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It’s all about money!?! Die Biodiversitätskonferenz ist zu Ende und alle sind (mehr oder weniger) zufrieden

Im indischen Hyderabad tagten vom 9. Oktober – 19. Oktober die Vertragsstaaten der UN Konvention über biologische Vielfalt, CBD. Es war ihre 11. COP . Thomas Fatheuer war vor Ort.

Gegen Ende wurde es in Hyderabad noch einmal dramatisch. Lange dauerte das Ringen um den dann doch strittigsten Punkt: Wer soll das alles bezahlen? Das erst nach Mitternacht des letzten Konferenztages (19.10.) verkündete Ergebnis, wurde von allen noch anwesenden Organisationen mit großer Zufriedenheit aufgenommen. Die Verdoppelung der Finanzmittel der Industrieländer für “Entwicklungsländer“ bis 2015 war wohl das, was realistisch von der Konferenz zu erwarten war.

Dass der Showdown der Konferenz beim Thema Finanzen stattfand, hat sicherlich dazu beigetragen, dass in den Bewertungen der Umweltverbände (siehe BUND, NABU, Forum Umwelt und Entwicklung und WWF) und in Zeitungsartikeln dieser Aspekt deutlich im Vordergrund steht. Schade, dass somit andere Themen der CBD kaum Erwähnung, geschweige denn Beachtung finden. Die Konzentration auf das Geld leistet auch einem billigen UN-Bashing Vorschub, durch das sich der taz-Kommentar ausweist:

Die nun zugesagte Verdopplung der Zahlungen aller Industriestaaten für den Artenschutz in allen Entwicklungsländern auf 10 Milliarden Dollar jährlich ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Der WWF veranschlagt den Bedarf auf insgesamt 200 Milliarden Dollar pro Jahr, vor allem im Süden.

Da werden Geldflüsse von Norden in den Süden mit dem Gesamtbedarf für den Schutz der Biodiversität durcheinander geworfen. Denn eines ist klar: der Großteil der Gelder für den Schutz der Biodiversität muss aus den nationalen Haushalten kommen. Außerdem gibt es vieles zu tun, das kein Geld kostet oder sogar noch Geld spart. Bis 2020 sollen alle Subvention, die der Biodiversität schaden, auslaufen. Die Zukunft der Biodiversität wird weniger von Mittelflüssen abhängen, als davon, ob die wirtschaftlichen Interessen, die die Naturzerstörung betreiben oder begünstigen, eingedämmt werden können.

Ein Blick auf die anderen Themen der CDB zeigt eine gemischte Bilanz: Das Moratorium für Geo-Engineering wurde beibehalten, die Forderung ebenfalls ein Moratorium für synthetische Biologie zu beschließen, konnte hingegen nicht durchgesetzt werden. Der Text über biofuels ist zwar ein typischer Kompromisstext einer UN-Konferenz, er hält aber zumindest mögliche negative Auswirkungen von biofuels für Biodiversität und Nahrungssicherheit fest.

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Diskussion

  1. „Der Text über biofuels ist zwar ein typischer Kompromisstext einer UN-Konferenz, er hält aber zumindest mögliche negative Auswirkungen von biofuels für Biodiversität und Nahrungssicherheit fest.“

    Welch epochaler Durchbruch!
    Man „hält“ also „fest“, dass Monokulturen soweit das Auge reicht, die Trockenlegung tropischer Moore und z.B. von Feuchtgebieten in Deutschland (= gewaltige CO2-Senken), Regenwaldmassaker zur Nutzlandgewinnung, zusätzliche Herbizid- und Pestizidexzesse usw. „möglicherweise“ der Artenvielfalt schaden.

    Welche grandiose Leistung menschlicher Erkenntnis!

    Danke nochmals für die erhellende Berichterstattung.

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