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CDM in Durban: Es wird noch dreckiger!

Schon in Cancun wurde beschlossen, dass CCS (Carbon Capture and Storage) unter dem Mantel des CDM (Clean Development Mechanism) erlaubt werden soll. Ein groer Erfolg für Big-Oil rund um Shell, BP oder Exxon. In Durban gab es zwar noch die Hoffnung, dies wieder hanzraus zu bekommen, doch eigentlich wurde von den Aktivist/innen von CDMwatch nur noch Hoffnung in sog. „safeguards“ – Absicherungen – gesteckt. Ganz nach dem realpolitischen Motto: Wenn es sein muss, dann aber bitte mit den härtesten Auflagen und ganz viel Kontrolle.

Der derzeitige Verhandlungstext zu diesem einen Detail der Klimaverhandlungen ist allein 22 Seiten lang. Dennoch wird nirgends das sog. EOR (Enhanced Oil Recovery) ausgeschlossen. Damit bleibt das größte loophole offen. Loopholes sind Löcher oder Hintertüren, durch die Emissionen eben doch nicht vermieden werden bzw. woander entstehen (siehe mehr dazu hier). Denn bei EOR wird das CO2 in Öllagerstätten gepumpt und dadurch auch der letzte Tropfen des schwarzen Giftes nach oben gedrückt. Bis zu 30% höhere Ausbeuten lassen sich so für Shell & friends ergattern! In einer Beispielrechnung von CDMwatch kam heraus, dass das Weyburn Field in Kanada, wo diese Technik schon angewandt wird, ein Profit von USD 445 pro Tonne CO2 produziert wird. Für das Ölunternehmen – dank dem CO2-Markt. Die großen Unternehmen des Nordens sind es dann wohl auch, die im Süden diese Projekte durchführen werden, plus ihre Kollegen von „Petrobras“ usw. CDM watch warnt dementsprechend auf einem Flyer hier:

Dear delegates, please get your priorities right! CCS in the CDM is unproven on a commercial scale with plenty of scientific uncertainties. More work needs to be done for these lingering issues to be resolved. We certainly do not need yet another loophole for generating carbon credits from fossil fuel projects. Before rushing into setting up a new source for millions of carbon offsets, you want to work on pledges first!

Ein Unterstützer der „realpolitischen“ Position ist die EU. Sie wird zum Einen von der stockkonservativen Kohle-Regierung aus Polen angeführt, zum Anderen hat sie Angst, dass die Öl-fördernden OPEC-Staaten ohne diesen Kompromiss zu CCS alles andere blockieren würden. Auf einem Event zu CCS der EU Kommission hier waren auf dem Panel die großen Fürsprecher für CCS (EU, Shell, Südafrikanische CCS-Gesellschaft und die Bellona-Foundation) zu sehen. Im Publikum fanden sich ihre Kumpels von ZEP oder einem Pro-CCS Institut aus Deutschland wieder. Ich durfte spontan ein Kurzstatement mit kritischen Fragen machen und es zeigte sich, dass das Publikum ungefähr 50/50 in der Frage gespalten war. (Hinterher gab es einen weiteren Austausch bei dem mich ein Ökologe aus Deutschland darauf hinwies, dass ich als unehrlicher CCS-Gegner ja eigentlich für weniger Klimaschutz bin und ich sollte nicht vom CCS-Widerstand in Deutschland berichten.) Der ganze Abend wirkte dennoch etwas inszeniert und die Strategie war schon vor Durban ausgegeben:

„The EU supports, as part of a full range of mitigation technologies, the implementation of environmentally safe CO2 capture and storage projects. […] but recognize that there are a number of unresolved issues that will be considered.“ (Quelle: interne Dokumente)

Und auch hier schlägt sich wieder, dass viele der CDM-nutzenden Unternehmen in Europa angesiedelt sind. Die Haftung für die Sicherung der CO2-Endlager sollen die Länder des Südens möglichst schnell übertragen bekommen. Wir im Norden würden dann also mit unserem Geld nicht nur ein Kohleprojekt im Süden finanzieren und eine Technologie, welche die Mehrheit der Deutschen ablehnt, dahin abschieben, sondern statt sauberem Solarstrom bekommen die Menschen vor Ort eine CO2-Blase unter ihre Wohnungen. Ob sich das alles dann noch „Clean Development“ nennen darf? Vielleicht ist CCS (und v.a. EOR) im CDM der berühmte Tropfen zu viel und die öffentliche Meinung dazu kippt um? Wenn sich Deutschland theoretisch dem CDM entziehen würde, wäre das vielleicht revolutionärer als so manch anderes, was hier in Durban passiert…

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