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Klimawandel und Extremwetterereignisse

Eigentlich schon fast keine Neuigkeit mehr im Sommerloch: Die Minusrekorde der arktischen Eisschmelze. Neu sind allerdings Erkenntnisse der Klimawissenschaft, die sich immer mehr mit den Fragen von Wechselwirkungen zwischen dem Schmelzen am Pol und Extremwetterlagen in anderen Weltteilen beschäftigt. Einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung gibt hier ein Bericht auf Spektrum.de.

Und Oxfam hat eine aktuelle Studie herausgegeben, die der Frage nachgeht, inwieweit Extremwetterereignisse sich in Zukunft auf Nahrungsmittelpreise auswirken werden. Bekannt sind bereits die Vorhersagen über Auswirkungen von langfristigen Temperaturanstiegen und Niederschlagsveränderungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Aber wenig beachtet war bisher eben die Bedeutung von plötzlichen Ereignissen wie Dürren oder Überschwemmungen in den Hauptexportregionen für Mais, Weizen und Reis. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Extremwetterereignisse (wie z.B. die aktuelle Dürre in den USA) jetzt und in Zukunft dramatische Auswirkungen auf die Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkte haben und damit die Zahl der Hungernden in den nächsten Jahrzehnten weiter in die Höhe treiben werden.

Vor diesem Hintergrund wird die Frage von „Anpassung“ an den Klimawandel fast zur Farce. Nicht umsonst haben die Entwicklungsländern daher darauf bestanden, die Frage von „loss and damage“ (also Verlust und Wiedergutmachung von erlittenem Schaden) auf die Agenda der UN Klimaverhandlungen zu setzen. Und so schlossen die ärmsten Entwicklungsländer (LDCs) und die Kleinen Inselstaaten (AOSIS) ihr Statement zum Abschluss der UNFCCC-Zwischenverhandlungen, die gerade in Bangkok zu Ende gegangen sind, mit dem Satz: „If hard decisions to cut emissions are not made now, developing countries will be forced to confront issues of adaptation on a previously unimaginable scale.“ Ich glaube, das „if“ hätten sie auch streichen können.

 

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Diskussion

  1. Ja, etliche bedenkliche Trends habenn sich fortgesetzt oder sogar verstärkt:

    -bis zum Eisminimum in der Arktis um den 20. September herum wird die mit Meereis bedeckte Fläche wahrscheinlich sogar die 4-Millionen Quadratkilometer-Grenze unterschreiten, also deutlich unter den 4,17 Millionen von 2007 liegen.
    Der Tiefdruckwirbel, der sich im August über dem Nordpol entwickelt hatte, hatte eine Ausdehnung wie die gesamte Arktis und einen Kerndruck, wie er sonst nur im Zentrum von Hurrikanen gemessen wird. Ein bisher niemals registriertes Phänomen.

    -erstmals seit Beginn der Beobachtungen wurden im Hochsommer auf 97% des grönländischen Eises Abtauprozesse beobachtet (bestätigt durch mehrere Quellen). Sogar in 2500 Meter Höhe im nordgrönländichem Binnenland schmolz das Eis.

    -nicht nur in den USA gab es eine ungewöhnliche Hitze und Trockenheit. Auch in weiten Teilen Sibiriens wurden Temperaturrekorde in Serie gemessen. Ebenso in Nordkanada. Und in Südosteuropa gab es eine selten gesehene Dürre und Hitze.

    -In großen Teilen Brasiliens und Argentiniens setzte sich der Trend zu extremen Wintertrockenzeiten fort. Bis weit nach Amazonien hinein gab es monatelang fast keinen Niederschlag und wolkenloses Wetter.

    -Der Trend zu unterdurchschnittlichen Regenmengen während des Monsun in weiten Teilen Indiens setzte sich fort. Das Defizit dürfte auch nicht mehr aufgeholt werden, denn die Monsunzeit endet um den 20. September.

    Und bisher war El Nino noch nicht wirksam. Erst ab Oktober bis ins nächste Jahr hinein wird dieses zyklische Phänomen wieder seine Wirksamkeit entfalten. Und erfahrungsgemäß häufen sich die Wetterextreme dann noch zusätzlich.

