zeigen seine Unterstützer gern, dass ihnen das Recht auf Tragen einer Waffe eines Maschinengewehrs auf der Straße ernst ist:

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Es ist ein Trauerspiel mit den Republikanern, ganz zu schweigen vom Tea Party Movement. Dass sich diese klimapolitisch-dummdreiste Ignoranz auf der einen auch auf die andere Seite des politischen Lagers auswirkt, zeigt der Wahlkampf in West Virginia (Demokratischer Klima-Zombie für West Virginia?) und anderswo. Was wir jetzt sehen, stellt alles dagewesene in den Schatten. Das ist ein zivilisatorisches und klimapolitisches Gruselkabinett. Mit wenigen Ausnahmen weigern sich alle Kandidaten der Rechten, den Klimawandel überhaupt als Problem zu sehen. Die Wissenschaft sei nicht eindeutig, Klimawandel sei nicht real und falls doch, dann nicht menschgemacht. Mit solchen Politikern im nächsten Kongress eine weitsichtige Energie- und Klimapolitik zu entwickeln, dürfte aussichtslos sein (von anderen Themen einmal ganz abgesehen). Auf der Ebene der Gouverneure sieht es nicht besser aus, wie The Grist berichtet. Bill McKibben hat mal wieder einen wunderbaren Text geschrieben, in dem er aufzeigt, wie schwer die intellektuelle Krise der US Konservativen ist. Das war nicht immer so und muss sich ändern!

Nachtrag nach der Wahl: Joe Miller und Dan Maes haben ihre Wahl verloren. Allerdings wurde LePaige zum neuen Governor von Maine gewählt.

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Diskussion

  1. radikaler Klimaschützer

    Mit jedem Wirbelsturm über Texas oder Arkansas, mit jeder Überschwemmung in Lousisiana oder Florida, mit jedem arbeitslosem Fischer in New Hampshire und mit jedem neuen Tag im Smog von L.A. werden auch die Amis merken, dass sie sich von ihrem „balanced reporting“ und ihrer freiheitlichen Skepsis kein neues Land kaufen können.

    Good Night and Good Luck.

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