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Europäische Unternehmen blicken neidvoll auf billige Energiepreise in den USA, schweigen aber zu fossilen Subventionen

Mit ihrem „Policy Manifesto“ nehmen die zwei großen Brüsseler Industrieverbände, Orgalime und Ceemet, die zusammen mehr als 200,000 europäische Unternehmen vertreten, die EU in Geiselhaft, indem sie – mit Verweis auf die billigen (gasgetriebenen) Energiepreise in den USA – vor negativen wirtschaftlichen Folgen durch eine strenge und ambitionierte europäische Klima- und Energiepolitik mahnen (siehe FT).

Die Debatte um „teure“ erneuerbare Energien in Europa auf der einen Seite und „billiges“ (unkonventionelles) Öl und Gas in den USA ist auf jeden Fall eine, die auch die Verhandlungen hier in Doha prägt. Aber sie ignoriert zumindest einen wichtigen Fakt, undzwar die tatsächlichen Summen, die weltweit für Subventionen für fossile Energien ausgegeben werden. Und das ist leider ein Thema, bei dem sich hier die meisten Delegationen aktuell in Schweigen hüllen…

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Diskussion

  1. Die niedrigen Gaspreise in den USA sind nur dehalb zustande gekommen, weil man die Fracking-Firmen von allen Umweltauflagen freigestellt hat.
    Müssten diese Firmen die salzige Giftbrühe, die in großen Mengen beim Fracken auch außerhalb der Bohrlöcher anfällt, entsalzen und entgiften (normale Kläranlagen versagen dabei), dann wäre der US-Gaszauber schnell vorbei. Weil sich tight-Gas dann nicht mehr „rechnen“ würde.

    Und fossile Energie insgesamt würde sich nie „rechnen“, wenn man ALLE Zukunftskosten, die freilich nicht halbwegs exakt zu ermitteln sind, in die Energiepreise hineinrechnen würde.
    Unsere Art und der heutige Umfang des Energieverbrauchs ist nur möglich, weil hier eine Massiv-Subvention zu Lasten der zukünftigen Generationen stattfindet. Weit über das Maß an Subvention hinaus, das gegenwärtig klar kalkulierbar auszuweisen und schon gigantisch genug ist.

    Oder sagen wir es anders: unsere heutige Zivilisation in der Ausprägung in den OECD-Staaten und zunehmend kopiert von den Schwellenländern konnte nur in der Form entstehen, weil wir energetische Subvention aus gespeicherter Solarenergie (eben durch Öl, Gas und Kohle) aus zig Millionen Jahren billigst verfügbar machen konnten und weil wir das kommende Kostengebirge, das die Menschheit zuküntig nie wird schultern können (oder neudeutsch: wird „refinanzieren“ können), nicht in die Energiepreise eingerechnet haben, sondern den Menschen der Zukunft vor die Füße kippen.
    Unsere ganze heutige Zivilisation ist eine einzige Subventionsveranstaltung: nicht nachhaltiger Verbrauch von Grundwasserressourcen, Ackerflächenressourcen, Fischgründen, endlichen Rohstoffvorkommen plus die Nachfolgekosten heutiger „Entsorgungs“-Praktiken, die im Extremfall bis hin zur Gefährdung zukünftigen menschlichen Lebens auf der Erde gehen können.
    Leider sind diese zukünftigen Deponiekosten unserer heutigen Entsorgungs-Zivilisation selbst durch das komplizierteste Computerprogramm nicht zu kalkulieren, weil wir die Kipppunkte und Rückkopplungen der zukünftigen Entwicklungen nicht kennen.
    Wir haben ein globales Experiment mit unserem gastgebenden Planeten gestartet, dessen Ausgang leider niemand kennt.

    Aber diese Einsicht wird sich in Doha nicht durchsetzen – gerade in Doha nicht. Denn Doha mit seiner Skyline, seinem energetischen und ökologischen Fußabdruck und seinem Wildwuchs der letzten Jahrzehnte steht mustergültig für das Dilemma der Menschheit.

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