    Die Extreme mehren sich. Und es zeigen sich 2 Trends, die Klimawissenschaftler genau so vorausgesagt heben: dass die Arktis und die Binnenlandmassen besonders von den Veränderungen betroffen sind, während die Bereiche der mittleren und äquatornahen Breitengrade mit maritimen Klima geringere Veränderungen aufweisen.
    Was nach meiner Ansicht auf die thermische Trägheit der Ozeane (mit Ausnahme des Nordpolarmeeres) zurückzuführen ist

  2. Halten wir fest:
    – Kyoto und Emissionshandel haben viel zu wenig gebracht.
    – Wir streichen das ‚if‘, der Farce ‚Anpasung‘ bleibt uns.
    – Die Gerechtigkeit abzuringen ist eine politische Aufgabe, keine Marktaufgabe. (Steckenpferd: der Markt hätte ab Anfang außen vor gelassen werden sollten.)
    – Gerechtigkeit ist hier nicht nur zwischen Nord und Süd zu betrachten, sondern auch innerhalb Deutschlands!

    Und meine Frage: wie werden gerade die Grünen mit ihrem aktuellen Marktglauben hier mit umgehen?

    Schöne Grüße,
    Johan

  3. Hallo Johan,
    ich würde es eher als Kapitulation der Grünen vor dem Diktat „der Märkte“ interpretieren, denn als Marktglauben.
    Man arrangiert sich mit der Situation und versucht, das Schlimmste zu verhindern.
    Wahrscheinlich bleibt der „Realpolitik“ auch nicht viel Anderes übrig. Wenn wir so weiter leben wollen wie jetzt, befinden wir uns in einem dichten Gestrüpp von „Alternativlosigkeiten“ oder besser gesagt von nur unzureichenden, graduellen Alternativen.
    Wollte man das, was langfristig wirklich notwendig wäre (schon im Hinblick auf die kommende Problematik der erodierenden Ressourcen – beginnend mit Importöl, danach sich erstreckend auf eine Vielzahl natürlicher Ressourcen und Rohstoffe bis hin zu Boden, sauberem Süßwasser und Phosphaten usw.) in ein Parteiprogramm packen, dann würde man zu einer 0,3%-Partei werden, maximal. Denn als Überschrift über diesem Parteiprogramm stünde in großen Buchstaben: VERZICHT! oder besser: „Radikaler Bruch mit unseren Lebensgewohnheiten“.

    Ganz einfach, weil unser Lebensstil ganz prinzipiell nicht planetenkompatibel ist.
    Bei 100 Millionen Menschen auf der Welt wäre er für längere Zeit durchzuhalten, aber nicht bei der 70-fachen und demnächst 90-fachen Anzahl.

    Unser Lebensstil, den auch Grüne und übrigens auch Linke nicht missen wollen (genau wie über 99% der Bevölkerung), kann nur duch schreiende Ungerechtigkeit überhaupt aufrecht erhalten werden.
    7 Milliarden fleischmengenverschlingende, Megajoule Energie Verbrauchende und Großmengen an Emissionen aller Art Verursachende, weltreisende Möchte-Gern-Marco-Polos würden die Welt in wenigen Jahrzehnten zu einem Planeten machen, der menschliches Leben kaum mehr ermöglicht.
    Abgesehen davon, dass die erforderlichen Ressourcen für diesen 7-milliardenfachen durchschnittlichen deutschen Lebensstil garnicht zur Verfügung stünden. Alleine Öl müsste in einer Menge von 230 Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung stehen, bei 9 Milliarden Menschen an die 300 Millionen. (bei US-Lebensstil 450 Millionen Barrel am Tag) Und Erdgas würde in einer jährlichen Menge von 7 Billionen Kubikmetern zur Verfügung gestellt werden. Von der Menge an Fisch, Fleisch, Phosphaten oder Braunkohle ganz zu schweigen.
    Wir Durchschnittsdeutschen können also nur deshalb so leben wie heute, weil Milliarden andere Menschen von diesem Lebensstil ausgeschlossen sind.

    Aber das sagen Sie mal einem Wähler. Der zeigt Ihnen doch einen Vogel.

    Ich bin kein Mitglied der Grünen, wähle die aber meistens, weil es bei denen wenigstens einige ansatzweise begriffen haben. Wenngleich sie es zu wenig öffentlich darstellen oder gar ansatzweise politisch umsetzen.

  4. Hallo,

    der Artikel ist sehr aufschlussreich. Ich werde ihn daher auch auf KSN veröffentlichen, damit er eine größere Bekanntheit erfährt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Udo Schuldt

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