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Dem Wachstum was entgegensetzen: Energiedemokratie jetzt!?

http://www.jenseits-des-wachstums.deAm letzten Wochenende war der Attac Wachstumskongress, welchen die politischen Stiftungen von SPD, Grünen und Linke (Friedrich-Ebert-, Heinrich-Böll-, Rosa-Luxemburg– plus die IG Metall-nahe Otto-Brenner Stiftung) unterstützten. Ein tolles Event! Das Wachstumsthema ist ja auch bei uns hoch aktuell. Neben Tim Jackson („Wohlstand ohne Wachstum„) und Harald Welzer (mit seinen mentalen Infrastrukturen) haben v.a. wir als hbs mit Buen Vivir, der „Vision Green Growth“ und einem Debatten-Blog für Jugendliche ein breites Angebot zu diesem Thema. Doch wie hängt das alles mit einem „Klima der Gerechtigkeit“ bzw. Klimagerechtigkeit zusammen? Die Klimaaktivist_innen von Gegenstromberlin (gsb) haben auf dem Kongress einen Workshop zu genau dieser Frage gemacht. Dabei wurde Wachstumskritik, Kapitalismus und Klimagerechtigkeit in Verbindung zu Energiedemokratie gebracht. Die gut besuchte Veranstaltung, geleitet von Kristina Korte und Tadzio Müller, machte v.a. klar, wie diese ganzen Kampfbegriffe zusammen hängen. Es wurden auf dem Kongress auch die 13 Energiethesen von gsb vorgestellt. Hierbei geht es v.a. um Energiedemokratie, sowohl in Nord, wie auch in Süd. Damit wird eine Brücke zwischen den lokalen „Kämpfen“ und der Klimagerechtigkeit geschlagen. Erneuerbar, dezentral und in Bürger_innenhand. So wird eine wirklich (ökologisch und  ökonomisch) nachhaltige Energieversorgung aussehen. Das „empowerment“ der Menschen gilt dabei auch für diejenigen, für die heute häufig gesagt wird: Die sind doch froh, wenn sie überhaupt irgendwas bekommen. These 12 macht die Verbindung zum Wachstumsthema besonders deutlich:

„Unsere Energiewende kann keine sein, die sich damit zufrieden gibt, den wahnsinnigen Wachstumszwang der Weltwirtschaft einfach nur mit anderen Energien zu füttern. Wenn wir die Klimakrise abwenden, und den Energiesektor ökologisch umbauen wollen, muss der gesellschaftliche Energieverbrauch drastisch sinken. Keine soziale und ökologische Energiewende ohne Wachstumskritik. (alle Thesen hier)

Eigentlich wussten wir es also schon immer: der bloße Zubau von Erneuerbaren Energien reicht nicht un kann sogar kontraproduktiv sein. Effizienztechnologie macht die Welt alleine auch nicht besser (Rebound Effekt), auch wenn sie in allen Strategien eine zentrale Rolle spielt. Es geht bei der Wachstumskritik genau wie bei der Klimagerechtigkeitstheorie immer auch im Suffizienz und folglich um eine (selektive oder absolute) Schrumpfung.Wir müssen die Kohle- und Ölproduktion auf ein mögliches Minimum reduzieren, den Konsumismus unserer „imperialen Lebensweise“ (Ulrich Brand) zähmen und ein neues Denken beginnen. Der alte Schachtruf „wir sind arm weil ihr reich seid“ wurde mit der Klimagerechtigkeitsbewegung neu aufgelegt: „sie haben Probleme weil wir emittieren!“ Dieser Zusammenhang wurde auch jetzt wieder zentral, denn der Süden kann theoretisch noch wachsen, obwohl wir schon jetzt 1 1/2 Erden brauchen würden. Doch dafür muss im Globalen Norden entdlich mal Schluss sein mit „höher, weiter, schneller“. Konzepte, welche ein „Win-Win“ vorschlagen sind zwar verlockend, aber genauso naiv. Das sagte auch kürzlich Alberto Acosta in einem Interview für die Klimaretter(innen).

„Das westliche Entwicklungsparadigma ist höchst gefährlich: Es garantiert den allgemeinen Wohlstand nicht, bringt das ökologische Gleichgewicht aus dem Lot und stellt dadurch das Überleben der Menschheit in Frage. Der „grüne Kapitalismus“ ist eine Falle, denn er stellt die kapitalistische Logik nicht in Frage. In den letzten Jahrzehnten hat auch der Umweltmerkantilismus die Lage nicht verbessert, er ist nur Schminke, die vom Wesentlichen ablenkt.“

Die Debatte ist fast die gleiche, doch durch die Wachstumskritische Brille betrachtet werden viele neue Facetten und Ungereimtheiten in den Argumentationen sichtbar. Gerade die aufkeimende Bewegung für mehr Energiedemokratie kann hier vielleicht neue Akzente setzen, mehr Menschen Mobilisieren und der verkopften Wachstumsdiskussion eine gewisse „Sexyness“ geben. Wir werden also auch in diesem Blog das Wachstum, die Bewegung und das Wachstum er Bewegung mit Blick auf ein Klima der Gerechtigkeit weiter kritisch betrachten.

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Diskussion

  1. HBS ist also weg vom green new deal? super!

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