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Die Welt schaut nach Hyderabad

Gastbeitrag von Thomas Fatheuer

Oder doch wohl eher nicht? Schade, denn heute begann im indischen Hyderabad die 11. Vertragsstaatenkonferenz (COP) der Konvention über Biologische Vielfalt (CDB). Anders als bei den Klimakonferenzen hält sich die öffentliche Aufmerksamkeit bei der CDB in sehr überschaubaren Grenzen. Auch Minister Altmaier wird es nicht nach Hyderabad schaffen.

Dabei ist der Verlust der Artenvielfalt eine genau so große globale Bedrohung wie der Klimawandel – allerdings nicht so leicht fassbar. Und für alle, die noch nicht jegliche Erwartungen an multilaterale Prozesse aufgegeben haben, ist  die CDB ein Hoffnungsschimmer: Immerhin einigten sich die Vertragsstaaten vor zwei Jahren in Nagoya auf ein Abkommen einschließlich zwanzig konkreter Ziel, den sogenannten Aichi Targets.

Im Vorfelde der Konferenz von Hyderabad wurde aber deutlich, dass zwischen der Vereinbarung von Zielen und deren Implementierung eine Lücke klafft. Und wie so oft steckt der Teufel im Detail. Die unscheinbare Formulierung, dass zunächst einmal eine „robuste Basislinie identifiziert und ein effektives Berichtssystem adoptiert“ werden sollen, erweist sich nun als hohe Hürde. Fast alle Vertragsstaaten kommen ohne eine „robuste“ Basis nach Hyderabad. So weiß man nicht, was alles unter der Rubrik „Biodiversität“ in den einzelnen Ländern bereits finanziert wird. Daher ist es dann unmöglich, den zusätzlichen Finanzbedarf zu ermitteln. Die CBD läuft deshalb Gefahr sich in langen, technischen Diskussionen über Basislinien und Berichtsformate zu verzetteln, ohne wirklich Umsetzungsstrategien zu beraten.

Denn Implementierung heißt natürlich vor allem Finanzierung. Und wie auch immer genau Rechnungen ausfallen werden, klar ist, dass die OECD-Staaten zusätzliche Finanzmittel aufbringen müssen, um die Biodiversitätsziele zu erreichen. Derweil es dem Schutz von Natur und Artenvielfalt bekanntlich schwerer fällt an öffentliche Gelder zu gelangen als etwa Banken, floriert auch im Umfeld der CDB die Debatte um „Innovative Finanzierungsmechanismen“, die vor allem den privaten Sektor motivieren sollen. Großes Vorbild ist REDD, das ja dem Waldschutz durch die Kommerzialisierung von in Wäldern gespeicherten CO2 zu einem Quantensprung verhelfen sollte. Auch wenn sich bei REDD die Erwartungen auf enorme Finanzmittel aus Marktmechanismen sich bisher nicht erfüllen, wird im Umfeld der CBD nun ähnliches diskutiert und geplant.

Viele NGOs befürchten daher, dass die CBD nun zu einem weiteren Feld von Vorstößen zur „Finanzialisierung der Natur“ wird. Das NGO-Bündnis „CBD Alliance“ warnt daher ausdrücklich davor, über Ökomische Mechanismen den „Leistungen“ der Natur einen Preis zu geben: „Calculating the value of biodiversity is incredibly problematic.“ Genau auf diesem Weg setzen aber viele, allen voran die TEEB Initiative (The Economics of Ecosystems and Biodiversity). So sind also in Hyderabad spannende und wichtige konzeptionelle Debatten zu erwarten – und vielleicht auch einige Ergebnisse.

Ausführliche Informationen zum CBD-Prozess finden sich im neuen Rundbrief des Forum Umwelt und Entwicklung: “Mehr Kröten für den Artenschutz“ und in einer aktuellen Pressemitteiling der grünen Bundestagfraktion.

 

 

 

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