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Race to the Future oder Fair Shares – Wie erzählen wir Klimapolitik?

Einer der Kämpfe, die hier in Cancun ausgetragen werden – undzwar ein ziemlich wichtiger für die internationale Zivilgesellschaft – ist der um die richtige Narrative: Welche Geschichte erzählen wir nach Kopenhagen? Die Debatte darum wird allerdings nicht offen ausgetragen. Man muss schon gut hinhören, um die unterschiedlichen Perspektiven, Botschaften und Zwischentöne zu hören.

Für die Zivilgesellschaft, die sich innerhalb und am Rande des Verhandlungsprozesses bewegt – aber eben nicht oder kaum  in den radikaleren Alternativforen der Climate Justice Now Allianz, Via Campesina und der sozialen Bewegungen – lassen sich zwei große Linien erkennen.

Das eine ist die „Race to the Future“-Botschaft, der Wettlauf um die besten Lösungen. Diese Geschichte handelt davon, dass wir alle gewinnen können, wenn wir nur endlich nach vorne statt zurückschauen, die großen Chancen der ökologischen Transformation erkennen und uns auf einen Wettlauf einlassen, die besten Technologien schnell, günstig und in großem Maßstab bereitzustellen. Verlierer sind nur die, die an der fossilen Vergangenheit kleben, nicht in Innovation investieren und letztendlich auch nicht von den großartigen Vorteilen der neuen Grünen Ökonomie profitieren werden.

Dies ist eine sehr positive Geschichte, die sich gut verkaufen lässt. Und wir brauchen eine Aufbruchsstimmung nach Kopenhagen. Dazu kann die Race-to-the-Future Narrative beitragen. Aber sie erzählt eben nicht die ganze Geschichte. Das kann keine einzige Narrative alleine tun. Dazu ist die Geschichte zu kompliziert.

Die „Gegen-Narrative“ zum Wettlauf um die besten Lösungen ist die der Fair Shares und Klimagerechtigkeit. In dieser Geschichte gibt es Gewinner und Verlierer. Es gibt solche, die richtige Lösungen verhindern und falsche vorantreiben. Es gibt Opfer und Täter – aber die geographischen Grenzen sind da nicht so klar. In jedem Fall gibt es eine (historische) Verantwortung, der wir uns nicht entziehen können.

Was wir aus dieser Perspektive brauchen, sind eine faire Lastenteilung im Klimaregime (auch für die Finanzierung) und ein verbindliches globales Abkommen. Nur dann kann der Wettlauf in fairen Bahnen verlaufen.

Es sind also eigentlich keine Gegen-Narrativen, sondern sich ergänzende Geschichten, die beide erzählt gehören. Ein Problem gibt es nur dann, wenn die Geschichtenerzähler der einen Seite sehr viel lauter tönen und aufgrund der besseren Verkaufbarkeit ihrer Botschaft besser gehört werden. Und die sanften und vielschichtigen Zwischentöne gehen dann ganz unter.

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Diskussion

  1. Liebe Lili, ich glaube aber, noch nicht einmal die Mehrheit der NGOs im Konferenzzentrum glauben naiv an die schlichte „race-to-the-future“ Geschichte. Zum Glück sind auch im Konferenzzentrum jede Menge Menschen, die das kritisch sehen – also einen wahren Kern darin finden, aber auch die Gefahren erkennen. Das Spannungsverhältnis besteht meiner Ansicht nach eher in der Rolle, die NGOs zu einen bestimmten Zeitpunkt spielen wollen: die Verhandlungen voranbringen kann man natürlich eher, wenn man die positive Geschichte erzählt; bremsen kann man sie hingegen, wenn man auf die Gefahren hinweist. Selbst wenn man viele Gefahren sieht, kann es Sinn machen, zu einem bestimmten Zeitpunkt (zum Beipsiel jetzt anch dem Scheitern von Kopenhagen) die positive Geschichte zu erzählen. Denn was hilft uns der Hinweis auf die Gefahren allein – wenn der gesamte UN-Prozess zusammenbricht und dann beide Geschichten am Ende sind?

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